Die Nase, ein Wanderer in Inn und Salzach

Chondrostoma nasus, mit diesem lateinischen Namen nahm Linne 1758 die Nase in das wissenschaftlich geordnete Namensverzeichnis auf. Dem Bestimmungsbuch „Die Süßwasserfische Deutschlands“ aus dem Jahr 1909 kann man entnehmen, dass die Nase nördlich von den Alpen in allen Flussgebieten Mitteleuropas heimisch ist, besonders häufig in der Donau und ihren Nebenflüssen. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts bevölkerten große Nasenschwärme die Flüsse Süddeutschlands, so auch die Salzach und den Inn.

Nasenschwärme von Tausenden von Fischen findet man heute so gut wie nicht mehr, da die veränderten Lebensräume wie Querverbauungen den Wanderfisch einbremsen, so dass er nicht mehr zu seinen Laichplätzen aufsteigen kann. Das Brutaufkommen ist heute auch wegen antropologer Gewässerverschmutzung viel geringer, so dass die Nase in Bayern zur stark gefährdeten Art zählt. Die Bestände zeigen auch weiterhin rückläufige Tendenz.

Der bodenorientierte Schwarmfisch bevorzugt sauerstoffreiche, hartgründige und schnellfließende Gewässer. Die Verbreitung der Nase ist überwiegend von der Morphologie des Lebensraumes begrenzt. Die durch steinigen bis kiesigen Untergrund gekennzeichneten Wohngewässer sind häufig auch mit Unterwasserpflanzen bewachsen, wo der gesellige Fisch tagsüber im Schwarm auf Nahrungssuche geht. In der Salzach und im Inn wandern die Fische viele Kilometer flussabwärts zu ihren Winterlagern, wo sie sich an tiefen Stellen zu dichten Schwärmen zusammenschließen.

Der Name der Nase kommt von seiner weit überstehenden Schnauze. Ihr stark unterständiges Maul mit querer Spalte hat eine dicke Oberlippe,  während die Unterlippe zugespitzt ist, mit hornig überzogenen, scharfkantigen Rändern. Der langgestreckte, ziemlich spindelförmige Körper ist an den Seiten nur wenig abgeflacht. Der Rücken der Nase zeigt eine graublaue bis graugrüne Färbung, nach den Seiten zu silberfarben, dann übergehend in die weißliche bis gelblich-weiße Bauchseite. Die Rückenflosse und Schwanzflosse ist meist schmutzigrot gefärbt, die anderen Flossen gelblichrot. Ihre Schlundzähne sind einreihig, stark zusammengedrückt mit sehr langen Mahlflächen. Bemerkenswert ist ihr schwarzes Bauchfell. Die Nase wird durchschnittlich 30 bis 50 cm lang und bis 1,5 Kg schwer, in Ausnahmefällen darüber.

Der Speiseplan des Fisches besteht aus pflanzlicher und tierischer Bodennahrung. Mit der scharfkantigen Unterlippe weidet die Nase Algen von Steinen, Kieseln und versunkenem Holz. Weiterhin besteht ihre Nahrung aus wirbellosen Kleintieren wie Krebschen und Wasserinsekten, die sich zwischen dem Algenaufwuchs aufhalten. Die Laichzeit wird durch einen raschen Temperaturanstieg im Februar angezeigt. Dann wandern die laichreifen Fische im März bis Mai in größeren Scharen oft weite Strecken flussaufwärts, um an flachen, kiesigen Stellen, oft auch in den Seitenbächen des Oberlaufs unter lebhaften Paarungsspielen abzulaichen. Insbesondere die Männchen tragen dann einen Laichausschlag und beide Geschlechter eine leuchtende Laichfärbung, am Kopf und an den Seiten schwarz glänzend, an den Mundwinkeln und Brustflossen orange. In das gut durchspülte Kiesbett kleben die Weibchen unter lebhaftem Getümmel 50 000 bis maximal 100 000 etwa 1,5 bis 2 mm große Eier. Die ersten Tage nach dem Schlüpfen verbringen die Larven zunächst in den Lücken im Kies und verstecken sich unter Steinen. Nach dem Aufzehren des Dottersackes ernähren sie sich von Plankton im ruhigen Flachwasser. Nach dem Laichen wandern die Altfische wieder in ihre Reviere zurück.

Die Nase ist ein grätenreicher Fisch, der sich dennoch gut als Steckerlfisch und für Fischpflanzerl verarbeiten lässt. Beangeln kann man ihn nur mit dünnem Vorfach und kleinen Haken, die mit Maden oder Mistwürmern bestückt sind. Auch Maiskörner und kleine Käsestückchen werden gerne angenommen. Als Angelfisch vollführt die Nase keine besonderen Kapriolen, so dass es auch keine aufregenden Erlebnisse zu erzählen gibt. Dennoch ist es immer wieder ein Erfolgserlebnis, wenn man mit feiner Schnur und kleinem Häkchen eine Nase an der Nase herumführen kann, um sie nach erfolgreichem Drill über den Kescher führen zu können.

Günter Geiß