Fischotter – es gibt sie wieder an der Salzach

„So niedlich die zahme Fischotter ist, So gehört doch die wilde zu den allerschädlichsten Thieren, indem der Schaden, welche sie an Fischen und zuweilen selbst an Geflügel anrichtet, sehr bedeutend ist. Das Wildpred der Fischotter ist essbar und gilt bei den Katholiken, die zur Fastenzeit theuer bezahlen, für Fisch. Der Balg ist vortrefflich, im Winter zwar am besten, aber auch in Sommer brauchbar.“ So nachzulesen in Meyers Lexikon von 1871. Aus genannten Gründen wurde der Fischotter Lutra lutra, so sein lateinischer Name, fast ausgerottet, so dass nur noch eine kleine Restpopulation im Bayerischen Wald überlebte. In den letzten Jahren hat sich dort diese Marderart langsam, aber ständig erholt und ist auf der Suche nach neuen Wohngebieten über die Grenze seines bisherigen Verbreitungsgebietes herausgewandert. Es ist erstaunlich, dass er schon bis in unsere Region vorgedrungen ist. So wurden bei einem Kontrollgang auf der österreichischen Salzachseite bei Überackern Ende Dezember 2012 vom zuständigen Fischereischutzorgan des Fischereivereins Salzburg sieben Stück tote und vom Fischotter angefressene Karpfen vorgefunden. Fischzüchter in der nächsten Nähe wussten bereits von der Anwesenheit von Fischottern und es wurden auch Fotos dieser Tiere mit einer Nachtsichtkamera aufgenommen.

Der Fischotter steht in Bayern auf der roten Liste für gefährdete Arten. Er erreicht von der Schnauze einschließlich seines 40 cm langen, kegelförmigen Schwanzes eine Körpergröße von 55 bis 100 cm, wobei ihm der Schwanz beim Tauchen zur Stabilisierung und Steuerung dient.Bei einer Schulterhöhe von 25 bis 30 cm sind seine Beine verhältnismäßig kurz. Der Otter, der bis zu 15 Kg schwer werden kann, ist an ein Leben im Wasser angepasst und trägt zwischen den Zehen der Vorder- und Hinterbeine Schwimmhäute. Da er zur Wärmeisolation keine dicke Fettschicht ausgebildet hat, ist er auf die schützende Funktion seines Pelzes angewiesen. Dieser ist am Rücken dunkelbraun, auf der Bauchseite heller und an Kinn und Kehle mit weißgrauen Flecken versehen. Das dichte Haargeflecht schließt Luftblasen zur Isolation ein und ist stark wasserabweisend. Bei der Orientierung im trüben Wasser helfen ihm die langen Tasthaare an der Schnauze.

Anscheinend sind Fischotter zu jeder Jahreszeit ranzig, hauptsächlich aber im April und im Januar. Das Weibchen bekommt 2 bis 4 Junge, die in 30 bis 35 Tagen nach der Geburt die Augen öffnen. Sie werden 4 Monate gesäugt und nach der 6. Lebenswoche verlassen sie erstmals den Bau und unternehmen die ersten Schwimmversuche. Sie bleiben noch etwa 14 Monate bei der Mutter, um die Jagd zu erlernen und sind nach 2 bis 3 Jahren geschlechtsreif. Sie leben an nicht zu flachen Bächen und Flüssen mit bewaldeten Ufern, in Niederungen mit Teichen und Wasserläufen. Vor allem richtet sich sein Aufenthalt nach dem Angebot der als Nahrung dienenden Fische. Als Oportunist erbeutet er auch alle kleineren Lebewesen, die er bekommt, wie Frösche, Mäuse, Krebse und Wasservögel. Auch Bisamratten, Blesshühner,  Enten und deren Eier stehen auf dem Speiseplan. Die Otter entfernen sich nicht weiter vom Wohngewässer als 200 m. Sie wandern aber bei Nahrungsmangel meist nachts, vorwiegend auf dem Wasserweg, viele Kilometer und kehren oft erst nach einigen Tage in ihr Heimatgebiet zurück. Sie jagen meist nachts, gern bei hellem Mondschein und wenn sie nicht beunruhigt werden, auch häufig am Tage. Beim Schwimmen legen sie die Vorderbeine an den Leib und treiben den wendigen Körper durch Wellenbewegungen des Rumpfes und des Schwanzes sowie durch Schläge der breiten, mit Schwimmhäuten ausgestatteten Hinterbeinen vorwärts. Durch Wassertreten können sie senkrecht im Wasser stehen, so dass Kopf, Hals und Brust über die Wasseroberfläche ragen. Sie schwimmen lange Strecken in Rückenlage und drehen sich oft um die Längsachse können bis zu 8 Minuten unter Wasser bleiben und dabei 18 m tief tauchen. Erwachsene Männchen jagen oft alleine, die Mütter streifen lange mit den Jungen umher.

Meist bewohnen die Otter einen selbst gegrabenen Bau in der Uferböschung mit einem Einschlupf, der etwa einen halben Meter unter der Wasseroberfläche liegt, wobei der Wohnkessel sich aber über der Wasseroberfläche befindet und mit einem Luftschacht zur Erdoberfläche versehen ist. Auch bezieht er ufernahe Fuchs-, Dachs- und Kaninchenbaue.

Die Anwesenheit eines dämmerungs- und nachtaktiven Wassermarders ist oft nur durch seine ausgetretenen Ein- und Ausstiegsstellen, die so genannten Ottersteige  zu erkennen. Bestimmte Einstellungsvorrichtungen in den Augen ermöglichen ihm ein gutes Sehen im Wasser sowie auch in der Luft. Bei der Fischjagd ergreift er nach kurzer Hetzjagd sein Opfer mit den Zähnen. Im seichten Wasser treibt er oft die Fische in Buchten zusammen oder scheucht sie in Uferlöcher, wo er sie geschickt herausholt. Oft veranstalten mehrere Otter eine Gruppenjagd, wobei sie sich die Fische zutreiben. Kleine Fische verzehrt er im Wasser, wobei er in Rückenlage schwimmt und die Beute mit den Vorderpfoten hält. Große Fische trägt er meist an Land, entweder mit dem Mund oder mit seinen Vorderpfoten. Entdeckt er einen Schwarm, bringt er jeden gefangenen Fisch einzeln an Land, um sich dann wieder ins Wasser zu stürzen, bis er alle erreichbare Beute nach Marderart getötet hat. Erst dann beginnt er sein Mahl, wobei er nicht selten mehr Fische getötet hat, als er zum Leben braucht, so nachzulesen in der einschlägigen Literatur.

Fischotter haben einen starken Bewegungsdrang. Die Mütter führen mit den Kindern, die Kinder unter sich und auch Erwachsene häufig Bewegungsspiele aus, sie umschwimmen sich und haschen nach den eigenen Schwänzen. Der Otter lässt sich vollkommen zähmen und wird ein liebevoller, anschmiegsamer Hausgenosse und erfreut durch die ständige Kontaktsuche seinen Pfleger. Zahme Otter können übrigens bis 19 Jahre alt werden.

Günter Geiß