Silberreiher

Silberreiher
Foto: Wolfgang Oertel

Silberreiher, ein Hingucker im weißen Gewand

Der Schreitvogel bevölkert immer zahlreicher die Gestade der Schilfwände an der Inn-Salzach-Mündung

Casmerodius albus, unter diesem lateinischen Namen ordnete Linne 1758 den Europäischen Silberreiher in die Nomenklatur der Vögel ein. Als Kosmopolit bewohnt der Silberreiher die alte und die neue Welt, ist aber in Mitteleuropa nur lokal verbreitet. Das bekannteste Brutvorkommen ist der Neusiedler See, von wo die Vögel auch bayrische Seen besuchen und Rast- und Schlafplätze bilden, aber nicht brüten. In Bayern war Casmerodius früher ein seltener Gast, ist heute häufig und immer öfter im Sommer, aber auch in milden Wintern an der Inn-Salzach-Mündung zu beobachten. Sieht man vom Innspitzdorn über das große Stillgewässer in Richtung Hochwasserdamm, so kann man fast ganzjährig Silberreiher am Ufer direkt an den Gestaden der Schilfwände entdecken.

Der Silberreiher wird 85 cm bis 100 cm groß, hat einen sehr langen und dünnen Hals und eine Flügelspannweite von 150 cm bis 180 cm. Der 1200 g bis 1600 g schwere Schreitvogel wird etwa 20 Jahre alt. Seine Beine und Füße  sind grünschwarz, die Iris ist gelb und der nackte „Zügel“ hinter dem Schnabel ist außerhalb der Brutzeit grüngelblich, sonst hell smaragdgrün. Während der Balzzeit trägt der Reiher auf dem schlanken, schneeweißen Rücken und über die Flügel herabhängende zerschlissene Schmuckfedern, die er bei der Zurschaustellung fächerartig oder radförmig auseinander spreizt. Der Silberreiher ist als Teilzieher in Bayern ein Gast, der hier nicht brütet. Immer öfter aber tragen die Jungvögel, wenn sie in die Balz kommen, die typischen Schmuckfedern. Als Brut- und Jahresvogel gab es erstmals 2002 an einem oberbayerischen Voralpensee Brutverdacht.

Die Silberreiher sind Koloniebrüter und bauen an Seen und größeren Altwässern einzeln oder dicht an dicht in ausgedehnten Schilfbeständen und unzugänglichem Röhricht oder auch in tiefem Gesträuch. Am Brutplatz stoßen sie krächzende Laute wie „rhä“ oder „rha“, am Nest „rhooh“ aus. Im Abstand von zwei Tagen legen die Vögel im April bis Juni 3 bis 5 hellblaue Eier, die vom ersten Tag an von beiden Partnern 25 bis 26 Tage bebrütet werden. Die geschlüpften Jungen sind Nesthocker und werden noch etwa 45 Tage mit Nahrung versorgt, bis sie flügge geworden sind. Die Brutarbeit teilen sich beide Elterntiere und nach dem Flüggewerden der Jungen bleibt die Familie noch einige Zeit zusammen bis die Zerstreuungswanderung der Jungtiere im Frühjahr beginnt. 75 % der Jungvögel überleben das erste Jahr nicht. Die anderen werden im 2. Lebensjahr geschlechtsreif und die sich findenden Paare bleiben ein Leben lang zusammen.

Die Silberreiher bevorzugen Schilfgürtel an Seen und an großen Altwässern, die mit Bäumen und Büschen bestanden sind. Außerhalb der Brutzeit leben sie auch in großflächigen Grünlandgebieten und feuchten Auen. Ihre Beute besteht aus Fischen, Amphibien, größeren Wasserinsekten, gelegentlich aus Küken von Kleinvögeln, Fröschen, Würmern und auch Eidechsen. Bei der Nahrungssuche schreiten die Silberreiher mit horizontal gehaltenem Körper langsam durchs Wasser oder stehen unbeweglich und warten auf Beutetiere, um im geeigneten Moment blitzschnell zuzustoßen.

Die Europäischen Silberreiher sind nicht kälteempfindlich, überwintern aber bei großer Kälte im Mittelmeerraum und Afrika und kehren Ende Februar bis Anfang April zu ihren Brutplätzen zurück.

Lassen wir uns überraschen, wann die ersten Brutpaare dieser schneeweißen Reiher auch bei uns am Innspitz brüten. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

Günter Geiß