Teichmolche am Holzöster See

Die Innviertler Seenplatte bietet ideale Lebensräume für die heimischen Schwanzlurche.

Unter dem lateinischen Namen Triturus vulgaris ordnete Linne 1758 den Teichmolch in die wissenschaftliche Nomenklatur ein. Der neue Gattungsname Lissotriton wurde 2004 von einem spanischen Team unter Missachtung der Nomenklaturregeln im Internet bekannt gemacht. Die Teichmolche bilden mehrere innerartliche Variabilitäten von Westeuropa bis zum Kaukasus und werden nach den Merkmalen der Hochzeitstracht unterschieden. In Deutschland und Österreich lebt hauptsächlich die Nominalrasse Triturus vulgaris vulgaris, seit neuestem auch Lissotriton vulgaris genannt.

Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen und haben eine durchschnittliche Länge von 8 bis 11 cm. Der Kopf der Molche ist ebenso breit wie lang, die Schnauze vorne abgerundet, der Körper schlank und der Schwanz seitlich abgeflacht. An den Kopfleisten verlaufen einige dunkle Längsstriemen, von denen einer durch das Auge zieht. Die Unterseite des Schwanzes ist orange oder rotschwarz und beiderseits von einem bläulichen Streifen eingefasst. Teichmolche haben flache Finger, die Haut des Weibchens ist glatt und ihre Färbung variabel. Ihr Rücken und die Flanken sind sandbraun bis gelblich mit zahlreichen kleinen Flecken, die auch an der Kehle auftreten. An Land bilden die Männchen eine Landtracht aus und sind dann am Rücken und an den Flanken bräunlich oder von olivgrüner Färbung. Die Haut ist samtig trocken, fein gekörnelt und mit zahlreichen großen dunklen mehr oder weniger kreisrunden Flecken besetzt und die Kehle ist grundsätzlich heller als der Bauch.

Der Teichmolch ist in unserer Region der häufigste Schwanzlurch. Er bevorzugt feuchtes Grünland mit Hecken und auch naturnahe Gärten in der Nähe von Gewässern. Als Kulturfolger ist der Teichmolch sehr anpassungsfähig und hält sich tagsüber und in Trockenphasen unter Steinen, Wurzelwerk und ähnlichen Unterschlüpfen verborgen. Er nimmt fast ausnahmslos alle stehenden Gewässer als Laichgewässer an, die einen pH-Wert zwischen 6 und 8 aufweisen. Am Holzöster See laichen die Teichmolche im Frühjahr bevorzugt in den Seitengräben, die die moorigen Wiesen und Aulandschaften entwässern. Die Tiere sind vor allem in der Nacht zwischen 23 Uhr und 3 Uhr aktiv und ernähren sich von Insekten und Würmern und zur Zeit des Wasseraufenthaltes vor allem von Kleinkrebschen, Froschlaich  und Kaulquappen. Die Larven ernähren sich hauptsächlich von kleinen Flohkrebschen, Fliegen- und Mückenlarven. Molche atmen als Erwachsene durch ihre Lungen, aber auch durch die Haut, die ständig feucht gehalten werden muss.

Die Teichmolche wandern nach Ende der Frostperiode zu ihrem Laichgewässer. Sie bevorzugen warme, stehende und klare, von der Sonne zeitweise beschienene Tümpel und Gräben mit reicher Unterwasserverkrautung. Von März an oder bei mildem Wetter schon ab Februar, wenn die Wassertemperaturen mindestens 8 Grad Celsius erreichen, erscheinen die Teichmolche als erste Schwanzlurche im Wasser. Wenn die Tiere im Laichgewässer eintreffen, entwickeln sie ihre Wassertracht. Bei den Männchen bildet sich vom Kopf bis zur Schwanzwurzel ein hoher, gewellter bis gezackter Hautkamm, aber ohne Einkerbung zum Flossensaum des seitlich abgeflachten Ruderschwanzes. Die Bauchseite der Männchen erscheint im Hochzeitskleid kräftig orange, zu den Seiten hin heller werdend, aber mit grober dunkler Fleckung versehen, wobei diese bei den Weibchen nur fein getüpfelt erscheint. Die Kloake ist dann bei den Männchen stärker hervorgewölbt, dunkler gefärbt und an den Zehen bildet sich ein breiter Hautsaum. Die Weibchen tragen während der Paarungszeit im Wasser nur einen flachen Hautsaum. Nach der Ausbildung ihres Ruderschwanzes bewegen sich die Teichmolche unter Wasser sehr flink und schwimmen gelegentlich zur Wasseroberfläche um Luft zu holen. Bei Gefahr fliehen sie zum Gewässergrund oder zwischen die Wasserpflanzen. Es wurde beobachtet, dass die Ausbildung des Rückenkammes mit der Tiefe der Laichgewässer in Zusammenhang steht. Je tiefer das Laichgewässer, desto höher der Kamm.

Die Eiablage findet im April oder Mai statt. Der Paarung geht ein Hochzeitstanz voraus. Sobald das Männchen im Wasser auf ein Weibchen trifft, beginnt es dieses zu beschnüffeln und zeigt ihm seine Flanken. Ist das Weibchen an ihm interessiert, werben die Männchen mit interessanten und komplexen Paarungsritualen um ihre Gunst. Es stellt sich auf die Vorderbeine und streckt den Körper und die hinteren Beine in die Höhe und fächert, wedelt und zittert wellenförmig mit dem nach vorne weisenden Schwanzende. Auch fängt das Männchen an, seinen Ruderschwanz in Vibrationen zu versetzen, wobei durch diese wilden Wedelbewegungen dem Weibchen Sexualduftstoffe zugefächert werden. Schließlich wendet sich das Männchen um und entfernt sich langsam, wobei das ihm folgende Weibchen den Schwanz und die Kloakenöffnung des Männchens beschnuppert. Zwischendurch präsentiert das Männchen immer wieder seinen prächtigen Rückenkamm. Berührt das Weibchen das Männchen, setzt dieses eine Spermatophore auf dem Gewässergrund ab. Männchen und Weibchen bewegen sich langsam weiter,  bis das Weibchen mit seiner Kloake über dem Samenpaket angelangt ist. Nun bugsiert das Männchen das Weibchen mit seinem Schwanz so über das Samenpaket, dass dieses in der Kloakenöffnung des Weibchens haften bleibt. Von dort aus wandern die Spermatozoide zum Samenspeicher. Nun hat das Männchen seine Schuldigkeit getan und verlässt das Wasser. Einige Tage später setzt das Weibchen 100 bis 300 bräunliche Eier mit einem Durchmesser von 1,3 bis 1,8 mm einzeln an Wasserpflanzen oder Falllaub am Gewässergrund ab, wobei die Eier in gefaltete Pflanzenblätter mithilfe der Hinterbeine eingewickelt werden. Die Eiablage kann sich auch über mehrere Wochen hinziehen, wobei sich das Weibchen mehrmals mit verschiedenen Männchen paaren kann. Nach der letzten Eiablage verlässt auch das Weibchen das Wasser.

Die Embryonalentwicklung der Larven dauert je nach Wassertemperatur zwischen 12 und 13 Tage, wonach 6 bis 10 mm lange gelb bis grünlichbraune und zunächst schwimmunfähige Larven schlüpfen. Nach kurzer Zeit folgt die aktive Schwimmphase mit einem Flossensaum, der sich vom vorderen Rücken bis zum Schwanzende erstreckt. Hinter dem Kopf sind äußere Kiemenbüschel sichtbar, die sie noch etwa 10 Tage tragen. Später entwickeln sich die Vorderbeine und dann auch die Hinterbeine. Die Metamorphose ist nach etwa 2 bis 3 Monaten bei einer Länge von 3 bis 5 cm abgeschlossen und die Larven werden etwa Ende September zum Landtier. Gelegentlich bleiben manche Tiere im Wasser und behalten die Larvenmerkmale wie Kiemenbüschel. Die fertigen Jungtiere gehen an Land und halten sich dort bis zur Geschlechtsreife, die im Alter von 3 Jahren eintritt, versteckt. Die meisten Elterntiere haben Ende Juli das Gewässer verlassen, um an Land zu bleiben und verstecken sich tagsüber unter allem was Schutz bietet. Im Oktober oder November ziehen sich die Tiere in frostfreie Unterschlüpfe zurück und überwintern  unter Baumwurzeln, Moosen, Erdaufschüttungen und sogar in feuchten Kellerräumen. Selten überwintern auch einige im Laichgewässer.

Die Teichmolche können sehr alt werden, in Gefangenschaft mehr als 10Jahre. In der Roten Liste Deutschlands steht der Teichmolch als „ungefährdet“, im Bundesartenschutzgesetz als „besonders geschützt“.

Günter Geiß