Flussseeschwalbe

Flussseeschwalben
Foto: Wolfgang Oertel

Die Flussseeschwalbe, ein ruffreudiger, graziler Vogel

Die Stoßtaucher beeindrucken durch ihre akrobatischen Flugspiele und schwungvollen Sturzflüge beim Beutefangen.

Die Flussseeschwalbe kommt global nördlich des Äquators in verschiedenen Unterarten vor. Die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Schwalbenart, die Linne 1758 mit dem lateinischen Namen Sterna hirundo in die Nomenklatur aufnahm, ist in Deutschland an den Küstenregionen und im Alpenvorland an den alpinen Flüssen beheimatet, wo sie stabile und zunehmende Populationen bildet.

Die Flussseeschwalbe erreicht eine Körperlänge von 34 bis 37 cm, eine Flügellänge von 24 bis 28 cm und eine Flügelspannweite von 72 bis 82 cm. Die Männchen sind größer als die Weibchen. Das Gefieder der Vögel ist meist weißlich bis hellgrau, wobei die Färbung je nach Saison schwanken kann. Die schlanke Seeschwalbe hat einen langen gegabelten Schwanz und schlanke, an den Enden spitz zulaufende Flügel mit spießartig verlängerten äußeren Steuerfedern. Im Brutkleid zieht sich die tiefschwarze Färbung des Oberkopfes bis in den Nacken. Die Stirn ist hell, die Beine rot gefärbt und der leuchtend orangerote Schnabel trägt eine schwarze Spitze. Schwanz und Flügelspitzen der eleganten, ruffreudigen Seevögel sind im Sitzen etwa gleich lang. Ihre Rufe klingen wie ein scharf kreischendes „krärr „ oder „kirri“ oder „kiärrrih“. Die Jungvögel haben schuppenartige Flecken auf der Körperoberseite und die Kopfoberseite ist eher bräunlich als schwarz gefärbt. Die Langstreckenzieher kehren im Frühjahr aus Afrika zurück und erscheinen im April in den Brutgebieten. Im Binnenland sind ihre Brutplätze an Flüssen und Seen an geschützten Stellen auf Kiesinseln und Sandbänken oder in der Nähe von auffälligen Strukturen wie Totholz oder Pflanzenbüscheln. Sie brüten alljährlich an ihren angestammten Nestplätzen, wo die Eiablage meist im Mai in einer mit Halmen locker ausgekleideten Bodenmulde an einem ungestörten Platz erfolgt.

Das Weibchen legt 1 bis 4 etwa 41 mal 30 mm große, schwach gelbgrünliche und unterschiedlich dunkel gesprenkelte Eier, die von beiden Elterntieren bebrütet werden. Die gut getarnten Jungen schlüpfen nach etwa 24 bis 26 Tagen Brutdauer. Die Küken sind Platzhocker, können aber das Nest frühzeitig verlassen und sich in der Nähe verstecken. Sie werden von beiden Eltern noch rund 6 Wochen überwiegend mit Insekten gefüttert bis sie flügge werden. Die Sterblichkeitsrate der Jungtiere ist sehr hoch, da viele Bruten durch ungünstige Witterung und Hochwasser verloren gehen oder bei Störungen die Gelege verlassen werden. Die Jungen werden im3. Lebensjahr geschlechtsreif und können ein Alter von gut 10 Jahren, in Gefangenschaft aber auch 20 bis 25 Jahre erreichen.

Die Jagd auf kleine Fischchen erfolgt durch Stoßtauchen aus dem Rüttelflug mit schwungvollen und eindrucksvollen Sturzflügen. Während der Brutzeiten fangen sie aber meist Insekten im Fluge, die sie an ihre Jungen verfüttern. Aber auch Insektenlarven, kleine Krebstiere, Würmer und Schnecken, Wasserkäfer und Kaulquappen stehen auf dem Speiseplan. Es ist immer wieder ein Erlebnis, die grazile Flussseeschwalbe an der Inn-Salzach-Mündung und an Stillgewässern wie Deindorfer und Seibersdorfer Lacke im eleganten Schwebflug zu beobachten, wie sie nach kleinen Fischchen an der Wasseroberfläche späht, plötzlich im Flug innehält um aus dem Rüttelflug kurz darauf im schwungvollen Sturzflug ins Wasser zu tauchen. Wenn dann ein erbeutetes Fischchen im Schnabel zappelt, wünscht man dem Jäger in Gedanken ein Petri Heil.

Durch Regulierungsmaßnahmen an den Flüssen fehlt es oft an geeigneten Brutmöglichkeiten. An den Altwässern am Innspitz wird versucht, durch künstliche Nistplätze auf Brutflößen die Population der Seeschwalben zu erhalten und zu vergrößern. Leider sieht man auf den Brutflößen, die eigentlich für die Flussseeschwalben gedacht sind, oft ungebetene Besucher wie Raubmöwen und auch Kormorane, die nach einem Tauchgang mit ausgebreiteten Flügeln das Gefieder trocknen lassen.

Im Herbst verlassen die Langstreckenzieher ihre Brutgebiete und ziehen in großen Schwärmen in die Winterquartiere bis nach West- und Südafrika. In der Roten Liste des IUCN (International Union for Conservation of Natur) wird die Flussseeschwalbe als nicht bedroht geführt.

Günter Geiß