Der Huchen, ein typischer Donaulachs

In alten Büchern gilt der Huchen als Wasserwolf, der in seiner Gier Forellen, Äschen, Nasen, Aitel und andere Opfer hinaus auf die Kiesbänke jagte und gelegentlich sogar selbst dabei auf dem Trockenen strandete. Hucho hucho, wie ihn Linne 1756 wissenschaftlich benannte, jagte im 19. Jahrhundert in großer Stückzahl  in  den noch unbegradigten Furkations-Strecken der Salzach. Am Hofe des Erzbischofs  von Salzburg waren die berühmten Salzachhuchen eine begehrte Speise. Die Laufener Fischer mussten für die „Gnad zu fischen“ alljährlich den so genannten „Weihnachtshuchen“ abliefern. Im letzten Jahrhundert ist der Huchen, auch Donaulachs, Rotfisch, Huch, Huchl, Hüch, Hüchl oder Hurch genannt, immer seltener geworden, da durch Regulierung seiner Standplätze und Laichplätze und der Rückgang der Futterfische, insbesondere  der Nasen, zu seinem vollkommenen Erliegen beitrugen. Nach dem Bau der Innkraftwerke ging der Huchenbestand so weit zurück, dass er in der Salzach als ausgestorben galt. Allerdings wurde er in den letzten Jahrzehnten wieder erfolgreich angesiedelt.Unser heimischer Huchen kommt nur im Stromgebiet der Donau vor, im Unterlauf dieses Flusses fehlt er gänzlich. Verwandte unseres Huchens sind der Sachalin-Huchen (hypo perryi) und der koreanische Huchen (Hucho tschikawai). Der Sachalin-Huchen zieht zum Laichen aus dem Meer ins Süßwasser. Die ostasiatische Küste des Stillen Ozeans nördlich von Japan gilt bei einigen Wissenschaftlern als Urheimat des Huchens. Dann wäre der Huchen ursprünglich ein Wanderfisch gewesen und könnte zu den „echten Lachsen“ gerechnet werden. Der koreanische Huchen ist auf den Lebensraum des oberen Yalu-Flusses in Korea beschränkt. Wie der Huchen weltweit die ungeheuerliche Entfernung von der ostasiatischen Küste zum Donaugebiet oder die Gewässer Sibiriens überwand, ist nur mit der vielfach festgestellten Tatsache zu beantworten, dass das Überwinden zu Wasser in der Natur kein Hindernis darstellt.
Am nächsten verwandt mit unserem Huchen ist der sibirische Huchen (Hucho taimen). Er bewohnt ein ausgedehntes Gebiet Sibiriens vom Amurfluss bis zum Ural. Der Donauhuchen, auch Donaulachs genannt, ist der größte ständig im Süßwasser lebende Salmonide des mitteleuropäischen Binnenlandes. Seine natürliche Verbreitung ist auf das Einzugsgebiet der Donau beschränkt. Dieser großwüchsige Salmonide wird als König der Gewässer bezeichnet. Die beiden Arten Donauhuchen und sibirischer Huchen stimmen in den meisten anatomischen Merkmalen überein. Der Sachalin-Huchen und der koreanische Huchen werden der Untergattung Parahucho zugeordnet und sind entfernte Verwandte. Es ist interessant, dass die Nachkommen aus Paarungen zwischen Donauhuchen und sibirischem Huchen ganz normal fortpflanzungsfähig sind. Nach einer Theorie dürfte der Hucho taimen vor der Eiszeit vom Schwarzmeergebiet über Sibirien bis zum Stillen Ozean verbreitet gewesen sein. Die Eiszeit hat er in der Ponto-Kaspi-Aralischen Provinz bei gemäßigtem Klima überlebt. Im Donaugebiet hat er sich zu der nahestehenden Art Hucho hucho entwickelt. Unter diesem Gesichtspunkt wäre der Donauraumhuchen ein Einwanderer aus dem Südosten Europas, wo er während der interglazialen und postglazialen Erwärmung die Donau aufwärts wanderte und sich zu der heutigen Form des Donauhuchens entwickelte.
Hucho hucho ist von sehr gestreckter Gestalt, torpedoförmig, im Durchschnitt fast drehrund, Kopf lang, von oben abgeflacht, Mundspalte bis weit hinter das Auge reichend. Sein Rücken ist bräunlich-purpur bis grüngrau, oft mit  violettem Schimmer, Seiten heller mit rötlichem Kupferglanz, besonders bei älteren Tieren. Der Bauch ist weiß, silberglänzend,  Körperseiten mit zahlreichen, unregelmäßigen, kleinen schwarzen Flecken. Bis auf einige kleine Abweichungen ist das Skelett dieses großmäuligen Räubers mit den anderen Salmoniden identisch, aber seitlich nicht so stark abgeplattet wie seine Verwandtschaft. Das endständige Maul mit einer weiten Maulspalte bildet bei den Huchenmilchnern  keine typischen Laichhaken wie bei den übrigen Salmoniden. Die Körperoberfläche ist bedeckt mit kleinen Rundschuppen, die Bauchflossen stehen weit hinter den Brustflossen in bauchständiger Lage. Mit Ausnahme der relativ großen Fettflosse werden die anderen mit Hartstrahlen gestützt. Die Kiemendeckel tragen Flecke oder gar keine. Der Fisch hat gut ausgebildete Riechgruben, er muss also einen guten Geruchssinn haben. Die Seitenlinie beginnt unmittelbar hinter dem Kiemenapparat und reicht bis zum Schwanz.
In der Laichzeit, wenn sich das Weibchen nach der Schneeschmelze zwischen März und April auf die Suche nach geeigneten Kiesbänken begibt, um sein Laichbett zu schlagen, ist der Bauch weißlich bis silberglänzend, bei den Milchnern gelblichweiß, wobei sich oft ihre Haut schwartig verdickt. Die Huchen suchen bei etwa 8 bis 10 Grad Celsius seichtere Stellen mit kiesigem Grund auf, wobei die Rogner auf ihrer relativ kurzen Wanderung von 3 bis 4 Milchnern begleitet werden. Diese tragen am Laichplatz heftige Kämpfe aus und können sich mit ihren scharfen Zähnen gegenseitig erhebliche Verletzungen zufügen. Das Weibchen schlägt eine kreisförmige Laichgrube von etwa 120 bis 150 cm Durchmesser und 30 bis 40 cm Tiefe. Beim Laichen drückt sich der Rogner mit der Brust auf den Boden und gibt unter ständigem Schlagen mit der Schwanzflosse seine Eier ab, der Milchner tupft ihn dabei leicht, aber ständig mit dem Maul unterhalb der Kopfregion und gibt gleichzeitig seine Milch ab. Das Weibchen produziert je Kilogramm Körpergewicht etwa 1000 Stück 5 mm große, orange gefärbte Eier. Die Fische laichen meistens nachts. Der Laichakt dauert etwa 2 bis 3 Tage. Die Eier werden mit feinem Kies zugedeckt. Die Entwicklung der Eier dauert bei 8 bis 10 Grad Wassertemperatur etwa 35 Tage. Die etwa 12 bis 14 mm großen Larven leben von der Nahrungsreserve des Dottersackes und halten sich zwischen den Steinen des Laichplatzes versteckt. Bei der Brut, eben aus dem Ei geschlüpft, ist der Körper glashell gefärbt, die Pigmentierung fehlt oder ist am Rücken schwach ausgeprägt. Nach dem Verlust des Dottersackes erscheint die hellgrau-olive Färbung und die Körperseiten glänzen metallisch-violett-irisierend. Bis zu seinem 2.Lebensjahr trägt er das Jugendkleid, das aus etwa 8 bis 10 senkrecht verlaufenden streifenartigen Flecken besteht. Der Junghuchen macht Jagd auf kleine Bodentiere. Am Ende des 1. Jahres, sie erreichen jetzt eine Länge von 20 cm, besteht ihre Nahrung hauptsächlich aus Nasenbrut, die etwa zur gleichen Zeit schlüpft. Weiter aus kleinen Groppen, Insektenlarven, Flohkrebschen und Flugnahrung. Ist er größer geworden, nimmt er alle anderen Fischarten und verschlingt sie Kopf voran. Auch Krebse, Frösche und Ratten hat man beim Ausnehmen gefunden. Auch Barben, Äschen und Forellen, Kleinsäuger, Eisvögel und Wasseramseln stehen auf dem Speiseplan, wobei die Rogner wesentlich gieriger als die Milchner sind. Auch in den Wintermonaten nimmt der Huchen regelmäßig Nahrung auf.
In Huchenzuchtanstalten erreichen die Fische im 2. Jahr 39 cm, im 3. Jahr 56 cm und im 4. Jahr 72 cm Länge. Der Huchen liebt kühles Wasser mit einer oberen Temperaturbegrenzung von etwa 18 Grad Celsius. Bei Temperaturen bis 26 Grad findet keine natürliche Vermehrung mehr statt.
Bei flüchtigem Betrachten ähneln die Huchen von 3 bis 4 kg Bachforellen. Es ist interessant, dass die Huchen in einigen Gewässern eine nur für diesen Fluss typische Farbe, die in anderen Flüssen nicht vorkommt, bilden.  Auch die Körperform kann in einigen Gewässern kürzer oder kräftiger sein, in anderen schlanker. In gewissem Sinn bildet der Huchen also Rassen. Er ist ein standorttreuer Fisch, der nur im Jugendstadium und in der Laichzeit kurze Wanderungen unternimmt. Die Geschlechtsreife tritt im 3. Und 4. Jahr ein. Ab dem 2. Bis 5. Lebensjahr nehmen die Fische im Jahr etwa 500 g bis 700 g zu. Ab einem Stückgewicht von 3 kg wächst er bei Zunahme von 1 kg nur noch 5 cm, ab 15 kg nur noch 1 cm pro kg Gewichtszunahme.
Das Durchschnittsalter der Huchen dürfte bei 13 bis 16 Jahren liegen. Bereits ab dem 13. Lebensjahr lässt die Fruchtbarkeit der Huchen sehr stark nach. Der Fisch bevorzugt schnellfließende, sauerstoffreiche und kühle Gewässer mit steinigem oder kiesigem Grund. Als typischer Standfisch bezieht er ein bestimmtes Revier. Er liebt starke Stromschnellen, tiefe Gumpen, überhängende Uferpartien, Baumwurzeln und Brücken und er steht gerne hinter Wehren. Er verlässt sein Revier nur zur Laichzeit. Die beste Fangzeit liegt zwischen November und Februar, bei Frost und Schnee an trüben Tagen, bei nicht zu klarem Wasser und normalem Wasserstand, wobei er die abendliche Dämmerung bevorzugt. Zum Rauben verlässt er seinen Unterstand und kann dann flussauf oder flussab davon auf Jagd unterwegs sein, da er an seinem Stand normalerweise nicht frisst.
In alter Literatur wird von gefangenen Donauhuchen von 2 m Länge und ein Gewicht bis 50 kg berichtet. Huchen mit einer Länge von etwa 1,5 m sind etwa 20 Jahre alt. Derzeit beherbergt die Donau Exemplare dieser Größe sicherlich nicht mehr. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden die Schwergewichte in der Salzach mit Huchenfallen gefangen. Das sind Fallen mit 1,5 m Durchmesser. Diese Schlageisen wurden im Winter eingesetzt und jeden 2. oder 3.Tag kontrolliert. In der Salzach erreichen die Huchen heute ein Gewicht von etwa 25 kg. Der schwerste Huchen, an den sich der ehemalige Berufsfischer Georg Reichert erinnern konnte, wog 52 Pfund. Ein Bauer hatte ihn im seichten Wasser mit einer Mistgabel erstochen. Es war zur Laichzeit, da war der Fisch nicht so aufmerksam.
In der Fachzeitschrift Blinker wurde berichtet, dass im Lech bei Kinsau Walter Schmid im Jahr 2003 einen Huchen von 137 cm Länge und 29,7 kg erbeutete. Im Inn bei Rosenheim wurde ein 141 cm langer und 30,5 kg schwerer Salmonide gefangen. Auch unsere Vereinsgewässer lassen sich sehen. So fing Angelkamerad Roland Heinzl am 18. Oktober 1998 in der Salzach bei Burghausen an einem 35er Schnürl einen 1,12 m langen und 35 Pfund schweren Huchen. Am 1. November 2005 konnte Vereinsnachrichten-Mitarbeiter Christian Zagler 300 m unterhalb der alten Grenzbrücke in Burghausen einen 125 cm langen und 40 Pfund 100 g schweren Fisch auf die Schuppen legen. Einen Rekordhuchen mit 1,35 m Länge und 54 Pfund Gewicht hat der Elektromeister Ingo Kreuzpointner im Jahr 2007 bei Marktl aus dem Inn gezogen.
Zum Fang eines Huchens muss man schon viel Geduld aufbringen und viele Stunden am Fischwasser verbringen. Wenn dann nach unzähligen Schneidergängen die Sternstunde schlägt, die schwere Rute sich krümmt, dann ist alles, was vorher war, schlagartig vergessen. Ein Königsfisch liegt am Ufer.
Günter Geiß