Bachforellen, ein Geschenk der Eiszeit

In sommerkühlen Fließgewässern wie Salzach und Inn ist die Bachforelle seit Jahrtausenden heimisch. Aber wo kommt sie her und wo lebte sie vor der Eiszeit, als sich unsere Flüsse noch nicht in die Landschaft eingegraben hatten?

Die Bachforelle war ursprünglich auf dem gesamten Kontinent und im westlichen Asien verbreitet. Während der letzten Eiszeit hinderten die vordringenden Gletscher einige Fischarten am Aufsteigen in ihre Heimatgewässer und andere Arten waren von der Rückkehr zum Meer abgeschnitten. Zu den letzteren gehörte wahrscheinlich die Bachforelle. Heute ist die Forelle, der Naturforscher Linne 1758 den Namen Salmo trutta fario gab, in ganz Europa bis zum Ural, in Kleinasien und Nordafrika vertreten. In vielen Ländern der Welt ist sie eingesetzt worden.

Die Grundfärbung der Bachforelle wechselt sehr stark, je nach Standort. Meist ist der Rücken schwarzbraun oder bräunlich bis dunkeloliv. Die Seiten sind aufhellend, aber nie rein silbern. Der Bauch ist am hellsten gefärbt, in gelber oder goldener Tönung. Die Seiten zieren braune, schwarze und rote Punkte, die aber auch fehlen können. Rote Punkte sind oft mit einer gelben, weißlichen oder manchmal auch hellblauen Zone umsäumt. Die Tupfen oberhalb der Seitenlinie sind mehr schwarz und nicht immer umrandet. Darunter bis zum Bauch befinden sich überwiegend rote, manchmal blaue Tupfen. Es gibt genetisch bedingte Farbunterschiede. So kommen oft am gleichen Standort und bei gleicher Ernährung schwarze Fische mit schwer erkennbaren Tupfen neben dunkelgelben bis hellsandfarbenen Forellen vor, deren Tupfen nur schwach angedeutet sind.

Die Bachforelle gehört zu den Salmoniden mit einem gemeinsamen Kennzeichen, nämlich der Fettflosse, die sich zwischen Rücken- und Schwanzflosse befindet. Die meisten Forellen haben weißliches Fleisch. Besteht ihre Nahrung hauptsächlich aus Bachflohkrebschen , wie in der Salzach, ist es zartrosa gefärbt. Diese Fische werden fälschlicherweise Lachsforellen genannt, obgleich sie nichts mit Lachsen zu tun haben. Die Bachforelle zeigt einen torpedoförmigen Wuchs, ist seitlich etwas zusammengedrückt und je nach Abstammung und Umweltbedingungen schlank und langgestreckt oder auch gedrungener. Die Schnauze ist meist spitz, aber auch stumpf. Das Maul ist bis hinter die Augen gespalten und mit leicht gekrümmten, kegelförmigen Zähnen bespickt. In der Jugend ist die Schwanzflosse etwas eingebuchtet, im Alter fast gerade. Die Laichhaken sind bei kapitalen Männchen kräftig ausgeprägt. Die Forelle hat ein hochentwickeltes Sehvermögen. Mit ihrem Seitenlinienorgan kann sich der Fisch in Dunkelheit oder bei trübem Hochwasser und selbst bei Erblindung zurechtfinden. Der Geruchssinn und das Geschmacksempfinden sind nur schwach entwickelt.

Bachforellen sind sehr variabel. In die Ostsee eingesetzte Fische nahmen das Aussehen und Verhalten der zum nahe verwandten Formenkreis gehörenden Meerforelle an. Womöglich eine urtümliche Erinnerung, da frühere Geschlechter auch im Meer heimisch waren. Auch übernehmen Bachforellen, die in große Seen eingesetzt werden, Form und Größe der Seeforellen und im Laufe der Zeit entwickelten sich Lokalformen, besonders in den Zuflüssen der Adria. Der Fisch besiedelt auch kleinere Seen bis 2500 m über NN. Die Geschlechtsreife erlangen beide Geschlechter meist im 2. oder 3. Lebensjahr. Die Laichzeit erstreckt sich von Oktober bis Februar, wobei die Fische Hindernisse und senkrechte Wehre von über 50 cm Höhe überwinden. In Abhängigkeit von Alter und Größe des Rogners werden 1500 bis 2000 Eier mit einem Durchmesser von 4 bis 5 mm pro Kilogramm Körpergewicht abgelegt. Das Weibchen macht das Hochzeitsbett, indem es im Kiesbett mit dem Schwanz eine Laichgrube schlägt. Es legt seine Eier in die Grube, während das Männchen vor dem Bett wartet. Nach Beendigung des Laichgeschäfts lässt es seine Milch mit der Strömung über die Eier laufen und schlägt die Laichgrube mit der Schwanzflosse wieder zu. Von der Befruchtung bis zum Schlüpfen der Brut vergehen je nach Wassertemperatur 55 bis 200 Tage. Nach dem Schlüpfen der Fischchen ernähren sie sich erst mal von ihrem Dottersack.

Laichreife Forellen liefern im 4. Bis 5. Sommer Nachwuchs bester Qualität. Das durchschnittliche Wachstum in nahrungsreichen Gewässern beträgt im 1. Jahr etwa 10 cm, im 3. bis 35 cm und im 6. Jahr etwa 55 cm. Jungfische haben keine roten Tupfen, dafür 6 bis 9 dunkle Querbänder. Sie können verblüffend schnell ihre Farbe dem Gewässergrund anpassen. Adulte, kräftige Forellen verteidigen ihr Revier gegen alle Eindringlinge. Die Rotgetupfte ist langsamwüchsig und erreicht nur selten ein Gewicht über 2 Pfund. Größere Fische neigen zu einer fülligen Figur. In nahrungsarmen Gebirgsbächen bleiben sie kleiner und werden Steinforellen genannt. Einzelne Exemplare können aber in nahrungs- und sauerstoffreichen Gewässern zu kapitalen Größen heranwachsen. In den Gewässern unseres Landstriches erreichen Bachforellen kaum die Grenze von 60 cm. Die Bachforelle ist ein anpassungsfähiger Fisch, wenn das Wasser kühl, rein und sauerstoffreich ist. Der pH-Wert sollte zwischen 7 und 8 liegen. Höhere pH-Werte sind für diese Peptidverdauer schädlich, da ihr Magensaft neutralisiert werden könnte. Ebenso darf das Wasser nicht mit Nitrit über kommunale Einleitungen verunreinigt sein, da Werte über 0,01 mg/l bereits die Forellenbrut schädigen können. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 8 bis 10 Jahren, die oberste bei 12 bis 13 Jahren. Forellenriesen sind keineswegs alt, sie wachsen eben bei günstigen Bedingungen rascher.

Die Bachforelle bevorzugt Regionen mit Kies- und Geröllgrund mit Deckungsmöglichkeiten. Sie ist ein ausgesprochener Standfisch, stellt sich gern unter Steinen ein und lauert auf vorbeischwimmende Nahrung. Wird ein großer Fisch weggefangen, so nimmt der nächste in der Rangordnung seinen Platz ein. Da sich Bachforellen und Bachsaiblinge in den Laichzeiten und Gewohnheiten sehr ähneln, kommt es gelegentlich zu Kreuzungen. Diese Mischlinge nennt man wegen ihrer Maserung Tigerforellen, die aber unfruchtbar sind. Je höher die Temperatur, desto hungriger ist die Bachforelle, aber die Grenze liegt bei 18 Grad Celsius. Es sollen 20 Grad nicht überschritten werden, was in den Sommermonaten in der Alz leider immer öfter vorkommt. Die Forellen ernähren sich von Insekten, sofern die Flugzeiten der jeweiligen Art stimmen, deren Entwicklungsstadien, Bachflohkrebschen und anderen Krebstieren, Würmern und weiteren Weichtieren. Eine regelmäßige und überwiegende Ernährung mit Fischen ist eine Nahrungsspezialisierung, während andere Bachforellen in Gewässern mit reichem Bestand an Bachflohkrebschen nur diese und Anflugnahrung wie Heuschrecken und Käfer nehmen. So fing ich in der Alz an einem Juniabend eine Bachforelle, die zum Bersten prall gefüllt war. Beim Ausnehmen konnte das Rätsel ihrer Leibesfülle gelöst werden. Sie war vollgepfropft mit „Junibummerln“.

Die Bachforelle ist seit Jahrtausenden eine heimische Fischart und sollte in kühlen Gewässern wie Salzach und Inn als Besatz bevorzugt werden.

Günter Geiß