Der Große Wollschweber, Innaue am 24.03.2013 (Foto: Sage)

Der Große Wollschweber (Bombylius major)

Beinahe jedes Jahr bekomme ich anfragen, um welches Insekt es sich handelt, das im Frühjahr, wie kleine Hummeln, im Schwebeflug gerne an Waldrändern dicht über den Boden patrouilliert und wozu dieses so einen langen Rüssel oder Stachel hat? Die Antwort darauf ist stets: Wollschweber, dass es sich dabei um keinen Stachel sondern einen Rüssel zur Nahrungsaufnahme handelt und dass das Tierchen für uns Menschen völlig harmlos ist. Es gibt einige verschiedene Arten bei uns von denen der Große Wollschweber der häufigste ist. Er ist dicht braun bis beige bepelzt, sein nach vorne gerichteter Saugrüssel misst 5,5 – 7,7 mm und die Fühler sind dunkel, kurz und ebenfalls nach vorne gerichtet. Die Flügel sind vorne dunkel und hinten durchsichtig. Auffällig sind auch die langen rotbraunen Beine. Die Gesamtverbreitung des Großen Wollschwebers erstreckt sich von Nordafrika über Europa, Asien und Nordamerika. In Deutschland ist das Vorkommen auf klimatisch günstige Orte beschränkt. Bei uns ist der Große Wollschweber noch relativ häufig, wegen seines schnellen Fluges aber nicht leicht zu beobachten. Er ist ein Brutparasit vieler im Boden nistender Solitärbienen, vor allem von Erd- bzw. Sandbienen (Andrena), gelegentlich aber auch an im Boden lebenden Eulenfalterraupen oder an Gelegen von Heuschrecken. Trotz seiner plumpen, pelzigen Gestalt ist dieser Zweiflügler äußerst schnell und wendig mit der Fähigkeit, auf der Stelle zu schwirren. Wollschweber ernähren sich von Nektar und Blütenpollen, den sie ähnlich wie Kolibris schwebend aufnehmen. Die recht standorttreuen Männchen liefern sich Luftkämpfe, wenn eines in das Revier eines anderen eindringt. Nach der Paarung legt das Weibchen die blassgelben, reiskornförmigen und etwa 0,5 Millimeter großen Eier vor die Zugänge der Wirtsnester oder wirft diese zielgenau im Flug ab. Zuvor benetzt es die klebrigen Eier zum Schutz und wohl auch zu besseren Handhabung mit Sand. Die geschlüpfte und sehr bewegliche Larve kriecht in den Bau des Wirtes, dort in eine Zelle und ernährt sich zunächst vom Bienenbrot (Futterbrei: Pollen-Nektar-Mischung). Nach der Häutung liegt eine madenförmige Larve vor. Diese hat ein plumperes madenartiges Erscheinungsbild und heftet sich an die Bienenlarve an. Als Parasitoid saugt sie die Bienenlarve von außen aus. Überwinterungsstadium ist die Puppe. Diese bohrt sich im folgenden Frühjahr aus dem Nest an die Erdoberfläche. Dort schlüpft die fertige Fliege, bei uns meist im April.

Text und Foto: W. Sage