Lachmöwe

Lachmöwe im Winter
Foto: Wolfgang Oertel

Lachmöwen, Flieger mit erstaunlicher Ausdauer

Ihre Namen erhielten die Vögel, weil ihr Ruf an ein spöttisches Lachen erinnert.

Eine weitere Version der Namensgebung ist die Vorliebe für lachenartige Binnengewässer als Brutplatz.

Als in Bayern noch keine Möwen brüteten, konnte man in Meyer`s Lexikon von 1871 nachlesen: „Die Lachmöve (rothfüßige Möve), 15 Zoll lang, mit rothem Schnabel und rothen Füßen, bewohnt schaarenweise die nordischen Küsten und Flußmündungen, schreit krähenartig und liefert brauchbare Federn.“

Linne ordnete 1766 die Lachmöwe mit dem lateinischen Namen chroicocephalus ridibundus in die wissenschaftliche Nomenklatur ein. Heute ist mehr der Synonymname Larus ridibundus gebräuchlich.

Das Verbreitungsgebiet der Lachmöwe zieht sich von den britischen Inseln über ganz West- und Mitteleuropa und in weiter Front quer durch Asien. Die etwa fünfunddreißig bis achtunddreißig Zentimeter große Möwe ist gekennzeichnet durch weißliches Gefieder an Hals, Unterseite und durch den leicht grauen Rücken und Flügeloberseite. Jungvögel sind oberseits bräunlich gezeichnet. Mit einer Spannweite von fünfundachtzig bis hundert Zentimeter und zweihundertdreißig bis zweihundertachtzig Gramm Körpergewicht ist der Vogel die kleinste Möwe in Europa. Ihr Kopf ist im Winter weiß mit kleinen dunklen Flecken beim Auge. Ab Februar färbt sich das Kopfgefieder um zum Prachtkleid, das sie von Anfang März bis Juli trägt. Rumpf und Schwanz sind dann rein weiß, Kopf, Kinn und Kehle färben sich schokoladenbraun. Der Hinterkopf, der Hals und die Unterseite sind weiß, die Augen schmal weiß umrandet mit vorne offenen Ringen. Die Iris ist dunkelbraun, der Schwanz kurz und leicht gerundet. Schnabel und Beine sind kräftig rot und tragen vollständige Schwimmhäute. Im Flugbild erscheinen die Spitzen der Handschwingen schwarz, die Flügelvorderkante stets weiß.

Die Lachmöwen sind nur zum Teil Standvögel, weit überwiegend, je nach Winter, Teilstreckenzieher oder Zugvögel. Im Winter werden günstige Nahrungshabitate aller Art aufgesucht wie kurzrasige Wiesen, Ackerflächen, Kläranlagen und auch Gewässer in Städten, wo sie oft mit Brot gefüttert werden. Die in den Wintermonaten in Deutschland anzutreffenden Lachmöwenpopulationen sind oft Wintergäste aus nördlichen Brutgebieten. In strengen Wintern ziehen sie aus allen Teilen Europas im Herbst südwärts bis in den Mittelmeerraum. Die Lachmöwen sind in großen Scharen an den Küsten, an den Mündungen großer Flüsse aber auch an Seen und Flüssen des Binnenlandes anzutreffen. Sie waren früher ausschließlich Küstenvögel, bilden aber seit Mitte des letzten Jahrhunderts auch große Binnenlandkolonien. Häufig kann man sie auch auf Wiesen und Äckern in weitem Umkreis von Gewässern bei der Nahrungssuche beobachten. Ihre Nahrung besteht aus Fischen, Weichtieren, Insekten, Würmern, Fröschen und sogar Mäusen. Nur ausnahmsweise werden pflanzliche Stoffe wie Getreidekörner und andere Pflanzensamen aufgenommen. Die Vögel streichen im niedrigen Suchflug über das Wasser und dem Boden um Nahrung zu erspähen. Sie scheuchen ihre Beute auch durch Stampfen auf schlammigen Böden auf. Auch jagen sie ihren Artgenossen und anderen Vögeln im Flug ihre Nahrungsbrocken ab. Die Suchjäger und Abfallfresser folgen auch ackernden Traktoren um sich an freigelegten Regenwürmern zu bedienen.

Zur Brutzeit besiedeln die Lachmöwen auch Verlandungszonen größerer Gewässer im Binnenland wie in den sumpfigen, beschilften und mit Seggengräsern bewachsenen Gewässerabschnitten im Mündungsbereich zwischen Inn und Salzach. Die Lachmöwen sind vor allem am Brutplatz sehr gesellig, werden aber nur mit Gesichtsmaske für den Zugang zu den Brutkolonien geduldet. Die in Kolonien geäußerten Balzrufe klingen wie ein krächzendes rä-grä-grä-krääh. Aber auch kreischende Rufe oder ein heiseres kwärrrkrrrja-gegege-kaka sind zu hören. Die Lachmöwen brüten in großen Kolonien und kehren jedes Jahr ins gleiche Brutgebiet zurück, wo sie ihre Nester auf den verschiedensten Unterlagen bauen. In Sümpfen auf leicht erhöhten Gras- und Seggenbulten, im Wasser auf schwimmendem Schilf und Röhricht mit einem Nestabstand von mindestens siebzig bis hundert Zentimetern. Auch zusammengetriebene Äste und Reisig, Baumstümpfe, Bretterflöße und auch Hausdächer werden während der Brutzeit zwischen April und Juni zum Nestbau auserkoren. Die bis zu fünfzig Zentimeter breite Neststruktur besteht aus grobem Pflanzenmaterial aus der Umgebung und wird überwiegend vom Männchen gebaut. Die Eiablage der in monogamer Saisonehe lebenden Möwen erfolgt Mitte bis Ende April, wobei das Weibchen 2 bis 4 sehr variabel dunkel gefärbte und gestrichelte, meist olivbraune, etwa fünfzig Millimeter große Eier legt. Das Gelege wird von beiden Elternteilen ausgebrütet, wobei die Brutdauer etwa zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Tage beträgt. Die dunengefiederten Jungvögel  sind Platzhocker und werden von beiden Eltern gefüttert, die auf Bettelrufe das Futter auf den Boden würgen. Die Brocken werden dann mit dem Schnabel den Jungvögeln vorgehalten, welche sie bis zum 7. Lebenstag hudern. Ältere Jungvögel ziehen das Futter den Eltern aus dem Schlund. Nach 5 bis 6 Wochen sind die Jungen flugfähig und mit 35 Tagen selbstständig. Gegen angreifende Feinde der Brut gehen alle Möwen der Kolonie in gemeinsamem Scheinangriff vor.

In den Sommermonaten lassen sich in der Salzach im Bereich der Alzkanalmündung große Möwenschwärme schwimmend flussabwärts treiben um sich dann einige hundert Meter weiter unten kreischend in die Luft zu erheben um dann wieder mit großem Geschrei flussaufwärts zu fliegen um sich erneut abdriften lassen. Die Jungen erreichen meist erst im 3. Lebensjahr die Geschlechtsreife, brüten aber vielfach erst im 4. Jahr. Bis dahin ist das Gefieder weniger intensiv gefärbt, die Kopffedern sind bräunlich, die Stirn weiß, Unterseite und Schwingen leicht bräunlich getönt. Auffallend ist die schwarze Endbinde am Schwanz.

Die Lachmöwen werden mehr als zweiunddreißig Jahre alt. Die Art ist in der „Roten Liste Deutschland“ derzeit nicht gefährdet.

Günter Geiß