25. 11.: Nach anfänglicher Verzögerung ist der Herbstzug bald finalisiert

Wie bereits berichtet, haben die Waldrappe Mitte August die beiden Brutgebiete Burghausen in Bayern und Kuchl in Salzburg verlassen und somit die Herbstmigration begonnen. Bald darauf trafen sich die Vögel in der Nähe des Flughafens Salzburg und blieben dort.

 

Ende Oktober haben wir uns entschlossen einzugreifen um zu vermeiden, dass die Vögel durch einen Wintereinbruch gefährdet werden. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass primär die große Zahl an Jungtieren (10) im Vergleich zu 7 Erwachsenen diesen ausgedehnten Zwischenstopp verursachte. Folglich trennten wir einen Erwachsenen und zwei Jungtiere aus der Gruppe und transferierten sie nach Westen zum Eingang des Zillertals. Von dort sind die drei Vögel sofort nach Süden gestartet und erreichten innerhalb von fünf Tagen das Winterungsgebiet.

 

In weiterer Folge kam Bewegung in die verbleibende Gruppe. Beispielsweise lösten sich Anfang November sechs Vögel, drei Erwachsene und drei Jungvögel, flogen bis zu einem Grünlandareal bei Innsbruck und blieb dort. Mitte November transferierten wir diese Gruppe nur 30 km über den Brennerpass nach Sterzing. Von dort aus setzten sie ihre Reise selbstständig fort.

 

Schlussendlich und gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn des Wintereinbruchs querten alle Vögel die Alpen. Am 24. November sind drei weitere Vögel, darunter ein Jungvogel, im Wintergebiet ankommen. Weitere acht Vögel sind noch am Weg, teils noch in der Poebene, teils am Apennin und teils bereits in der Toskana.

 

Die Vögel werden durch vier Mitglieder unseres Teams – Anne, Corinna, Daniela und Rachele – begleitet. Mit Fahrzeugen folgen sie den Vögeln anhand der GPS-Positionen, die wir mehrmals täglich von jedem Vogel erhalten. An jedem Zwischenstopp kontaktieren die Mitarbeiterinnen die ansässigen Jäger, Medien, Polizeibehörden und die Öffentlichkeit, um sie über die Vögel und das Projekt zu informieren. Damit sollen die Waldrappe insbesondere vor illegalem Abschuss geschützt werden. 

 

Die Gründe für die seit 2014 beobachtete Unterbrechung des Herbstzuges sind noch nicht vollständig geklärt. Eine Kombination verschiedener Faktoren, insbesondere der sozialen Dynamik und der außerordentlich milden Temperaturen im Herbst und frühen Winter, scheint die Vögel zu veranlassen, die Querung des Gebirges hinauszuzögern. In Kooperation mit Wissenschaftlern werden wir versuchen, dieses wohl ungelegene aber auch interessante Phänomen besser zu verstehen.

8. 9. 2015: Angekommen: Erfolgreicher Abschluss der 10. menschengeführten Migration

 

Am 8. August endete die 10. menschengeführte Migration mit jungen Waldrappen. Nach 18 Tagen erreichte das Team mit 28 Vögeln das WWF Schutzgebiet Laguna di Orbetello in der südlichen Toskana. In 5 Tages-Flugetappen wurden insgesamt 794 Kilometer zurückgelegt, mit einem Tagesmittel von 159 Kilometern. Die Fluggeschwindigkeit lag im Mittel bei 45 km/h, mit Rückenwind konnten aber Geschwindigkeiten von bis zu 76 km/h erreicht werden.

Diese Migration war geprägt durch phantastische Flüge in bisher nie dagewesener Form. Insbesondere waren doppelt so viele Vögel mit dabei wie bei der bislang größten Migrationsgruppe, angeführt von zwei Fluggeräten mit je einem Piloten und einer Bezugsperson der Vögel an Bord. Die Alpen und der Apennin konnten erstmals in direktem Flug weit über den Gipfeln überquert werden. Die Flüge über diese Gebirge waren auch für die beiden erfahrenen Piloten Johannes Fritz und Walter Holzmüller ein ganz neues Erlebnis: „Diese fast unendliche Dimension, mit dem Gebirge weit unter uns, aber die Vögel und das zweite Fluggerät in unmittelbarer Nähe, das war ein fast schon surrealer Eindruck. Wir denken, dass die Vögel bei diesen Flügen einen optimalen Überblick bekommen haben, der ihnen später hilft den besten Weg zurück in ihr Brutgebiet zu finden.“

Noch am Tag der Ankunft im Wintergebiet haben diese jungen Waldrappe ihre wildlebenden Artgenossen getroffen. Damit leben derzeit insgesamt 66 Waldrappe im Wintergebiet. Weitere 19 Wildvögel halten sich momentan noch nördlich der Alpen in Salzburg auf. Diese Gruppe sollte in den nächsten Wochen selbstständig in die Toskana migrieren.

Einige Fotoimpressionen dieser menschengeführten Migration können unter dem folgenden Link heruntergeladen werden: https://www.dropbox.com/sc/k58gp2fmgagff7v/AADU8MrOwmwkdXNLeTwONd3fa.

 

3. 9.: Migration 2015: Der Wind bremst uns aus

Wir haben inzwischen in drei Flugetappen knapp 500 km zurückgelegt und den Flugplatz Valle Gaffaro am südlichen Rand des Po-Deltas erreicht. Hier sitzen wir jetzt den vierten Tag und warten auf geeignete Windbedingungen, um den Apennin zu überfliegen. So schnell wird das aber wohl nicht der Fall sein. Deshalb planen wir für morgen oder übermorgen eine kleine Etappe von 60 km zum Flugplatz Lugo. Von dort könnten wir dann das Wintergebiet in einer weiteren Etappe von ca. 220 km erreichen.

Die Pause tut den Vögeln gut, denn sie haben seit Beginn der Migration im Schnitt 5 % an Körpergewicht verloren. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist das in einem üblichen Rahmen. Das Gewicht sollte aber auch nicht weiter abfallen, da die Vögel dann die Flugmotivation temporär verlieren könnten. Wir haben es also nicht eilig, was ja auch durchaus dem Charakter einer Herbstmigration entspricht.

Die zweite Flugetappe, von Mauterndorf bis nach Al Casale in Friaul, war von einem ganz neuen Flugstil geprägt. Den wesentlichen Teil der Etappe flogen wir konstant in Formation in über 2000 m Seehöhe. So konnten wir die Alpen und die Karawanken in direkter Linie überqueren. Bislang war es nicht möglich, die Vögel in eine solche Höhe zu bringen und dort zu halten. Dass dies gelang, ist insbesondere dem Geschick unseres Piloten Walter Holzmüller zu verdanken. Wir gehen auch davon aus, dass diese Flughöhe den Vögeln einen optimalen Überblick verschafft und ihnen hilft, sich fortan bei den selbständigen Fügen gut zu orientieren.  

Leider reduzierte sich die ursprüngliche Zahl von 31 Vögeln auf aktuell 28 Tiere. Einen Vogel mussten wir nach dem ersten Flug ausscheiden, da er offensichtlich nicht mithalten konnte. Er reist fortan im Auto mit. Beim bislang letzten Flug blieben zwei Vögel zurück. Einen davon fanden wir bald wieder. Der Zweite, das Weibchen Raphael, ist seit fünf Tagen verschollen, trotz breiter medialer und digitaler Berichterstattung – allein das Posting zu Raphael auf unserer italienischen Facebook-Seite wurde bislang rund 13.000 mal gelesen! Wir hoffen weiter den Vogel wieder zu finden, zumal wir in den vergangenen 14 Jahren nie einen Vogel während der Migrationsflüge dauerhaft verloren haben. Ein weiterer Vogel hat sich gestern in der Voliere den Schnabel angebrochen. Er wurde noch am selben Tag in Villach von Dr. Jean Meyer behandelt. In einigen Wochen wird er zu seiner Gruppe zurückkehren können.

So bleiben derzeit immerhin noch 28 Vögel, die in zwei Volieren betreut werden und mit denen wir hoffentlich bald die Migration fortsetzen können.

Foto (P Przesang): Der Flug über die Gebirge in 2.500 m Seehöhe, mit der großen Zahl an Vögeln und zwei Fluggeräten in enger Formation, ist für die Vögel wohl vorteilhaft, für die beteiligten Personen jedenfalls ein phantastisches, schon fast surreales Erlebnis. 

 

25. 8. 2015: Migration 2015: Wilde Waldrappe sammeln sich und Menschengeführte Migration gestartet

 

Erfreulich viel Bewegung im LIFE+ Waldrapp-Projekt! Die wilden Waldrappe haben die beiden Brutgebiete Burghausen/Bayern und Kuchl/Salzburg in der ersten Augusthälfte verlassen, wie das auch in den Vorjahren der Fall war. Gestern haben sich die beiden Gruppen getroffen und die gesamten 23 Vögel halten sich derzeit im Umfeld des Brutgebietes Kuchl auf.

Das Sammeln der beiden Brutkolonien in einer Gruppe ist ein Phänomen, das wir im vergangenen Jahr erstmalig beobachtet haben. Wir deuten dies als ein wichtiges Zeichen für eine positive Entwicklung und eine Stabilisierung der Zugtradition.

Wir hatten in dieser Saison eine sehr gute Reproduktionsrate. Bei der Gruppe sind 15 Jungvögel mit dabei. Wir hoffen darauf, dass sie gemeinsam in der Großgruppe in das Wintergebiet geführt werden. Erfahrungsgemäß halten sich die wilden Waldrappe aber noch bis ca. Mitte September auf ergiebigen Nahrungswiesen auf bevor sie die Alpen überqueren. Dass sie als Versammlungsort Kuchl gewählt haben, spricht für die Qualität der Nahrungsflächen im Umfeld dieses Brutstandortes.

Mit den 31 handaufgezogenen Jungvögeln sind wir schon etwas weiter im Süden. Die erste Flugetappe (118 km in 2:33 Stunden) vom Trainingscamp in Seekirchen am Wallersee/Salzburg nach Mauterndorf und somit der wesentliche Teil des Alpenhauptkamms liegt hinter uns. Dieser erste Flug ist sehr gut verlaufen. Das ist in diesem Jahr von besonderer Bedeutung, da wir ja erstmals mit der doppelten Zahl von Vögeln und zwei Fluggeräten in einer Formation fliegen. Aller Grund zur Hoffnung für den Weiterflug. Vorerst sitzen wir hier am Flugplatz aber wegen Schlechtwetter fest. 

Unter diesem Link können Bilder unserer ersten Flugetappe heruntergeladen werden. 

Foto (P Przesang): Erste Etappe der menschengeführten Migration, Flug über die Hohen Tauern. Ein Helikopter mit Kamera begleitet die Formation. 

7. 8.: Flugtraining in Seekirchen, Flug mit 31 Vögeln 

Das Flugtraining in Seekirchen ist weitgehend abgeschlossen. Wir haben vor Ort zwei Gruppen, eine mit 16 Vögeln und eine mit 15 Vögeln (ein Vogel ist im Juli bei einer Kollision mit dem Fluggeräte umgekommen). Bis Ende Juli wurden beide Gruppen getrennt trainiert. Diese Trainingsflüge verliefen bestens. Mit großer Spannung erwarteten wir aber den Versuch, mit beiden Gruppen zeitgleich zu fliegen.

Am 31. Juli war es dann soweit. Eine Gruppe startete aus dem Camp in Seekirchen, mit einem Fluggerät und einer Bezugsperson. Sie überflog das ca. zwei Kilometer entfernte zweite Camp, wo zeitgleich die andere Gruppe mit Fluggerät und Vögeln startete. Bereits nach wenigen Minuten vermischten sich die 31 Vögel und flogen fortan gemeinsam, wobei sie zwischen den beiden Fluggeräten pendelten, die parallel mit einem Abstand von 50 - 100 m zueinander flogen.

Inzwischen haben wir bereits vier Flüge in dieser Großformation absolviert. Der letzte Flug führte am 6. August von Seekirchen nach Süden zum Hintersee, über einen Bergrücken auf 1.600 m zum Wolfgangsee und dann über den Fuschlsee retour nach Seekirchen, was einer Gesamtflugstrecke  von  70 km entspricht! Die gesamt Gruppe folgte problemlos und zuverlässig, auch im alpinen Bereich.

Die Route kann über folgenden Link angesehen werden: http://www.livetrack24.com/track/531121.

Ein YouTube Video zu diesen Flügen in der Großformation ist unter folgendem Link zu sehen:
https://youtu.be/nCW82bawv5A

Wir werden nächste Woche noch voraussichtlich zwei Trainingsflüge absolvieren, dann sind wir bestens für die Migration vorbereitet. Diese soll am 17. August starten, sofern das Wetter passt.

Wenn nun auch die Migration mit dieser Großgruppe funktioniert, haben wir mit der Fusion von zwei Gruppen die Methode der menschengeführten Migration substantiell verbessert.

Inzwischen ist auch der Jahresbericht 2014 fertiggestellt und kann unter folgendem Link abgerufen werden.

Foto: Trainingsflug in der Großformation. Die 31 Vögel halten sich vorwiegend zwischen den beiden Fluggeräten auf. Zunehmend kann man auch den Formationsflug beobachten. Foto C Esterer.

 

 

1. 7. Jagdprozess in Italien verschoben

Die Anhörung des Jägers, der im Jahr 2012 zwei Waldrappe in der Provinz Livorno erschossen hat, wurde aufgrund eines Wechsels des zuständigen Richters auf Dezember 2015 verschoben. Wenn die Klage nach 4 Jahren nicht mit einem Urteil abgeschlossen wird, kann der Prozess aus formellen Gründen geschlossen werden. Unsere italienischen Partner tun ihr Bestes, um dies zu vermeiden und einige Zeit haben wir noch bis dahin.

Die Verzögerung ist im Interesse des Täters, der sich wohl über seine schlechte Position in einem Prozess im Klaren ist, zumal er sich damit zu rechtfertigen versucht, dass er nicht über die Anwesenheit der Vögel in der Gegend informiert wurde und er die Waldrappe mit Ringeltauben verwechselt hat. Wenn ein Jäger allerdings diese beiden Arten nicht unterscheiden kann, scheint er kaum in der Lage zu sein gemäß den Jagdvorschriften zu handeln, unabhängig davon, ob er über das Waldrapp-Projekt informiert war oder nicht. In jedem Fall erhöht dieser Prozess die Bekanntheit des Projektes bei den italienischen Jägern, auch deshalb weil eine gute Kommunikationsbasis mit den italienischen Jagdverbänden gegeben ist. Das ist für unser Projekt ein positiver Payoff, wie auch immer sich der Prozess weiter entwickelt.

Jetzt müssen wir die nächste Anhörung abwarten. In der Zwischenzeit werden wir versuchen, die Zivilklage auf Zahlung des wirtschaftlichen Schadens zu eröffnen.

Zudem versuchen wir, eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit aufrecht zu halten. Es ist von hoher Relevanz für den Prozess und für die Kampagne gegen die illegale Vogeljagd im Allgemeinen, dass Institutionen wie die Europäischen Kommission, die International Advisory Group for the Northern Bald Ibis (IAGNBI) sowie verschiedenen italienischen Institutionen und NGOs ihr Interesse am Prozess und die Bedeutung des selbigen betonen.

Abgesehen von diesem wenig erfreulichen aber sehr wichtigen Thema können wir mitteilen, dass die Saison 2015 sich bislang sehr positiv entwickelt hat. Insgesamt 17 Küken werden derzeit in den beiden Brutgebieten Burghausen/Bayern und Kuchl/Salzburg flügge. Und in Seekirchen am Wallersee/Salzburg trainieren wir derzeit 32 handaufgezogene Jungvögel. Mit ihnen machen wir schon Flüge bis zu mehreren Kilometern Distanz.

 

19. 6. Ein Fall mit europäischer Dimension: Illegale Jagd auf Waldrappe in der Provinz Livorno (Toskana)

Heute um 09:00 Uhr findet in Livorno/Toskana die zweite gerichtliche Anhörung eines italienischen Jägers statt, dem der illegale Abschuss von zwei Waldrappen in der Provinz Livorno (Toskana) im Jahr 2012 zur Last gelegt wird. Die Europäische Kommission ruft zu maximaler Aufmerksamkeit für diesen Fall auf.

Die LIFE-Natur-Unit der Europäischen Kommission schreibt in einem Brief an den Förderverein Waldrappteam, der das LIFE + Projekt `Reason for Hope´ zur Wiederansiedlung des Waldrapps in Europa leitet: "Die Europäische Kommission ist sehr besorgt, dass die Wilderei in Italien die Ziele und Ergebnisse des LIFE + Projektes ernsthaft beeinträchtigt." Dementsprechend bittet die Kommission um Informationen über die Konsequenzen, die aus dem betreffenden Fall von Wilderei auf diese geschützte Art resultieren und wie Italien sicherstellen will, dass die Zahl illegaler Abschüsse auf italienischem Staatsgebiet reduziert wird.

Der Manager des LIFE + Projektes, Johannes Fritz, sagt: "Wir warten mit Zuversicht auf das Ergebnis des Prozesses und erhoffen einen exemplarischen Rechtsspruch für die Tötung der Vögel. Waldrappe können durch ihr unverwechselbares Aussehen mit keiner in Italien jagdbaren Vogelart verwechselt werden, insbesondere nicht mit Tauben, die offenbar durch den Täter gejagt wurden. Wir bitten die italienischen Jagdverbände, die gut mit uns zusammenarbeiten, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die Zahl illegaler Abschüsse in Italien zu reduzieren. Dies gilt vor allem für die Provinz Livorno, wo alleine im Jahr 2012 vier Waldrappe der illegalen Vogeljagd zum Opfer gefallen sind.“

Zeitgleich mit dem Strafprozess bereitet der Förderverein Waldrappteam eine Zivilklage vor, um vom Täter eine Entschädigung für die entstandenen Schäden durch den Verlust der Vögel einzuklagen.       

Einen Teilerfolg konnte das Waldrappteam bereits während der ersten gerichtlichen Anhörung am 13. Februar verzeichnen: Der Antrag der Verteidigung des Jägers, den Fall durch eine finanzielle Entschädigung zu schließen, wurde von der zuständigen Richterin abgelehnt. Dies geschah vor allem in Anbetracht der besonderen Tatsache, dass die beiden getöteten Tiere zu einer global vom Aussterben bedrohten und im Rahmen internationaler Übereinkommen streng geschützten Art gehören.

5. 6. Reason for Hope Fest in Burghausen 2015 

Am 5.Juni 2015 fand bei herrlichem Wetter das dritte ‘Reason for Hope’ Fest im Rahmen unseres LIFE+ Projektes statt. Gastgeber war die Stadt Burghausen und Anlass war die Eröffnung der neuen Brutanlage an der Burg zu Burghausen.

Das Fest startete mit einem Symposium mit vier Referenten. Vor Beginn der Vorträge wurden Ehrenpatenschaften für Waldrappe vergeben, eine davon an den Ersten Bürgermeister der Stadt Burghausen, Hans Steindl. 
Als erste Referentin sprach Dr. Astrid Rössler, Landeshauptmann-Stellvertreterin von Salzburg, zum Thema „Naturpark Salzachauen, eine Kathedrale für die Zukunft bauen“. Ihr Beitrag war für viele Teilnehmer das Highlight der Veranstaltung. Besonders erfreulich war auch, dass BM Steindl sich infolge für dieses visionäre Projekt „Salzachauen“ ausgesprochen hat, das auch im Rahmen des LIFE Förderprogramms umgesetzt werden soll (https://youtu.be/avOj5oquAYc).
Nächster Referent war DI Christian Schuhböck zum Potential, die einzigartige Burg von Burghausen als UNESCO Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Dann erzählte Prof. Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle, darüber, was die Wissenschaft vom Waldrapp lernen kann und „warum Vögel keine Säugetiere sind“. Abschließend referierte der Manager des LIFE+ Projektes, Johannes Fritz, zu Umbrüchen im internationalen Artenschutz am Beispiel des Waldrapps. 

Extra für das Fest aus Baden-Württemberg angereist waren Prof. Peter Berthold, Thomas Hepperle und Dr. Burkhard Schall. Sie wollten sich bei der Gelegenheit einen Eindruck vom Projekt in Burghausen machen, in Hinblick auf die geplante Gründung einer Brutkolonie in Überlingen am Bodensee.

Um 18:00 Uhr wurde die Brutanlage an der Wehrmauer der Burg zu Burghausen im Rahmen eines kleinen Festaktes seiner Funktion übergeben. Unter anderem sprach Herr Heinz Donner als Vertreter der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Derzeit sind 10 Waldrappe vor Ort, die in drei Nestern bislang 8 Küken aufziehen. Die Waldrappe zeigten sich von den zahlreichen Personen unbeeindruckt. Einige zogen wie auf Kommando ihre Kreise vor der Kulisse der Burg zu Burghausen.

Ab 19:00 Uhr fand im Areal der Burg ein Picknick statt, musikalisch begleitet von Michael Schroll mit der Band ‚Trova Libre‘. Und mit Beginn der Abenddämmerung begann das Open Air Kino. Zuerst wurden Videos des Waldrapp-Projektes gezeigt und dann die BBC Produktion ‚Die fantastische Reise der Vögel‘. 

 

Shorty hat ihr erstes Küken: aktuell insgesamt 48 Jungvögel

Reichlich spät, aber doch: Bei unserer dreijährigen ‚Schweizer Waldrappdame‘ Shorty, die gemeinsam mit dem vierjährigen Jazu brütet, ist gestern das erste Küken geschlüpft. Ein Ei ist noch im Nest, es kann also ein Geschwister folgen.

Bislang erweist sich die Saison 2015 als sehr erfolgreich. Im Brutgebiet Burghausen haben wir seit gestern 9 Küken, und im Salzburger Brutgebiet Kuchl sind es 7 Küken. Diese Jungtiere werden von ihren freilebenden Eltern aufgezogen, es wächst also eine neue Generation an Wildvögeln heran. Zum Großteil sind die Eltern handaufgezogene Gründerindividuen (F0), zum Teil sind sie aber bereits selbst Nachkommen der Gründerindividuen (F1). Letzteres ist bei Shorty und Jazu der Fall, und somit gehört das gestern geschlüpfte Küken bereits der F2 Generation an.

Zusätzlich haben wir in zwei Trainingscamps im Gemeindegebiet von Seekirchen am Wallersee insgesamt 32 Jungvögel, die von insgesamt vier menschlichen Zieheltern aufgezogen werden. Diese Vögel stammen von der sedentären Kolonie aus dem Tierpark Rosegg in Kärnten ab. Sie sind deutlich älter als die Küken in den Brutgebieten und bereits flügge. Sie werden derzeit darauf trainiert, dem Fluggerät zu folgen. Besucher sind in den Trainingscamps herzlich willkommen (nähere Informationen zur Lage der Trainingscamps finden Sie hier)!

Sie können auch die Burghauser Waldrappe bei der täglichen Lockfütterung zwischen 15:30 und 16:30 Uhr beobachten! Die neue Brutnische (seit 2015) befindet sich an der Wehrmauer beim Pulverturm
Wir hoffen sehr, dass die Saison weiter so erfolgreich verläuft. Der große Anspruch an die Jungvögel und das Team steht mit dem Flug in das Wintergebiet WWF Oasi Laguna di Orbetello in der Tokana ja noch bevor!

 

19. 4. Handaufzucht im Tiergarten Schönbrunn

Gestern, am 17. April 2015, wurden 16 Waldrapp-Küken für die Handaufzucht auf dem Tierpark Rosegg/Kärnten abgeholt und in den Tiergarten Schönbrunn in Wien transportiert. Dort können Besucher des Tiergartens ab heute wieder die Handaufzucht live miterleben. Die Aufzucht findet in einem Container neben dem Waldrapp-Gehege statt. Die 16 Küken haben ein Alter von 3 bis 8 Tagen. Sie werden wie im vergangenen Jahr von den beiden Ziehmüttern Corinna Esterer und Anne-Gabriela Schmalstieg aufgezogen.

Erstmalig wird in diesem Jahr noch eine zweite Waldrapp-Gruppe mit ebenfalls 16 Küken aufgezogen. Diese Küken sollen am 22. April aus den beiden sedentären Kolonien Tierpark Rosegg und Konrad-Lorenz Forschungsstelle Grünau im Almtal geholt werden. Die Aufzucht findet ebenfalls im Tiergarten Schönbrunn statt, Zieheltern sind Lara Cibulski und Pablo Przesang.

Ab zirka Mitte Mai wechseln die Waldrapp-Küken mit ihren Zieheltern in zwei Trainingscamps, die im Land Salzburg zwischen Wallersee und Obertrumer See gelegen sind. Dort werden die Vögel bis Mitte August drauf trainiert, einem Ultraleicht Fluggerät zu folgen, mit dem sie dann über die Alpen in das Wintergebiet in der Toskana geführt werden.

Die Aufzucht der Küken findet im Rahmen des europäischen Wiederansiedlungsprojektes statt, das im LIFE+ Programm von der Europäischen Gemeinschaft co-finanziert wird. Wenn die aufgezogenen Waldrappe selbständig aus dem Wintergebiet zurückkehren, sollen sie den beiden Brutgebieten Kuchl in Salzburg und Burghausen in Bayern zugeordnet werden. In diesen beiden Brutgebieten gibt es bereits wildlebende, migrierende Waldrappe, die auch selbständig brüten. In Kuchl wurden bereits Eier in zwei Nestern gelegt. In Burghausen gibt es noch keine Eier, aber sehr wohl Balz und Nestbau. 

Wir bedanken uns bei unseren LIFE+ Partnern Tierpark Rosegg, Tiergarten Schönbrunn und Konrad-Lorenz Forschungsstelle für die Unterstützung!

19. 2. 2015: Ende des «Experiments Shorty»: Der Winter war doch zu hart für den Waldrapp

Am 7. Februar wurde Waldrappdame Shorty im Aargau bei Jonen eingefangen und in den Natur- und Tierpark Goldau gebracht. Sie war untergewichtig und hatte an beiden Flügeln eine kältebedingte Gewebsveränderung. Ansonsten ist Shorty wohlauf und wird nach entsprechender Behandlung wieder in die Waldrapp-Population des Europäischen Wiederansiedlungsprojektes integriert. Fortan soll sie aber im Herbst daran gehindert werden, in die Schweiz zu fliegen. Stattdessen wird der Vogel in das adäquate Wintergebiet in der Toskana gebracht. Damit ist das ungeplante 'Experiment Shorty' beendet, mit dem ohnehin nicht überraschenden Resümee, dass die Schweiz im Winter eben keinen geeigneten Lebensraum für Waldrappe bietet.

Das Weibchen Shorty erlangte in der Schweiz nationale Berühmtheit, seit sie im Herbst 2012 als Jungvogel während der Herbstmigration den Anschluss an einen zugerfahrenen Artgenossen verlor und alleine in der Schweiz am Zugersee überwinterte. Im Juli 2013 kehrte sie erwartungsgemäß an ihren Schlupfort Burghausen in Bayern zurück, wo sie wieder auf ihre Artgenossen traf. Im Herbst 2013 wurde sie von Projektmitarbeitern in das Wintergebiet in der Toskana gebracht und im Frühjahr retour nach Burghausen, wo sie, mit einem Sender ausgestattet, freigelassen wurde. Statt aber mit den Artgenossen in die Toskana zu fliegen, kehrte Shorty am 16. Oktober 2014 neuerlich in die Schweiz zurück und hielt sich fortan wieder im Umfeld des Zugersees auf.

Mittels eines GPS Senders waren ihre Aufenthaltsorte bekannt und konnten mit der App "Animal Tracker" von jedem Smartphone abgerufen werden. So war es Schweizer Waldrapp-Freunden möglich, den Vogel fast täglich zu besuchen. Wie schon zwei Jahre zuvor erwies sich Shorty als sehr anpassungsfähig. Bei tiefen Temperaturen suchte sie regelmäßig das klimatisch begünstigte Seeufer bei Risch auf. Beim Kälteeinbruch im Februar ist Shorty aber bei Jonen geblieben, wo sie eingefangen wurde. Möglicherweise hatte sie zuletzt nicht zeitgerecht auf den Temperatursturz reagiert und war zu geschwächt, um sich selbst aus der Situation zu retten. Zusätzlich war ihre Flugfähigkeit eingeschränkt, da beide Flügel kältebedingte Entzündungen aufwiesen. Im Natur- und Tierpark Goldau wurde die Waldrappdame tiermedizinisch untersucht und versorgt. Sie erholt sich nun in der Krankenstation und Dr. med. vet. Martin Wehrle hofft, dass die Veränderungen an ihren Flügeln vollständig abheilen.

Johannes Fritz, Manager des LIFE+ Wiederansiedlungsprojektes: "Shorty ist sicher eine ganz herausragende, pro-aktive Waldrapp-Persönlichkeit. Aber selbst für sie ist die Überwinterung in der Schweiz hochriskant. Waldrappe sind eben Zugvögel und an die tiefen Temperaturen nicht angepasst."Der Waldrapp ist eine der am stärksten bedrohten Zugvogelarten der Erde. Bis ins 17. Jahrhundert war er auch in Mitteleuropa heimisch, bis er durch übermässige Bejagung verschwand. Im Rahmen des von der EU co-finanzierten Artenschutzprojektes LIFE+ Reason for Hopemit acht Partnern aus Österreich, Italien und Deutschland soll der Waldrapp in Europa wieder als Zugvogel angesiedelt werden. Auch der Natur- und Tierpark Goldau und die Schweizer Zoovereinigung unterstützen das Projekt.

Eine Wiederansiedlung in der Schweiz ist nicht vorgesehen, vorerst. J Fritz: "Es ist gut möglich, dass Shorty zum Wegbereiter einer neuen Schweizer Waldrapp-Population wird. Lebensräume sind reichlich vorhanden. Das 'Experiment Shorty' hat aber deutlich und wenig überraschend gezeigt, dass eine Überwinterung nördlich der Alpen nicht möglich ist. Deshalb gibt es unser Migrationsprojekt". Die Schweiz ist dank des Zürcher Naturwissenschaftlers Conrad Gesner (1516-1565) ein verbürgtes Brutgebiet für diese Ibisart.

8. 1. 2015: Illegale Jagd auf vom Aussterben bedrohte Waldrappe in Italien:
Die Provinz Livorno in der Toskana erweist sich als ein Hot Spot der illegalen Vogeljagd

Im Oktober 2014 wurde der vierjährige männliche Waldrapp HELLA in der Provinz Livorno, Toskana, tot aufgefunden. Röntgenaufnahmen zeigten zahlreiche Schrotkörner im Körper des Vogels, ein unzweifelhafter Hinweis auf die illegale Jagd als Todesursache. Illegale Abschüsse in Italien haben in der Vergangenheit rund 70% der Todesfälle bei den wiederangesiedelten Waldrappen verursacht. Die Provinz Livorno in der Toskana erweist sich als ein Hot-Spot für die illegale Jagd auf diese stark bedrohte Vogelart. Es ist davon auszugehen, dass auch andere bedrohte Vogelarten in ähnlich hoher Zahl abgeschossen werden.

HELLA gehörte zu einer noch kleinen Population von rund 40 wiederangesiedelten Waldrappen. Ende September 2014 verließ der Vogel sein Brutgebiet in Bayern und flog in Richtung des Wintergebietes, ein WWF Schutzgebiet in der südlichen Toskana. Am 22. Oktober fand ein Jäger den Körper von HELLA nördlich von Piombino in der Provinz Livorno. Beim Röntgen des toten Vogels wurden zahlreiche Schrotkugeln im Körper des Vogels als eindeutige Todesursache gefunden.

Bereits  2012, zwei Jahre zuvor, wurden die beiden Waldrappe GOJA und JEDI nur 6 km nördlich der Stelle abgeschossen, wo HELLA aufgefunden wurde. Da seit 2012 alle Vögel mit GPS-Sendern ausgestattet sind, konnten diese beiden Vögel rasch und noch lebend aufgefunden werden. Sie waren aber so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später verendeten. Dank der raschen Unterstützung durch die Provinzpolizei von Livorno konnte der Täter identifiziert werden. Er ist ein Mitglied des italienischen Jagdverbandes ‚Federazione Italiana Della Caccia‘. Ein Strafprozess gegen diesen Jäger soll im April 2015 stattfinden. Das Waldrappteam will als Kläger daran teilnehmen.

Ebenfalls vor zwei Jahren wurde der Waldrapp DOMINO in der Nähe von Cecina abgeschossen, wiederum nur etwa 30 km nördlich des Fundortes von HELLA. Dieser Vogel überlebte dank einer Notoperation, war aber aufgrund der schweren Flügelverletzungen in freier Wildbahn nicht mehr überlebensfähig.

Bereits 2011 erfolgte die letzte Übertragung des GPS-Signals von einem weiteren Waldrapp nur 500 m südlich der Fundstelle von HELLA. Fortan blieb dieser Waldrapp verschwunden. Somit wurden seit 2011 in einem Areal mit einer Ausdehnung von nur 30 km, von Piombino im Süden bis Cecina im Norden, vier Waldrappe nachweislich illegal abgeschossen und ein weiterer Vogel verschwand spurlos.

Johannes Fritz, Leiter des LIFE + Projektes: "Offensichtlich erfolgt in der Provinz Livorno illegale Vogeljagd in großem Umfang. Die Verantwortlichen sind dringend aufgerufen rasch und nachhaltig Maßnahmen gegen diese inakzeptable Gefahr für bedrohte Vogelarten zu ergreifen!"

In Europa wurde der Waldrapp bereits vor 400 Jahren ausgerottet, primär infolge übermäßiger Bejagung. Gegenwärtig zählt dieser Ibis zu den seltensten Vogelarten der Erde. Er ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. In der IUCN Red List ist er als hochgradig gefährdet eingestuft und daher weltweit streng geschützt.

Seit 2014 betreibt ein EU gefördertes LIFE+ Projekt mit acht Partnern aus Italien, Österreich und Deutschland unter der Leitung des Waldrappteams die Wiederansiedlung des Waldrapp als Zugvogel in Europa. Das Projekt ist der erste Versuch überhaupt, eine kontinental ausgestorbene Zugvogelart wieder heimisch zu machen. Die Europäische Kommission betont insbesondere das Potenzial des LIFE+ Projektes, im Rahmen der Kampagne gegen illegale Vogeljagd zur Umsetzung der Naturschutzpolitik der EU beizutragen.

Im Oktober 2014 übernahmen Vertreter von zwei großen italienischen Jagdverbänden,Federazione Italiana della Caccia und Federazione Cacciatori Toscani, jeweils eine Ehrenpatenschaft für Waldrappe aus der angesiedelten Population. Jane Goodall, weltbekannte Primatenforscherin und UN-Friedensbotschafterin, fungierte als Schirmherrin der Zeremonie im Parco Natura Viva bei Verona. In diesem Rahmen wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die Jagdverbände die Wiederansiedlung der Waldrappe befürworten und eine kontinuierliche und aktive Unterstützung des Wiederansiedlungsprojektes zusichern. Insbesondere wurde eine Unterstützung bei Maßnahmen gegen die illegale Jagd auf Waldrappe und andere gefährdete Zugvogelarten entlang der italienischen Flugrouten vereinbart.

J Fritz: “Entsprechend der Vereinbarung ist es jetzt in der Verantwortung der Jagdverbände, die Aufklärung des Abschusses von HELLA zu unterstützen und alles Mögliche zu tun, um weitere Verluste zu vermeiden, vor allem in die Provinz Livorno in der Toskana."

Die illegale Vogeljagd ist eine große Bedrohung für gefährdete Zugvogelarten. Erhebliche Bemühungen zum Schutz der Arten in den Brutgebieten werden damit zunichte gemacht. Das Waldrapp-Projekt hat in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung, da es den Umfang der illegalen Vogeljagd mit konkreten Zahlen belegen kann: Von 2002 bis 2012 sind insgesamt 60 Waldrappe aus der Kolonie des Projektes gestorben oder verschwunden. Rund 70% davon wurden entweder in Italien erschossen aufgefunden oder verschwanden während der Jagdsaison in Italien.

J Fritz: “Auch bei anderen gefährdeten Zugvogelarten muss man von einer derart hohen Verlustrate verursacht durch illegale Vogeljagd ausgehen. Ohne eine Verringerung dieser Verluste können sich die Bestände vieler bedrohter Arten nicht mehr erholen." 

 

5. 1. 2015: Dramatische Auswirkungen der Klimaabweichung auf die Herbstmigration der Waldrappe in Europa

Mitte August 2014 sind die Waldrappe aus ihren Brutgebieten Burghausen in Bayern und Kuchl in Salzburg zur Herbstmigration aufgebrochen. Erstmals versammelten sich die Vögel aus beiden Brutgebieten nahe der Stadt Salzburg und flogen schließlich gemeinsam weiter nach Süden, bis an den Nordrand der Hohen Tauern. Soweit verlief die Migration wie in den Vorjahren. Allerdings blieb die Gruppe diesmal nördlich der Alpen, am wahrscheinlichsten aufgrund des extrem milden Wetters mit Temperaturen weit über 0 ° C. Noch zu Weihnachten waren die Vögel in sehr guter Verfassung und fanden reichlich zu fressen.

In der Woche nach Weihnachten erfolgte aber ein sehr rascher und drastischer Wetterumschwung. Die Temperatur fiel auf weit unter 0 °C. Die Vögel verpassen offensichtlich die letzte Gelegenheit zum Abflug und blieben in einer sehr kritischen Wettersituation gefangen. In einer dramatischen Rettungsaktion konnten 17 Vögel eingefangen werden. Die Tiere hatten bis zu 20% ihres Körpergewichtes verloren, waren aber ansonsten in recht guter Verfassung, ohne Erfrierungen oder andere bleibende Schäden. Zwei Vögel konnten leider nicht rechtzeitig eingefangen werden. Sie starben an Kälte und Erschöpfung. Ein weiterer Vogel konnte ebenfalls nicht eingefangen werden. Er hält sich momentan in Bayern auf uns ist wohl in guter Verfassung.

Am 3. Januar waren die 17 Vögel in entsprechender Verfassung um sie wieder frei zu lassen. Als Freilassungsort wurde Bozen in Südtirol gewählt, von wo der Weg weiter nach Süden offen und der Boden schneefrei ist. Bereits am Tag nach der Freilassung flogen acht Vögel weiter nach Süden, in Richtung ihres Überwinterungsgebietes, ein WWF Schutzgebiet in der südlichen Toskana. Aktuell, am 5. Januar, sind sie bereits rund 300 km weiter südlich und überqueren gerade den Apennin. Die übrigen Vögel sind derzeit noch in Südtirol.

Jetzt, nach ihrer Freilassung, stellt die illegale Vogeljagd in Italien die größte Gefahr für diese Vögel dar. Insbesondere in der Toskana, im Umfeld von Livorno, kam es immer wieder zu Abschüssen. Daher sind alle Vögel mit GPS-Trackern ausgestattet, die eine permanente Überwachung erlauben. Mitglieder des Waldrappteam folgen den Vögeln, um an Zwischenstopps lokale Jägern, Behörden und Interessengruppen zu informieren. Wir arbeiten auch mit nationalen Jagdverbände zusammen, die Informationen über die Vögel an ihre Mitglieder weiter geben.

Diese Vögel gehören zum LIFE+ Projekt "Reason for Hope", das die vom Aussterben bedrohten Waldrappe wieder als Zugvögel in Europa ansiedeln will. In früheren Jahren sind die bereits angesiedelten Vögel regelmäßig zwischen den Brutgebieten nördlich der Alpen und dem Überwinterungsgebiet in der Toskana migriert. Die Situation in diesem Jahr war sehr ungewöhnlich, sehr wahrscheinlich als Reaktion auf die außergewöhnliche klimatische Situation. Projektleiter Johannes Fritz: "Wir nehmen an, dass die dramatische Situation Ende 2014 durch einen Mangel an Erfahrung in dieser Gründerpopulation verursacht wurde. Eine angemessene Reaktion auf derart irreguläre Situationen erfordert offenbar entsprechende Erfahrungen in der Population. Deshalb ist vorerst noch eine permanente Überwachung und erforderlichenfalls ein konsequentes Handeln erforderlich. "

Die Reise der Vögel kann mit der Freeware App Animal Tracker verfolgt werden. Weitere Informationen dazu finden sich auf unserer Homepagewww.waldrapp.eu.