Zaunkönig

Zaunkönig
Foto Paul Bogner

Der Zaunkönig, ein Vogel, der auch im Winter singt.

Der König des Unterholzes zählt zu den kleinsten Vertretern unserer Vogelwelt und zur Familie der Baumläufer.

„Der Gemeine Zaunkönig Troglodytes parvulus ist nächst dem Goldhähnchen der kleinste europäische Vogel. Er schlüpft gewandt durch die dichtesten Büsche und lebt von kleinen Insekten und im Herbste von Beeren. Sein Gesang hat einige Ähnlichkeit mit dem des Kanarienvogels und erschallt selbst im Winter, wenn die Sonne scheint.“ So nachzulesen in Meyer`s Konversationslexikon von 1871. Linne ordnete den Zaunkönig 1758 unter dem lateinischen Namen Troglodytes troglodytes in die Wissenschaftliche Nomenklatur ein. Der Name troglodytes kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie Höhlenbewohner.

Zaunkönige kommen in verschiedenen Arten nahezu in allen Teilen der Welt vor. Der heimische Zaunkönig ist die einzige Art in Europa und lebt in Mitteleuropa ganzjährig. Da er auch im Winter singt, ist er im Volksmund auch als Schneekönig bekannt. Der winzige, rundliche braune Vogel wiegt etwa 9 g und ist 9 bis 10 cm lang, wobei 3,5 cm auf den Schwanz entfallen. Das Schwänzchen wird fast immer senkrecht getragen. Sein etwa 1 cm langer, vorn stark zusammengedrückter, schwach gekrümmter Schnabel kennzeichnet ihn als Insektenfresser. Das Gefieder des Winzlings ist auf der Oberseite vom Oberrücken an auf rostbraunem Grund von schwärzlichen Querbinden durchzogen und auf der Unterseite auf blass-rostbraunem Grund mit dunkleren Wellenlinien gezeichnet. Flügel und Schwanz sind schwach gebändert, Kehle, Wangen und Brust erscheinen heller. Über dem Auge verläuft ein undeutlicher heller Streifen und durch das Auge zieht sich ein brauner Zügelstreif. Seine Flügel sind kurz und der winzige Schwanz des kleinen Vogels steht fast immer im rechten Winkel zum übrigen Körper. Seine kurzen und nicht sehr kräftigen Beine enden in unverhältnismäßig langen Krallen. Das rotbraune, dunkel gebänderte Federkleid des Zaunkönigs unterscheidet sich beim Männchen und Weibchen kaum.

Bevorzugte Lebensräume des Zaunkönigs sind Auwälder, Dickichte, das Unterholz von Wäldern aller Art und Brombeerhecken. Aber auch in Gärten und in Parkanlagen fühlt er sich wohl, meidet aber offenes Gelände. Der Zaunkönig hält sich besonders gern unter freigespültem Wurzelwerk und deckungsreichen Schling- und Kletterpflanzen an Wasserläufen und Ufern der Stillgewässern auf. Der kleine Vogel schlüpft gewandt durch die Zweige und läuft flink am Boden dahin, so dass man ihn eher für eine Maus halten könnte. Der Zaunkönig ist lebhaft und emsig und ruht sich kaum an einer Stelle aus. Mal sieht man ihn in gebückter Körperhaltung mit hoch aufgerichtetem Schwanz, dann aber auch wieder aufrecht da sitzend. Kurz darauf hüpft er am Boden keck umher oder huscht von Deckung zu Deckung. Sein Flug ist schwirrend und geradlinig dicht über dem Boden. Der äußerst lebhafte Vogel schlüpft ständig im Unterholz oder im Wurzelwerk von umgestürzten Bäumen herum, fliegt im nächsten Augenblick auf einen kahlen Zweig, um von erhöhter Warte aus mit vibrierendem Körper sein unüberhörbares Lied zu trällern, das nahezu das ganze Jahr über zu hören ist. Er ist bei uns der einzige Vogel, der auch im Winter singt. Man hört ihn im Unterholz mit Lauten wie „tick-tick“, „tettetett“ oder schnurrend „zerrrr“. Sein Gesang aber ist laut schmetternd und kristallklar und im Verhältnis zu seiner Größe sehr laut. Der Zaunkönig lässt sich auch gern, auf dem Gartenzaun sitzend, zu einer Gesangsstrophe hinreißen, die etwa 5 Sekunden dauert und aus einer Kaskade hoher Töne und schneller Triller besteht. Als Wintersänger lässt er seine überraschend lauten, klirrenden Strophen auch bei Frost und Schnee erschallen. Mit einer ihm nicht zuzutrauenden Lautstärke trillert er seine ganze Freude hinaus. Deshalb auch das Sprichwort: „Der freut sich wie ein Schneekönig!“ Alarm schlägt er mit einem harten „teck“. Zur Brutzeit beginnt sein Gesang um kurz nach 4 Uhr früh und endet erst am späten Abend.

Am Marktler Badesee auf der Bahndammseite überrascht der Winzling so manchen Spaziergänger, wenn er mit schnurrendem, niedrigen Flug knapp über dem Boden davonschwirrt und in unmittelbarer Bodennähe fast mausartig von einem Versteck zum nächsten hetzt.

Die Nahrung des Zaunkönigs besteht größtenteils aus Insekten, Spinnen und Beeren als Beikost. Auf seinem Speiseplan stehen auch Würmer, kleine Wassertiere, Weberknechte und Motten, die er sich oft aus dem Wurzelteller umgestürzter Bäume und aus Reisig piekt.  Für die Aufzucht seiner Brut muss er ungefähr 9 000 Insekten heranschaffen. Im Winter nimmt er auch Sämereien zu sich.

Zaunkönig
Foto: Wolfgang Oertel

In der Auswahl des Nistplatzes ist der Zaunkönig nicht sehr anspruchsvoll. Im Frühjahr baut das Männchen in Büschen, in Höhlungen überhängender Uferböschungen, in freigespültem Wurzelwerk, in Erdabbrüchen oder Reisighaufen eine Reihe von kugelförmigen Nestern. Sie liegen meist niedrig und selten mehr als 3 m über dem Boden. Das Männchen verteidigt sein Revier und es kann auch zum Kampf mit Artgenossen kommen. Die Nester bestehen aus Moos, Gras, Farn, Reisig und Blättern und haben einen seitlichen Einschlupf. Die Männchen versuchen mit ihrem auffälligen Gesang und Balzgebaren zum Beginn der Brutzeit ein Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Hat sich ein Paar gefunden, sucht sich das Weibchen das schönste Nest aus und polstert dieses weich mit Moos, Haaren und Federn. Die übrigen Nester dienen nachts als Schlafplatz. Nach der Paarung legt das Weibchen 5 bis 8 etwa 1,4 g schwere weiß-rot punktierte Eier, die es dann 14 bis 16 Tage lang bebrütet. Die Brutzeit der Vögel reicht von April bis Juli und in warmen Sommern finden auch 2 Bruten statt. Für das Brüten und die Aufzucht der Jungen kümmert sich nur das Weibchen, das die Nestlinge noch 15 bis 18 Tage lang füttert. Währenddessen bemüht sich das Männchen um die Gunst eines weiteren Weibchens und es kann vorkommen, dass das Männchen während des Sommers gleichzeitig mehrere Weibchen hat. Nach der Nestlingszeit verlassen die Jungen gemeinsam das Nest, bleiben aber noch einige Zeit im Familienverband. Nachts und wenn es sehr kalt ist, wird von den Jungen gemeinschaftlich ein Nest aufgesucht, wo sie sich eng aneinander kuscheln. Da der kleine Vogel im Winter viel Wärme verliert, verbringen oft mehrere Zaunkönige, eng aneinander geschmiegt die Winternächte in einem gemeinsamen Nest.

Zaunkönige werden etwa 6 bis 7 Jahre alt. Das Vorkommen des Zaunkönigs gilt in Bayern als stabil. Die Vögel sind in ihrem Bestand nicht gefährdet.

Günter Geiß