Zweigestreifte Quelljungfer (Foto: W. Hege)

Die Zweigestreifte Quelljungfer, eine Edellibellenart

Libellen lebten schon vor mehr als 200 Millionen Jahren und manche Spezies hatten eine Flügelspannweite von über 70 cm.

Latreille ordnete 1805 die Zweigestreifte Quelljungfer unter dem lateinischen Namen Cordulegaster boltoni in die Wissenschaftliche Nomenklatur ein. Cordulegaster, so der Gattungsname, stammt aus dem Griechischen, wobei „Kordyle“ Keule und „gaster“ Bauch bedeutet. Weltweit gibt es Hunderte von Libellenarten. Von den Quelljungfern gibt es in Europa 5 Arten und 2 davon leben in Deutschland. Die Zweigestreifte Quelljungfer ist eine an kleinen Fließgewässern lebende Edellibelle.

Quelljungfern sind sehr große, schwarz-gelb gezeichnete Libellen mit leuchtend grünen Augen, die sich in der Kopfmitte an einem Punkt berühren. Zwischen den Augen liegt ein gelbes Hinterhauptdreieck. Beide Geschlechter gleichen sich in der Färbung. Die Männchen tragen am 2. Hinterleibsegment und Hinterflügel so genannte „Öhrchen“ mit eckig verbreiteter Basis. Bei den Weibchen hat sich eine lange stiletförmige Legeröhre entwickelt, die das Ende des Hinterleibes nach hinten überragt. Die Zweigestreifte Quelljungfer ist die größte Libelle in Deutschland mit einer Körperlänge von etwa 85 mm. Der schwarze Körper ist mit intensiv gelben Streifen und Seitenbinden gezeichnet, der Hinterleib mit gelben, in der Mitte meist unterbrochenen Querbinden, wobei sich jeweils eine breitere in der Segmentmitte und eine schmälere am Hinterrand des Segments befindet. Die Vorder- und Hinterflügel, die eine Spannweite bis 11 cm erreichen können, sind entlang der Vorderkanten hellgelb gefärbt.

Die Zweigestreifte Quelljungfer ist bei uns sehr verbreitet und kommt auch in den Alpen vor. Sie lebt an sehr schmalen Rinnsalen, an Bergbächen, sandigen Tieflandbächen mit hohem Sauerstoffgehalt und guter Wasserqualität. Ihre Wohngewässer sollen eine Breite von 1,5 m nicht überschreiten und der Bachgrund des fließenden Gewässers muss neben Kies auch ausreichend Feinsand besitzen, um die Eiablage zu ermöglichen. Die Libelle ist gegenüber Gewässerverschmutzung sehr empfindlich, lebt auch an von Quellen gespeisten kleinen Bächlein und manchmal direkt im Quellgebiet. In Burghausen, im Wöhrseebereich, findet man die Zweigestreifte Quelljungfer in den kleinen herabfließenden Quellwässern im Gelände des ehemaligen Herzogbades. Die erwachsenen Tiere leben versteckt in den Wäldern, wo die Sonne fast völlig von den Bäumen abgeschirmt ist, sitzen aber gern ab Mittag in der prallen Sonne auf Pflanzen in Bodennähe. Die Männchen sieht man regelmäßig in großer Anzahl an Bachläufen entlang patrouillieren, wobei sie sich dazwischen immer wieder kurz auf Ästen oder Steinen ausruhen und wirken dabei meist so entspannt, dass sie sich durch fast nichts stören lassen. Die Nacht verbringen die Libellen in den ufernahen Baumkronen.

Die Zweigestreifte Quelljungfer jagt im Fliegen, wartet aber auch gern auf ihre Beute. Ihr Nahrungsangebot ist breit gefächert und sie erbeutet eigentlich alles, was sie bewältigen kann. Typische Beutetiere der erwachsenen Libellen sind Fliegen, Mücken, Schnaken und auch große Tagfalter sowie andere Groß- und Kleinlibellen. Auch Wespen und Honigbienen stehen auf ihrem Speiseplan.

Die Flugzeit der Zweigestreiften Quelljungfern beginnt Anfang Juni und endet im August. Die Weibchen kommen lediglich zur Paarung und zur Eiablage an die Gewässer. Ab etwa 10 Uhr fliegen die Männchen an den Bach und sind gegen 16 Uhr wieder verschwunden. Die Weibchen fliegen an warmen Tagen gut eine halbe Stunde vor und nach den Männchen zum Bach. Treffen die Männchen in ihrem Revier auf Weibchen, ergreifen sie diese sofort und begatten sie. Für die Fortpflanzung bilden die Paare Tandems und Kopulationsräder. Die anschließende Paarung findet als so genanntes Paarungsrad sitzend an nahe gelegenen Pflanzen statt und dauert mehr als eine Stunde. Anschließend sucht sich das Weibchen kleine Rinnsale und Quellen, wobei  es zunächst im seichten Wasser den Bachgrund durch kräftige Stöße mit dem Hinterleib testet. Bei geeignetem Untergrund sticht es fliegend und in senkrechter Körperhaltung mit seinem speziell ausgebildeten langen Legeapparat nach dem Nähmaschinenprinzip ihre Eier im Ein- oder Zweisekunden-Takt in das Bachbett. Immer hoch und runter. Ihr Hinterleib mit dem kräftigen Legebohrer dringt dabei immer wieder in den sandigen Boden ein.

Die geschlüpften Larven besiedeln strömungsarme, vegetationslose Abschnitte von unverschmutzten Bächen und Gräben. Auch der seichte Randbereich der Quellrinnen und kleine Quellbecken mit Kalktuff oder auch lose Moospolster sind der ideale Lebensraum für die Larven. Je nach Biotop-Verhältnissen und Wassertemperatur benötigen die Larven 3 bis 7 Jahre für ihre Entwicklung. Die plumpen Larven werden sehr groß und kräftig und bis über 40 mm lang. Sie besitzen eine Analpyramide aus 5 Dornen, eine gewölbte Fangmaske mit unregelmäßig groß gezähntem Fanghaken und kurzem beweglichen Zahn. Deutlich zu erkennen sind die schräg herabreichenden Flügelscheiden und an den Körperseiten die Lateraldornen.

Als passiver Lauerjäger liegt die Larve eingegraben auf dem Bachbett und schaut nur mit den Augen heraus. Sie erbeutet vorbeischwimmende Kleininsekten indem sie mit ihrer Fangmaske nach ihnen schnappt. Die Libellenlarven sind vorwiegend nachts aktiv. Auf ihrem Speiseplan stehen Bachflohkrebse, Muschelkrebschen und Käfer und auch im Wasser lebende Larven anderer Insekten. Auch Kannibalismus zwischen den Larven ist nicht selten. Während der Entwicklungszeit durchläuft die Larve bis zu 14 Häutungen, erreicht nach der letzten Häutung mehr als 5 cm Länge und ist im letzten Stadium durch ihre starken Beißwerkzeuge von erschreckender Gestalt.

Mitte Juni schlüpft Die Zweigestreifte Quelljungfer schlüpft Mitte Juni, wobei in warmen Jahren der Schlupf schon Anfang Juni erfolgen kann. Dazu verlässt die Larve früh morgens das Wasser und die Junglibelle schlüpft im Uferbereich in einigen Metern Höhe an einem nahen Baum. Anschließend erfolgt die Reifezeit, wozu sich die geschlüpfte Libelle abseits vom Wasser an besonnten Stellen in Waldlichtungen und auf Bäume im nahen Wald zurückzieht. Je nach Temperatur verlässt sie früher oder später diesen Lebensraum. Erst nach Eintritt der Geschlechtsreife kehrt sie an ihre Gewässer zurück. Die anschließende Flugzeit zieht sich bis in den September hinein. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Zweigestreiften Quelljungfer beträgt etwa 8 Wochen.

In Deutschland und Österreich ist der Bestand der Zweigestreiften Quelljungfer gefährdet.

Günter Geiß