Sperber Männchen
Foto: Markus Brindl
Sperber Jungvogel
Foto: Markus Brindl

Der Sperber, ein Schreckgespenst der Kleinvogelwelt

Der schnelle Überraschungsjäger ist ein Start-Flugvogelgreifer und gehört zur Familie der habichtartigen Greifvögel.

„Am bekanntesten ist der Gemeine Sperber oder Finkenhabicht (Finkenstößer), 1 Fuß bis 1 Fuß 5 Zoll groß. Der Schnabel ist kurz und in der Mitte des Oberkieferrandes mit einem Zahn versehen. Früher, wie noch jetzt in Rußland,  richtete man ihn zur Beize auf Wachteln und Rebhühner ab.“ So nachzulesen im Konversationslexikon von Herrmann Meyer 1871.

Linne nahm den Sperber 1758 mit dem lateinischen Namen Accipiter nisus in die Wissenschaftliche Nomenklatur auf. Die Sperber brüten in allen Ländern Mitteleuropas bis Ostsibirien. Es gibt sie in verschiedenen Unterarten, wobei die Europäische Nominatform Accipiter nisus nisus das ganze Jahr im Brutgebiet verbringt.

Beide Geschlechter zeigen durch den etwas eingezogenen niedlich-kleinen Kopf eine buckelige Haltung. Sie haben einen kleinen, aber kräftigen Schnabel und lange, dünne Beine. Im Flug zeigen sie kurze, abgerundete Flügel und auf ihrem langen Schwanz 4 bis 5 deutliche Querbinden. Das Federkleid weist eine eher gleichmäßige und nicht allzu kräftige Färbung auf. Das kleine, etwa 28 cm große Männchen hat eine Flügelspannweite von 64 cm. Sein Rücken ist schiefergrau gefärbt, Brust und Bauch sind mit feiner rostroter bis oranger Querbänderung gezeichnet. Auch unterscheidet es sich vom Weibchen durch rostrote Wangen und einen weißlichen Fleck im Nacken. Das Weibchen ist mit 38 cm größer als das Männchen und hat eine Flügelspannweite von 82 cm. Der Rücken ist blaugrau, manchmal auch mit weißen Flecken. Die Unterseite des Weibchens ist auf schmutzig-weißem Grund dunkel- bis graubraun quergebändert.  Ein weißer Streifen befindet sich über und hinter dem Auge. Beide Geschlechter haben gelbe Augen mit gelben Augenringen drumherum. Die Jungvögel sind unscheinbar bräunlich gefärbt und legen erst im 2. Winter ihr gesperbertes Alterskleid an. Als Vogelgreifer zeigt der Fang des Sperbers eine lange Mittelzehe. Äußerlich weist er eine besonders große Ähnlichkeit mit dem Habicht auf.

Der Sperber segelt im Frühjahr häufig und ausdauernd über dem Nadelwald, der mit offenem Gelände abwechselt. Er liebt gut strukturierte Nadel- und Mischwälder und jagt im Gebirge oft über der Baumgrenze. In der Kulturlandschaft bevorzugt er Parkanlagen und mit Lichtungen durchsetzte Wälder mit Gebüsch. Er besiedelt alle Landschaften, in denen ausreichende Kleinvögel als Nahrung zur Verfügung stehen, lebt aber eher versteckt. Der Sperber ist ein schneller und wendiger Pirschvogel unter Ausnützung der Deckung und verfolgt Kleinvögel auch innerhalb von Ortschaften. Seine Jagdmethode ist im Wesentlichen der Überraschungsangriff. Er beobachtet einen Kleinvogelschwarm aus dichter Deckung heraus und startet im geeigneten Augenblick zu einer blitzschnellen Attacke, jagt im niederen Verfolgungsflug den Flüchtenden und greift schließlich sein Opfer mit ausgestreckten Krallen. Er verfolgt die Beute auch in dichtes Gebüsch und oft gelingt es ihm, sein Opfer noch aus seinem Versteck zu ziehen. Die tollkühnen Jagdflüge der Sperber enden nicht selten in Drähten oder an Fensterscheiben.

Der Sperber ist ein Start-Fluggreifer. Wenn er aufbäumt, wählt er meist niedrige Ansitzplätze im Geäst. In Waldgebieten jagt er die dort häufig vorkommenden Vogelarten wie Kohlmeise und Buchfinken. Er greift die Kleinvögel aus dem Hinterhalt, aber auch im offenen Feld an und schlägt sie in raschen Verfolgungsjagden. Er folgt jeder Windung des Opfers und ergreift es mit weit ausgestreckten Fängen. Der tolldreiste Jäger verfolgt seine Beute oft bis in Wohnräume und Verstecke. Seine Hauptbeute in Ortschaften sind hauptsächlich Spatzen, aber auch andere kleine Singvögel. Der Angler, der in der Alz bei Emmerting seinen fängigen Wobbler mit verführerischem Hüftschwung tanzen lässt, um Forellen zum Anbiss zu verleiten, wird nicht selten von einem urplötzlich aus dem Auwaldgebüsch herausschießenden Sperber überrascht, der sich mit einer Bachstelze eine Verfolgungsjagd liefert. Der Sperber frisst ausnahmsweise auch Reptilien, große Insekten, selten Mäuse und greift unerschrocken auch Krähen und Tauben an und plündert manchmal Gelege. Im Winter lauert der Fluggreifer oft im Gebüsch in der Nähe von Vogelhäuschen.

Sperber
Foto: Paul Bogner

Sperber bauen ihr Nest auf Bäumen, in Felsspalten, auf Bodenerhöhungen und nicht selten auf einem erhöhten Baumstumpf. Auch verlassene Elstern- und Krähennestern werden überbaut. Zur Balzzeit kreist das Sperbermännchen über dem Wald und steigt immer höher, worauf sich das Männchen wie ein Stein fallen lässt, um dann im Wellenflug über die Kronen hinweg zu gleiten. Während der Balz beginnt das Männchen mit einem „gju, gju, gju“ dem Weibchen Futter zuzutragen. Es setzt dieses Balzfüttern auch während des Brütens und der ersten Nestlingszeit fort. Das relativ flache Nest, das die Männchen und Weibchen gemeinsam errichten, besteht aus selbst abgebrochenen Zweigen von Fichten und Kiefern, seltener von Laubbäumen. Die Vögel bauen ihren Horst jedes Jahr neu in einer Astabzweigung nahe am Stamm, wobei Fichtenstangengehölze am Rande des Waldes mit guter An- und Abflugmöglichkeit bevorzugt werden. Auch lieben sie die Nähe von Siedlungen mit strukturreichen Gärten. Während der Brutzeit von März bis Juni ertönt am Horst oft die Sperberstimme: „kwä, kwä, kwä“. Das Weibchen legt 4 bis 6 Eier, die es allein bebrütet, denn der kleine Körper des Männchens ist nicht in der Lage, das Gelege zu bedecken. Nach einer Brutdauer von 32 bis 36 Tagen schlüpfen die Jungen. Das Männchen sorgt in dieser Zeit für Nahrung. In der Nähe findet man den Hauptrupfplatz, wo dem Weibchen die Beute übergeben wird. Das Männchen fliegt mit der Beute nahe am Nest vorbei und lockt das Weibchen mit weichen Rufen, welches dem Partner zum Rupfplatz folgt und dort das Beutetier übernimmt. Aber nur von der Mutter werden die Nestlinge mit winzigen Fleischstückchen gefüttert. Während der folgenden 3 Wochen dauernden Nestlingszeit hört man die Bettelrufe der Jungen in der Nähe des Horstes. Sie verlassen im Herbst das Brutrevier ihrer Eltern, die meist nur eine Brutsaison zusammen bleiben.

Sperber sind Standvögel und Kurzstreckenzieher. Die Sperber im Norden ihres Verbreitungsgebietes überwintern in Deutschland oder ziehen im Herbst in südwestliche Zugrichtung nach Frankreich und Spanien. In unserer Region bleibt das alte Vogelpaar ganzjährig in seinem Revier. Der Erhaltungszustand der Sperber gilt in der Roten Liste der BRD als ungefährdet und sie unterliegen nach dem Bundesjagdgesetz dem Jagdrecht.

Günter Geiß