Habicht

Habicht
Foto: Paul Bogner

Der Habicht, ein edler Jäger mit akrobatischem Geschick

Der Habicht schlägt seine Beute in der Luft und am Boden und was er einmal in den Krallen hat, lässt er nicht mehr los.

„Habicht, aus der Gruppe der Raubvogelfamilie der Falken. Hierher gehörte der Gemeine oder Hühnerhabicht A. palumbarius L. Er ist einer der schädlichsten Raubvögel, vorsichtig listig, gewandt und schnell, ein gefürchteter Feind der Tauben, Rebhühner, Fasanen, Hühner, Enten, Stare, Finken und selbst der kleinen Raubvögel. Tauben und Hühner verfolgt er nicht selten ins Innere der Häuser und macht auch nach Kaninchen und Hasen Jagd.“ So nachzulesen in Meyer´s Konversationslexikon von 1871.

Mit dem lateinischen Namen Accipiter gentilis hat Linne 1758 den Habicht in die Wissenschaftliche Nomenklatur aufgenommen. Accipiter heißt „der Zugreifende“, gentilis bedeutet „der Edle“. Die Habichte besiedeln in mehreren Unterarten Wälder der gemäßigten und der mediterranen Zonen der gesamten Paläarktis. In Mitteleuropa lebt die Art Accipiter gentilis ganzjährig.

Die Flügelspannweite des Männchens beträgt etwa 100 cm, die des Weibchens 120 cm, wobei die Männchen etwa ein Drittel kleiner sind als die Weibchen. Mit einer durchschnittlichen Größe von 48 bis 61 cm wiegen die Vögel 700 bis 1200 g. Die gelben Beine des Habichts sind kurz und stämmig, die Füße kräftig mit langen sichelförmigen Krallen. Die Männchen sind oberseits graubraun, alte Weibchen schiefergrau. Die Beine und die relativ kurzen, abgerundeten Flügel sind bei den erwachsenen Greifvögeln grau gefärbt. Die Unterseite des Alterskleides bei beiden Geschlechtern ist hell und mit schmalen schwarzen Querstreifen gesperbert. Typisch sind die hellen Überaugenstreifen und die dunkelgelb bis orange gefärbte Iris. Bei älteren Habichten steigert sich die Farbe der Iris bis ins Rubinrote. Die Wachshaut des Schnabels ist gelb. Im Flug erkennt man den Habicht meist an seinem langen Schwanz. Das Großgefieder zeigt in allen Bereichen eine starke Bänderung auf weißem bis braunem Grund. Die Jungvögel sind bis zur ersten Mauser an der Oberseite bräunlich, auf der Unterseite gelb, beige oder orange mit senkrechter Tropfen- oder Strichzeichnung.

Der Habicht ist ein scheuer und zurückhaltender Greifvogel des Waldes, bewohnt aber auch Parkanlagen mit eingestreuten Waldungen. Sein Lebensraum sind abwechslungsreiche Waldlandschaften mit Altbaumbeständen wie auch geschlossene Waldgebiete und offenen Kulturlandschaften mit ausreichendem Angebot mittelgroßer Vögel und Säugetiere. Er bevorzugt für die Horstanlage über 60 Jahre alte Baumbestände. Habichtspaare verständigen sich mit einem kurzen „gjik“ oder „gjak“, sind aber außerhalb der Brutzeit kaum zu hören. Während der Balz von Juni bis März rufen sie in Horstnähe ein scharfes „gik, gik,gik“, was auch bei Erregung einer Störung zu hören ist. Dringen in das Revier fremde Artgenossen ein, wird erst versucht, durch Rufe den Eindringling zu vertreiben. Direkte Angriffe der Vögel mit Körperkontakt erfolgen im Gegensatz zu den anderen Greifvögeln im Rahmen territorialer Auseinandersetzungen nur als allerletztes Mittel.

Habicht
Foto: Paul Bogner

Die kurzen, abgerundeten Flügel und der lange Stoß befähigen den Vogel zu akrobatischen Wendungen. Der relativ schnelle Flügelschlag des Greifvogels wechselt mit kurzen Gleitphasen ab. Die außergewöhnlich großen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen haben eine unterschiedliche Beuteauswahl zur Folge. Als typischer Auflauerer greift der Habicht plötzlich von einer versteckten Warte aus an und überrumpelt die Beute. Das Habichtmännchen ist zu minutenlanger Lufthatz fähig und kann hochfliegende Tauben über hunderte von Metern verfolgen. Zu solchen Jagden ist das viel schwerere Weibchen nicht in der Lage, erbeutet aber Vögel bis zur Größe eines Auerhuhns und sogar bis zur Größe ausgewachsener Feldhasen. Der Habicht schlägt seine Beute in der Luft und am Boden und was er einmal in den Krallen hat, lässt er nicht mehr los. Zum Beuteschema gehören Kleinvögel, Tauben, Hühnervögel, Stockenten, Kaninchen und Eichhörnchen. Das kleinere Männchen ist schneller und gewandter als das Weibchen und nicht nur auf Überraschungstaktik angewiesen. Wie alle Jäger schnellflüchtiger Beute sind Habichte in der Lage, blitzartig zu reagieren. Das Flattern einer bewegungsbehinderten Beute oder Angstschreie signalisieren den Vogel und löst eine blitzartige Reaktion aus. Auf der Jagd streift der Greifvogel mit großer Geschwindigkeit durch die Bäume, im Tiefflug über den Boden an einer Hecke entlang und macht häufig jähe Wendungen und nutzt die Landschaftsstruktur als Deckung. Mit scharfem Blick kann er seine Beute über weite Entfernungen entdecken, spurt rasant los und weicht geschickt Hindernissen aus. Das Habichtmännchen ist vorwiegend Vogeljäger und erbeutet regelmäßig auch kleine und mittelgroße Greifvögel wie Sperber, Turmfalken, Bussarde und auch Eulen. Nach dem Schlagen tötet der Habicht seine Beute mit knetenden Bewegungen seiner kräftigen Fänge, indem er seine Krallen der ersten und zweiten Zehe in die Beute bohrt und das Opfer an inneren Blutungen stirbt. Nachdem er seine Beute getötet hat, rupft und zerlegt er diese mit seinem Hakenschnabel. Auch suchen Habichte in höherer Vegetation und auf Bäumen nach Nestern und erbeuten nestjunge Vögel. Bei kleinen Vögeln wird oft das Nest mit Inhalt ergriffen und zum Rupfplatz geschleppt, wo man die leeren Nester am Boden findet. Zu Fuß erbeutet der Habicht Maulwürfe und schlägt sogar brütende Wildenten.

Die Vögel, die sich ein ganzes Leben lang treu sind, bauen ihre Nester bevorzugt in Altholzbeständen  mit dichtem Kronenschluss, die sie von Jahr zu Jahr durchwechseln und neu aufstocken. Sie errichten ihre Nester aus dicken Ästen und Zweigen und die Nestmulde wird auch während der Jungenaufzucht vom Weibchen ständig mit Nadelholzzweigen repariert. Die Habichte zeigen zur Balzzeit im Spätwinter einen spektakulären Balzflug und kreisen im Vorfrühling in großer Höhe über dem Wald in dem der Horst liegt. Dabei geben sich die Paare recht ruflustig, wobei das ertönende „gi-gi-gi-gi-gi“ in auf- und absteigendem Ton erfolgt. Habichte sind streng territorial und verteidigen ihr Revier durch häufiges Gickern und durch Schauflüge, bei denen sie in geradem Flug die Flügel langsam tief nach unten und wieder nach oben schlagen und die Männchen oftmals in Wellen dahin fliegen.

Die Eiablage erfolgt meist Mitte März bis Mitte April. Bei der Kopulation rufen beide Partner ein hohes „wirr-wirr-wirr“. Die Brutzeit dauert mit 40 Tagen ungewöhnlich lang. Das Weibchen legt 2 bis 5 ungezeichnete, blassgrüne bis blassgraue Eier. Während des Brutgeschäfts mausert das Weibchen die Hand- und die Armschwingen. Es brütet allein und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach dem Schlüpfen bleibt das Weibchen noch etwa 10 Tage auf den Jungen sitzen. Noch weitere 10 Tage verbleibt es in Horstnähe und wärmt die Nestlinge über Nacht. Von da an sind sie im Nest allein und bekommen mehrmals am Tag ein Beutetier an den Horst gelegt. Nestjunge Habichte sind untereinander sehr friedlich und werden nach 38 bis 45 Tagen flügge. Nach 3 bis 6 Wochen nach dem Ausfliegen verlassen die Jungvögel das elterliche Revier, sind aber sehr reviertreu. Umherstreifende Jungvögel entfernen sich meist nicht sehr weit vom Geburtsort. Die Art ist nicht gefährdet.

Günter Geiß