Der Schneider, ein geselliger Kleinfisch

Der Schneider, auch Schusslaube genannt, ist ein karpfenartiger Fisch und steht ganzjährig unter Schutz.

Unter dem lateinischen Namen Alburnoides bipunctatus ordnete ihn Bloch 1728 in die Wissenschaftliche Nomenklatur ein. Der Schneider lebt in ganz Europa nördlich der Alpen und nach Osten bis zum Kaspischen Meer.
Der gesellig lebende Kleinfisch wird durchschnittlich 30 g schwer, ausnahmsweise 80 g und kann maximal eine Länge von 15 cm erreichen. Er hat ein endständiges Maul mit fast horizontaler Mundspalte. Seine lange Afterflosse beginnt hinter der Rückenflosse. Der Fisch ist hochrückig, etwas gedrungener als die Laube und hat einen kleinen Kopf mit relativ großen Augen. Die blaugrüne bis olivbraune Färbung seines Rückens wechselt zu den Seiten hin zu hellgrün bis silberaufhellend, manchmal auch mit Messingglanz. Sein Bauch erscheint silberglänzend-weiß. Die Flossenfärbung ist variabel von gelblich bis hellgrau und der Ansatz von Schwanz-, Bauch- und Brustflossen ist oft kräftig orangegelb gefärbt. Die Seitenlinie ist stark nach unten durchgebogen, teils geknickt und besonders während der Laichzeit oben und unten auffällig schwarz eingefasst. Die rußige Längsbinde über der Seitenlinie reicht von den Kiemendeckeln bis zur Schwanzflossenbasis. Die in Längsrichtung angeordnete schwarze Einfassung ist auf den hellen Schuppenhinterrändern unterbrochen und erinnert an eine Textilnaht. Daher der Name „Schneider“.
Der Schwarmfisch, der sowohl stehende als auch schnellfließende Gewässer bewohnt, hält sich meist in Bodennähe, aber auch unter der Oberfläche auf. Er besiedelt sommerwarme Gewässer mit strukturreichen Abschnitten und ist gelegentlich auch in klaren Stillgewässern zu finden. Große Schwärme halten sich vorwiegend im Flachbereich mit guter Sauerstoffversorgung auf. Sie stellen hohe Ansprüche an Sauberkeit des Gewässers, ertragen aber Wassertemperaturen bis 25 Grad Celsius. Oft kann man den Schneider beim Köderfischangeln am Alzkanalauslauf in die Salzach erbeuten, wo er sich in größeren Schwärmen am linken Kanalufer mitten in der Strömung aufhält. Auch im Marktler Badesee in der Nähe des Kinderbadebereichs konnte ich schon so manchen Schneider an die Köderfischangel bekommen. Da er ganzjährig geschützt ist, muss er vorsichtig wieder in sein nasses Element zurückgesetzt werden. Typische Schneiderbiotope sind sommerwarme Flüsse mit festem Grund, wo er in kleinen Trupps in der Strömung steht, aber auch oft mit Schmerlen und Gründlingen auftritt. Der Fisch wird 3 bis 4 Jahre alt, selten 6 Jahre.
Der Schneider ernährt sich hauptsächlich von Bodenfauna, kleinen Planktontierchen und von bodenlebenden Tieren aller Art wie Würmern und kleinen Krebschen. Aber auch Anflugnahrung, ins Wasser gefallene Insekten und deren Larven gehören zu seinem Speiseplan.
Der Kleinfisch laicht im Mai und Juni bevorzugt an seichten, überströmten Stellen über Sand und feinem Kies. Das Schuppenkleid der Erwachsenen ist dann intensiver gefärbt und die laichreifen Tiere besitzen ein auffällig dunkles Längsband oberhalb der Seitenlinien. Bei einer Wassertemperatur über 16 Grad Celsius setzen die Weibchen 2000 etwa 2 mm große, klebrige Eier ab, die sehr fest am Substrat haften. Je nach Wassertemperatur schlüpft die Brut nach 4 bis 10 Tagen. Der Bestand der Schneider ist bayernweit rückläufig und ist ganzjährig geschont.
Günter Geiß