Die Gelbbauchunke, ein Gift absondernder Froschlurch

Gelbbauchunken, auch Bergunken genannt, gehören weder zu den Kröten noch zu den Fröschen.

Im Meyer`s Konversationslexikon von 1871 ist nachzulesen: „Die Unke ist charakterisirt durch die ganz angewachsene Zunge und mit ganzen Schwimmhäuten versehenen Hinterfüßen. Die Gemeine Unke oder Feuerkröte, unten schwarzblau mit orangegelben Flecken, eineinhalb Zoll lang, findet sich fast in ganz Europa in stehenden Gewässern und hüpft, wegen ihrer kurzen Hinterbeine in kurzen, aber schnellen Sprüngen. Sie sondert an sehr großen Hautporen einen schaumigen Schleim ab.“

Linne ordnete die Gelbbauchunke 1578 unter dem lateinischen Namen Bombina variegata in die wissenschaftliche Nomenklatur ein. Ihr Verbreitungsgebiet ist das mittlere und südliche Europa, wo sie in einigen Unterarten lebt. Im Osten und Süden überschneidet sich der Lebensraum der Gelbbauchunke teilweise mit der Rotbauchunke, so dass es auch zu Bastardisierung zwischen beiden Arten kommen kann. In Bayern lebt die Nominatform Bombina variegata, aber vielerorts nur noch in verstreuten Populationen, im Bergland bis in 1800 m Höhe.

Der dreieinhalb bis fünf cm lange Froschlurch hat eine untersetzte, flache Gestalt. Die Oberfläche des Rückens und der Gliedmaßen besteht aus einer stark warzigen Haut mit spitzen Hornhöckern, wobei jede Warze eine Pore und bei den Männchen einen Hornstachel aufweist. Die Haut der Bauchseite ist fast glatt mit leuchtend gelber Warnfärbung. Die verschiedenen Zeichenmuster bestehen aus zitronengelben, orangen und grau bis blauschwarzen Farbtönen, wobei die Gelb- und Schwarzanteile geografisch bedingt sind. Die Rückenfärbung ist graubraun, erdfarben oder gelblich, manchmal dunkel marmoriert. Die Pupille ist herzförmig.

Dreht man die Unke unsanft auf den Rücken oder lässt sie fallen, zeigt sie die gelborange Schockfarbe ihres Bauches und wird bewegungslos. Wird sie erschreckt, nimmt sie in Bauchlage die sogenannte Kahnstellung ein.Sie krümmt den Rücken nach oben und zieht die Gliedmaßen hoch, die Handrücken über die Augen und die Hinterbeine über den Rücken und sondert dabei  schaumiges, giftiges Hautsekret ab  so dass sie wie mit Seifenschaum überzogen erscheint. Das nach Lauch riechende Gift wirkt stark ätzend auf die Schleimhäute von Mund und Augen, letztere tränen auch ohne Berührung. Fressfeinde werden dadurch abgeschreckt.

Die Unken sind tags- als auch dämmerungs- und nachtaktiv und überwintern von Oktober bis März im Schlamm ihrer Wohngewässer, im Boden eingegraben und auch unter Wurzeln und Steinen. Bei starker Populationsdichte innerhalb eines Habitats wandern sie und erschließen neue Lebensräume. Stehende, klare Gewässer wie sonnendurchwärmte Pfützen in Lehm- und Kiesgruben, mit Regenwasser gefüllte Traktor- und Baggerspuren in unseren Auen und Forsten werden als ideale Lebensräume besetzt. Die Männchen lassen sich meist auf der Wasseroberfläche treiben und flöten dabei leise Laute. Sie halten wochenlang eine bestimmte Uferstelle besetzt, die sie nur verlassen, wenn der sinkende Wasserstand sie dazu zwingt. Sie halten einen gewissen Abstand zum nächsten rufenden Männchen und markieren mit ihren Rufen akustisch ihren Standort. Die einzelne Gelbbauchunke ruft mit einer von der Tagestemperatur abhängigen  Häufigkeit, bei 20 Grad z.B. 80mal in der Minute. Fängt in der Nähe des ersten Rufers eine zweite Unke an zu rufen, ruft die erste nur noch halb so oft, so dass immer zwischen zwei des ersten Rufers ein Ton der zweiten Unke fällt, wobei beide zusammen aber mit der gleichen Häufigkeit rufen wie eine allein.Bei Temperaturen unter 12 bis 13 Grad stellen sie ihre Rufe ein. Die Gelbbauchunken sind eine Pionierart, die auch kurzfristig entstandene Kleingewässer besiedeln, die von Zeit zu Zeit austrocknen. Ideale Lebensräume für diese Unken bieten in unserer Region der Lengthal-Weiher und seine kleinen Gräben, die zeitweise Wasser führen und in heißen Sommermonaten austrocknen. Dadurch kann sich in diesen Gewässern kein Fischbestand aufbauen und die Unkenlarven haben einen Fressfeind weniger. Bis zur nächsten Trockenperiode muss die Metamorphose der Kaulquappen zum Landtier abgeschlossen sein.

Die Froschlurche gehen meist in der Dämmerung und nachts auf Jagd nach Käfern, Ameisen, Zweiflüglern und Regenwürmern. Auch kleine Land und Wasser bewohnende Weichtiere gehören zu ihrem Speiseplan.

Die Laichzeit spielt sich zwischen April und Juni ab, kann aber auch bis in den August hinein dauern. Die Laichaktivitäten werden durch ergiebige Regenfälle stimuliert, bei denen sich Kleinstgewässer mit Wasser füllen. Die Paarungsrufe der Männchen vernimmt man im Spätfrühling und Frühsommer und da sie keine Schallblase besitzen, ertönen die Rufe wie ein leises „hu-hu-hu“ oder „unk-unk-unk“, daher auch der Name Unke. Zur Paarungszeit bekommt das Männchen schwarze Verdickungen an den Unterarmen und an den Fingern und Zehen bilden sich so genannte Brunstschwielen. Bei der Paarung umklammert das Männchen das Weibchen an den Lenden in der Hüftregion vor den Hinterbeinen. Den Laich heftet das Paar mit bestimmten Bewegungen in kleinen Klümpchen an senkrechten Pflanzenstängeln, an ins Wasser ragendes Gras und ähnlichen Pflanzenteilen oder lassen die Eier auch einfach zu Boden sinken. Ein Gelege umfasst bis zu 100 Eier, die mit einer Gallerthülle von fünf bis acht Millimeter umgeben sind. Ein Weibchen kann bis in den August hinein bis etwa 170 Eier abgeben. Bei günstiger Witterung schlüpfen nach drei bis acht Tagen rötlich-braungefärbte Kaulquappen, deren oberer Flossensaum bis zur Rumpfmitte reicht. Das Schwanzende ist abgerundet. Je schneller sich die Kleingewässer erwärmen, umso schneller geht die Entwicklung des Laichs und der Larven. Die Metamorphose der Larven bis zur erwachsenen Unke dauert etwa 41 bis 67 Tage. Ihre Umwandlung findet meist Ende Juli statt. Die jungen Unken messen dann etwa 12 bis 15 mm. Oft dauert die Entwicklung auch erheblich länger und die Kaulquappen aus dem Augustlaich müssen im Wasser überwintern. Bei den Jungtieren ist das Gelbe der Bauchseite noch durch Weiß ersetzt. Sie werden nach zwei Jahren geschlechtsreif und die Männchen üben sich oft schon im ersten Jahr mit zwei Zentimeter Länge in Klammerversuchen. Diese Froschlurche können nachweislich in Gefangenschaft bis 27 Jahre alt werden.

Die Gelbbauchunke ist in der Roten Liste der BRD als gefährdet eingestuft und nach dem Bundes-Naturschutzgesetz streng geschützt.

Günter Geiß