Reiherente

Reiherente - Weibchen und Männchen
Foto: Wolfgang Oertel
Reiherente
Foto: Wolfgang Oertel

Die Reiherente, eine kleine gedrungene Tauchente

Die Balz der Reiherente beginnt bereits im Hochwinter, wobei die Männchen mit ihren Tauch- und Schwimmeinlagen den Weibchen imponieren möchten.

Linne ordnete 1758 die Reiherente mit dem lateinischen Namen Aythya fuligula in die Wissenschaftliche Nomenklatur ein. Die Brutgebiete der Reiherenten befinden sich im westlichen und nördlichen Europa, wobei eine stete Zunahme des Bestandes in West- und Mitteleuropa beobachtet werden kann. Die Vögel im nördlichen Verbreitungsgebiet ziehen ab September in ihre Winterquartiere in Mittel- und Südeuropa. In unserer Region ist die Reiherente ein Ganzjahresvogel, zieht aber bei zugefrorenen Gewässern in südwestliche Gebiete.

Die Weibchen sind mit etwa 43 cm und 850 g etwas kleiner als die etwa 47 cm großen und 1000 g schweren Männchen. Zur Balz und Brutzeit zeigt das Männchen vom Hinterkopf herabhängende Schopffedern. Das Gefieder ist tiefschwarz mit weißen Flecken und weißem Bauch, Kopf mit violettem Schimmer. Im Flugbild zeigt es ein auffallendes weißes Flügelband, das über die ganze Flügellänge zieht. Der Schnabel ist silber bis hell blaugrau mit schwarzer Spitze und die Augen sind gelb. Das Gefieder des Weibchens ist einfarbig dunkelbraun, die Flanken heller und weisen helle Flecken auf. Der Schopf ist nur kurz und die Augen sind orangegelb. Im Flug zeigen auch sie ein auffallendes weißes Flügelband, das sich über die ganze Flügellänge erstreckt. Das Männchen sieht im Sommer dem Weibchen zum Verwechseln ähnlich, am Kopf hat es dann keinen Schopf und der Körper ist dunkelbraun. Bei beiden Geschlechtern erscheinen die grau gefärbten Beine kurz und kräftig und ihre Flügelspannweite beträgt etwa 73 cm. Die Reiherenten weisen eine lange Hinterzehe auf, wobei die Mittel- und die Außenzehe gleich lang geformt sind.

Die Reiherenten sind außer der Brutzeit sehr gesellig und leben an Seen, langsam fließenden Gewässern, verlandeten Altwässern, Sümpfen und anderen Gewässern mit Schilf und Riedgräsern bewachsenen Ufern. Sie gesellen sich auch zu anderen Entenarten und Möwen. Die Enten tauchen dank ihrer Schwimmflossen 5 bis 6 m tief und können 20 bis 30 Sekunden lang unter Wasser bleiben. Reiherenten sind sowohl tagsüber auch als nachts aktiv und auch der Zug erfolgt in der Nacht. Sie tauchen oft synchron in der Gruppe. Auch ziehen sie es vor, bei Gefahr abzutauchen. Sind sie jedoch gezwungen aufzufliegen, müssen sie auf der Wasseroberfläche mit kraftvollen Flügelschlägen Anlauf nehmen, um sich in die Luft zu erheben. Haben sie das geschafft, sind sie trotz ihrer kurzen Flügel gewandte und schnelle Fliegerinnen. Beim Landen bremsen sie mit nach vorn ausgestreckten Schwimmflossen auf der Wasseroberfläche, wobei sie gleichzeitig mit den Flügeln rückwärts schlagen.

Die Nahrungssuche spielt sich teilweise auch nachts ab. Ihre Nahrung, die sie fast ausschließlich vom Gewässergrund heraufholt, besteht überwiegend aus tierischer Kost wie Schnecken, Muscheln, Insektenlarven, sowie aus kleinen Fischen, Würmern, Kaulquappen und Fröschen. Der vegetarische Anteil ist niedrig und besteht vorwiegend aus Samen von Wasserpflanzen.

Die Balz der Reiherenten beginnt bereits im Hochwinter, wobei mehrere Männchen hinter einem Weibchen her sind und jedes mit seinen Schwimm- und Taucheinlagen der Beste sein will. Reiherenten verpaaren sich auch schon in den Winterquartieren und während der Balz ertönt ihr Ruf „rschihihihi“. Im Flug lassen die Weibchen ein knarrendes „karrr“ ertönen. Die Erpel finden sich vor den Weibchen im März und April an den Brutplätzen ein. Nach Ankunft der Weibchen zeigen sie ein auffälliges Verhalten wie Kopfschütteln, Schwimmen mit aufrechter Haltung und steifem Hals und Zurückwerfen des Kopfes. Das Männchen schwimmt mit geducktem Kopf und mit gespreiztem Schopf und führt auch Tauchspiele vor. Nach der Paarung errichtet das Weibchen allein ein gut verstecktes Nest am Boden in der hohen Ufervegetation zwischen Schilf und Seggengräsern oder auf kleinen Inseln. Das einfach strukturierte Nest wird mit grünen Pflanzenteilen gebaut und mit frischem Gras und anderen Grünpflanzen und wenig Daunen ausgepolstert. Das Nest kann an hochwassergefährdeten Gewässern bis zu einem halben Meter hoch sein. Reiherenten brüten in lockeren Kolonien und führen eine monogame Ehe, jedoch nur eine Saison. Nach der Paarung bleibt das Männchen bei dem Weibchen bis es ihre Eier gelegt hat .Das Weibchen legt 5 bis 12, manchmal bis 16 graugrüne Eier in die Nestmulde und bebrütet sie 23 bis 25 Tage. An der Bebrütung und an der Aufzucht der Jungen nimmt das Männchen nicht teil und verlässt das Weibchen. Die geschlüpften braunschwarzen Küken sind Nestflüchter, können sich schon ab dem 2. Tag selbstständig ernähren und auch das Tauchen ist ihnen angeboren. Die Jungen werden von der Mutter noch etwa 6 bis 7 Wochen geführt und werden nach 9 Wochen flügge. Bei besonders hoher Siedlungsdichte kommt es nicht selten vor, dass manche Weibchen ihre Eier in fremde Entennester legen. Meist gibt es nur eine Jahresbrut. Wird das erste Gelege zerstört, kommt es zu einem Nachgelege und man kann im August dann immer noch junge Reiherenten sehen. Brüten Reiherenten dicht an dicht in Kolonien, können die Jungen den Kontakt zu ihrer Mutter schon mal verlieren. Sie schließen sich dann vorübergehend einer anderen Entenmutter an. Findet sich die eigene Mutter nicht wieder, werden fremde Küken adoptiert.

Reiherenten finden sich besonders im Herbst und zur Winterzeit im Oberen Wöhrsee, in der Marktler Badelacke und an den großen Wasserflächen der Wasserlandschaften an der Salzachmündung ein. Die Geschlechtsreife der Reiherenten tritt nach gut einem Jahr ein. Die erste Brut erfolgt aber erst Ende des 2. Lebensjahres. Die Lebenserwartung beträgt unter günstigen Bedingungen 15 Jahre. Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Günter Geiß