Biber erobern die Wasserlandschaften zwischen Inn und Salzach

Der Eurasische Biber (Castor fiber, Linne) ist das größte Nagetier Europas.

An den Ufern von Inn und Salzach, an deren Altwässern und am Marktler Badesee hinterlässt Meister Bockert, so sein Fabelname, unübersehbare Spuren seiner Anwesenheit. Angenagte oder gefällte Laubbäume, Biberrutschen an den steilen Ufern in den Fluss und vom Wind angetriebene, entrindete Zweige gehören längst zum Bild unserer Auenlandschaft. Armdicke, aus dem Astwerk gefällter Bäume herausgeschnittene Knüppel, schleppt der Biber zu seinem Bau oder verwendet sie als Baumaterial von Dämmen, um den Wasserstand zu regulieren.

In Mayers Lexikon von 1867 lesen wir: “Während die Biber früher in Europa zahlreich waren, werden sie durch die wachsende Kultur immer weiter nach Norden verdrängt. Jetzt befinden sie sich in Deutschland nur noch einzeln an der Donau bei Ulm und in Bayern.“ Auch hier wird bereits von seinem Rückgang berichtet. Das Bibergeil, der Duftstoff mit dem Biber ihre Reviere markieren, wurde in der Volksmedizin eingesetzt. Auch sein dichtes Fell und sein begehrtes Fleisch führten zur intensiven Bejagung, so dass er rund 100 Jahre lang als ausgestorben galt. Die ersten Wiedereinbürgerungen fanden in Bayern ab 1966 statt. Als anpassungsfähiges Tier hat er sich zwischenzeitlich stark vermehrt. Der Europäische Biber Castor fiber, so sein lateinischer Name, erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge bis 100 cm und ein Gewicht von 20 bis 30 Kg. Er ist das größte europäische Nagetier und hat vergrößerte, ständig wachsende Schneidezähne, die vorne oftmals orangerot gefärbt sind. Da sich die Frontseite der Zähne nicht so schnell abnutzt wie die Hinterseite, führt dies beim Nagen an Holz zu einem natürlichen Selbstschärfeeffekt. Sein Körper ist plump und gedrungen und nimmt nach hinten im Umfang zu. Sein kurzer, breiter und oben abgeflachter Kopf geht direkt in die starke Nackenmuskulatur und in den Rumpf über. Beim Schwimmen sind die sehr weit oben angeordneten Augen, die Ohren und die Nase über Wasser. Sein mit Hautschuppen besetzter flach abgeplatteter Schwanz, der auch als Kelle bezeichnet wird, dient als Steuer- und Antriebsorgan. Auch warnt er damit durch kräftige Schläge auf die Wasseroberfläche seine Artgenossen bei Gefahr. Seine Vorderfüße sind zum Greifen ausgebildet, die Hinterfüße sind groß und besitzen Schwimmhäute zwischen den Zehen. Das an der Oberseite grau bis dunkelbraun gefärbte Fell hat mit bis zu 23 000 Haaren pro Quadratzentimeter eine sehr hohe Haardichte, wodurch beim Tauchen die Luft im Fell gehalten wird.

Die Biber gehen eine lebenslange Einehe ein und leben in kleinen Familienverbänden. Sie werden mit zwei bis vier Jahren geschlechtsreif und bringen im Mai/Juni 3 bis 6 Junge zur Welt. Nach etwa 2 Jahren bei der Familie wandern sie ab und suchen sich ein eigenes Revier. Das durchschnittliche Alter beträgt 8 Jahre, wobei einige weit über 20 Jahre alt werden können. Die Tiere sind vorwiegend nachtaktiv und ernähren sich ausschließlich vegetarisch von Uferpflanzen, Blättern und jungen Trieben von Weichhölzern. In den Wintermonaten lagern sie unter dem Eis Äste  und Zweige von Pappeln und Weiden, deren Rinde ihnen dann frisch als Nahrung zur Verfügung steht. Vorzugsweise werden kleinere Bäume gefällt, entastet, in Stücke zerlegt und zum Biberbau gebracht. Diese sind teils ins ufernahe Erdreich gegraben, teils aus herbeigeschlepptem Baumaterial wie abgenagte Äste, Zweige, Steine und Schlamm errichtet. Der Eingang zum Wohnkessel ist immer unter dem Wasserspiegel, die Wohnung selbst liegt über dem Wasser. Befindet sich in einem vollständig von Wasser umgebenden Bauwerk ein Wohnbau, so spricht man von einer Biberburg. Im und außerhalb des Naturschutzgebietes gibt es in den Wasserlandschaften zwischen Inn und Salzach, besonders im Mündungsbereich, Biberbauten am Ufer sowie auch Biberburgen. Um in kleinen Fließgewässern den Wasserstand zu halten, werden durch Dammbauten Bäche aufgestaut und auch künstliche Teiche angelegt, um über dem Eingang zum Wohnraum möglichst 60 cm Wasserstand zu halten. Bei starken Regenfällen können Biber ihre Dämme öffnen und den Wasserstand ihres Gewässerbereichs regulieren.

Durch das Aufstauen kleiner Fließgewässer greift der Biber nachhaltig in die Natur ein. Es kommt immer wieder zu Überschwemmungen an Gewässerrandbereichen. Das strömende Wasser wird zum beruhigten Gewässer und der Untergrund verschlammt. Der Aufenthalt und das Laichen der auf sauberen Kies angewiesenen Strömungsfische ist nicht mehr möglich und sie verlassen den Staubereich und andere Fischarten, die in Stillgewässern leben, bevorzugen diesen jetzt auch wärmeren strömungsarmen Bereich. Um die wertvollen Laichgebiete der Strömungsfische zu erhalten und Überschwemmungen zu verhindern, werden, wo nötig mit Erlaubnis der Naturschutzbehörde diese Dämme von Menschenhand teilweise zurückgebaut oder mit Abflussrohren versehen (die dann der Biber wieder verstopft), damit sich die natürliche Fließgeschwindigkeit wieder einstellt und ein Absetzen von Schlamm und Überflutungen nicht mehr möglich sind.

Der Biber ist nach dem Naturschutzgesetz streng geschützt. An den Ufern von Inn und Salzach und deren Altwässern kann sich Europas größtes Nagetier frei entwickeln, da unsere Auen genügend Holz für Baumaterial und Nahrung liefern. Auch wenn seine versteckt  angelegten Bauten nicht immer gleich entdeckt werden, so zeugen doch Massen an Holzspänen neben angenagten und gefällten Baumstämmen von seiner Anwesenheit. Sei es ihm gegönnt, Platz hat er in unseren Wasserlandschaften genug.

Günter Geiß