1. Allgemeines zu PFOA

1.1 PFOA
PFOA ein perfluoriertes Tensid, die Perfluoroktansäure, wegen der acht Kohlenstoffatome auch C8 genannt. PFOA war bis etwa zum Jahr 2000 eine eher wenig problematisch eingeschätzte Chemikalie, die z.B. für die Herstellung von Fluor-Kunststoffen eingesetzt wurde.

1.2 Eine kurze Geschichte von PFOA:
In einer "Kurzen Geschichte von PFOA" haben wir (erste Daten von Dr. Holger Lundt) einige vergangene und wenige künftige Daten zusammengestellt.

1.3 Neue Stellungnahme (2015) durch den BUND "Praktisch, langlebig und giftig -Organische Fluorverbindungen in Alltagsprodukten, in der Umwelt, im menschlichen Körper: Bewertung und Konsequenzen für Politik und VerbraucherInnen"

1.4 PFOA-Probleme in den Niederlanden:
In Dordrecht (20 km von Rotterdam) stellt DuPont Teflon her, ähnlich wie vormals Hoechst und Dyneon in Gendorf. Auch dort wurde PFOA in diesem Produktionsprozess verwendet, wurde PFOA über den Luft- und Wasserpfad in die Umgebung emittiert. Auch dort gibt es PFOA-Konzentrationen im Blut von Anwohnern, wie eine Arte-Doku auf Youtube zeigt, teils mit hohen Konzentrationen (159 und 89 ug/l PFOA im Blut); die Firma, die Teflon herstellt, heißt heute nicht mehr DuPont sondern Chemours. Wir werden diese Informationen nicht weiter verfolgen, außer wir haben den Eindruck, dass uns dies hier helfen kann.

1.5 PFOA als während seiner Gebrauchszeit unregulierte, aber toxische, persistente Chemikalie:
Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass PFOA nie reguliert war, dass seine Emissionen in die Luft, in das Wasser nie verboten oder mengenmäßig begrenzt waren, wie bei anderen Giften. Das ist sicher richtig! Es ergeben sich hieraus zwei Fragen:
1. Wie können wir sicher sein, dass es bei uns nicht noch viele „PFOA“s gibt, deren Schädlichkeit wir nicht kennen?
Dies soll die europäische Chemikaliengesetzgebung (REACH) verhindern, die seit dem 1. Juni 2007 in Kraft gesetzt wurde. REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, also für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Mit diesem Gesetz müssen alle Chemikalien, die in Europa hergestellt oder verwendet werden, schon ab 1 t/Jahr, registriert, evaluiert, zugelassen, und wenn die Zulassung nicht möglich ist, beschränkt werden. Bei der Evaluierung werden schädliche Wirkungen auf die menschliche Gesundheit, Umwelt und die PBT- und vPvB-Eigenschaften (persistent, bioakkumulierend, toxisch und very (sehr) persistent, sehr bioakkumulierend) ermittelt.
2. Warum tragen die Hersteller, Verwender von PFOA dennoch eine Verantwortung für durch PFOA hervorgerufene Schädigungen?
Wie die „kurze Geschichte von PFOA“ zeigt, siehe oben, wussten die Hersteller schon lange über die Gefährlichkeit von PFOA (unveröffentlichte Tierversuche); damit ist den Herstellern aber auch klar gewesen, dass PFOA Menschen und Umwelt schädigen kann.

Leserbrief des BN-Vorsitzenden Gerhard Merches vom 24. 10. 2016

Forderungen und Aktivitäten des Bund für Naturschutz

* Als lokales Problem, das Trinkwasser, Alz und Fische belastet, verfolgen wir die verschiedenen Programme (Umweltmonitoring, Ursachenforschung, Emissionsreduzierung, Ersatzstoffsuche) aufmerksam und im Gespräch mit den Verantwortlichen. Über die Reduzierung der Emissionen, Erkenntnisse aus den Untersuchungen und über den Ausstieg aus der PFOA-Nutzung haben wir berichtet. Am 24. 1. 2007 fand ein erstes Gespräch bei Dyneon statt, ebenfalls 2008 und 2009. Die lokale Quelle für PFOA (Fa. Dyneon) wurde Ende 2008 geschlossen.

* Eine ernsthafte Bewertung der Risiken durch PFOA ist nötig und längst überfällig. Hier hat sich nach unserem Wissen in der Zwischenzeit nichts getan.

* Als globales Problem (in China und ev. in weiteren Ländern) fordern wir internationale Organisationen (Industrie, Greenpeace, Politik, ...) auf, dort aufklärend aktiv zu werden.

* Forderungen der Kreisgruppe Altötting des BUND-Naturschutz (November 2017).


Trinkwasser aus dem Wasserhahn

2. PFOA im Grund- und Trinkwasser

2.1 Trinkwasseruntersuchungen
Trinkwasseruntersuchungen durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (BLGL), allgemein und speziell für den LK-AÖ. Neuere Messwerte (bis August 2016) aus dem LK AÖ hier. In der letzten Studie wird auch ein Link auf Messungen bis Ende 2017 angegeben.

2.2 Erkenntnisse aus Modellrechnungen (Stand September 2016)
Im Oktober 2016 wurden Ergebnisse eines Flussmodells für PFOA im Zeitraum von 50 Jahren (2015 - 2065) berechnet und bekannt gegeben; dieses Modell war von etwa 2010 entwickelt worden. Danach werden die Belastungen einiger Trinkwasserbrunnen bis etwa 2030 aufs Doppelte von heute ansteigen und erst ab 2050 wieder abfallen. Gleichzeitig wurde der Leitwert für PFOA im Trinkwasser von 0,3 ug/l auf 0,1 ug/l erniedrigt. Wir halten den berechneten Zeitraum für zu kurz, die Rechnungen sollten soweit ausgedehnt werden, bis an allen derzeit verwendeten Brunnen die Konzentrationen wieder auf mindestens die Hälfte des Leitwertes (heute 0,1 ug/l) abgefallen sind.
Damit wird künftig als einzige Lösung für PFOA-freies Trinkwasser die schon an einigen Brunnen eingesetzte Reinigung mit Aktivkohle bleiben, wie sie etwa entlang der Möhne und Ruhr (siehe oben unter Punkt 5.5) und im LK AÖ bei besonders belasteten Brunnen (Alzgern, seit 2009) verwendet werden. Ein Ausweichen auf Wasser aus Tiefbrunnen ist nicht verantwortbar, weil damit die Gefahr einer Kontamination des (tertiären) Tiefenwasser durch mit Nitrat etc. verschmutztes (quartäres) Grundwasser ansteigt. Die Fa. Infraserv hat aufgrund der obigen Erkenntnisse die Verantwortung für die PFOA-Verschmutzungen übernommen.

Stellungnahme des BN zum Umgang mit der PFOA-Verschmutzung an manchen Brunnen


Blutbeutel

3. PFOA: Blutuntersuchungen und Gesundheit

Es ist klar, dass Blutuntersuchungen das einfachste und auch ein verlässliches Mittel sind, die PFOA-Belastung von Menschen zu quantifizieren. Hauptbelastungspfad für den "Normalbürger" ist das Trinkwasser über Trinken und Kochen (Suppe, ...). Die um ein bis zwei Grüßenordnungen höheren Blutbelastungen von PFOA belasteten Arbeitern sind nur durch weitere Belastungspfade erklärbar.

3.1 Blutuntersuchung auf PFOA, ADONA und weitere PFCs an Emmertinger DRK-Blutproben
Blutwerte ("ADONA Sachstandsbericht") von 2009 und 2015 (auch vom Ersatzprodukt ADONA) von Emmertinger Bürgern aus Beständen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), ein allgemeinerer  LfU-Artikel mit vielen Links; für Emmerting ergab dieser "ADONA Sachstandsbericht" etwa 20-fach erhöhte PFOA-Konzentrationen im Vergleich zu unbelasteten Münchner Daten.

3.2 Blutuntersuchung auf PFOA, ADONA und weitere PFCs im LK AÖ:
Durch die doch große Empörung in weiten Kreisen der Bevölkerung wird entgegen ersten Widerständen des Landrates und der Ressortleiter im Landratsamt von "Umwelt" und "Gesundheit" eine kostenlose Blutuntersuchungauf PFOA, Ersatzprodukt ADONA und 6 weitere perfluorierte Substanzen in den Gemeinden durchgeführt; untersucht werden Bürger aus Gemeinden, die mit PFOA-verunreinigtem Trinkwasser versorgt wurden; das sind im LK-AÖ ca. 40 000 Personen (von 110 000 Einwohnern). Zuerst sollten nur 600 freiwillige Personen untersucht werden, zum 22. 1. 2018 hatten sich 931 Personen gemeldet, die nun alle durch das LGL untersucht werden; am 27. 3. war die Blutabnahme abgeschlossen; 973 Bürger haben Blut abgegeben, 297 aus Kastl + Tüssling, 124 aus Burgkirchen (ohne Hirten), 230 aus Emmerting, 108 aus Neuötting und Winhöring, 93 aus Altötting, 121 für den Zweckverband Inn-Salzach.

3.3 Epidemiologische Untersuchungen der mit PFOA-belasteten Gemeinden im LK AÖ:
Es gibt inzwischen auch eine erste epidemiologische Untersuchung zu Erkrankungen von Bürgern, die mit PFOA belastetem Trinkwasser versorgt wurden. In ihr wird keine Erhöhung von Nieren- und Hodenkrebs gefunden, beide Krebsarten sind mit PFOA deutlich "assoziiert". Im ADONA-Sachstandsbericht wird allerdings auch auf andere Endpunkte bei niedrigen PFOA-Konzentrationen hingewiesen: "Im Rahmen einer Neubewertung von PFOS und PFOA durch die Kommission Humanbiomonitoring wurde für PFOS und PFOA ein aktueller HBM-I-Wert abgeleitet. Die Neubewertungen sind insbesondere deshalb notwendig, da epidemiologische Studien reproduzierbare Effekte auf die Schilddrüse, das Immunsystem und die Reproduktion in sehr niedrigen Dosisbereichen ergeben haben." Diese und andere bekannte Endpunkte müssen ebenfalls überprüft werden!
(Wir haben etwa am 25. 1. 2018 eine entsprechende Anfrage gestellt; nach einer weiteren Anfrage am 5. 4. bekamen wir am 9. 4. folgende Antwort:
"Das LGL hat keine eigenen epidemiologischen Studien durchgeführt. Es handelt sich bei der angesprochenen Stellungnahme aus unserem Haus um eine Auswertung von Daten des bayerischen Krebsregisters durch das Zentrum für Krebsfrüherkennung und Krebsregistrierung am LGL. Für andere Erkrankungen bzw. Veränderung von Laborparametern liegen dem LGL keine Daten vor. Die Aussagen im ADONA-Bericht beziehen sich auf Ergebnisse der weltweit umfangreichsten epidemiologischen Studie im Umfeld eines PFOA-Produzenten in den USA.")

3.4 Alternativer Nobelpreis 2017
U.a. für Robert Bilott (hier ein leider nur englischer, recht langer Artikel über Rob Bilott aus der New York Times) verliehen; Robert Bilott hat in den USA für mehr als 3000 Kläger wegen der PFOA-Verseuchung des Trinkwassers und der dadurch erzeugten Gefährdungen von 3M mehr als 500 Millionen Euro erstritten.

4. PFOA im Boden und in Lebensmitteln

4.1 Bodenkontaminationen:
Seit vielleicht 2015 werden auch Kontaminationen des Bodens als problematisch angesehen, zumindest was die Kosten für die eventuell notwendige Entsorgung hochbelasteter Oberbodenschichten betrifft, etwa beim Bau des Bahnterminals Burghausen. Dazu hiereinige Details, von Messungen kurz nach der Greenpeace-Kampagne Ende 2006; hier ein Link zum BLfU: Landwirtschaftlich genutzte Flächen ergaben Ergebnisse unterhalb oder an der Nachweisgrenze für PFOA, im Forst kommen Werte bis etwa 400 ug/kg Boden vor, vor allem in der obersten Schicht.
Es gibt ein Gutachten vom 18. 2. 2018, nachdem der Großteil des PFOA-belasteten Bodens beim KV-Terminal Burghausen vor Ort verwertet werden kann. Dieses Gutachten muss aber noch vom UW-Ministerium und dem LRA AÖ bestätigt werden.

4.2 Kontamination von Lebensmitteln:

Nach 2006 wurden verschiedene Lebensmittel auf PFOA untersucht:
Alz-Fische und weitere Fische aus Bayern (auch gehandelte Fische) zwischen 2006 und 2015, die für den Verzehr geeignet sind und eine relativ ausführliche toxikologische Bewertung nach dem neuesten Trinkwasserleitwert von 0,1 ug/l.
Andere Lebensmittelgruppen (WC 1 bis 59 (Milch bis Trinkwasser)) finden sich mit unterschiedlichen Messungen - nicht immer für PFOA - auf der Webseite des BLGL.

5. PFOA und Information

5.1 Bessere Information ist möglich! Die Information zu PFOA war im LK AÖ sehr zurückhaltend bis nicht existent. Dass dies auch anders geht und dann Belastungen der Bürger schneller beendet werden können, zeigt eine Veröffentlichung von 2007 (!!) "Erfahrungen eines Gesundheitsamtes bei der Belastung von Trinkwasser durch perfluorierte Tenside (PFT)". Die PFT-Verunreinigungen betrafen die Gemeinde Bernsdorf (Hochsauerland). Parallel zur Errichtung einer Aktivkohlefilteranlage wurde geraten , Babynahrung mit Mineralwasser zuzubereiten; für die Kommunikation wurde von Beginn an eine offensive Kommunikation gewählt, die einmal den damals noch geringeren Wissensstand aufzeigte, aber auch Überreaktionen der Bürger vermied.

6. Offene Fragen zu PFOA

Wir wollen diese und weitere Fragen an das Landratsamt (Umweltamt, Gesundheitsamt) stellen.

6.1 Toxikologie

6.1.1 Humantoxikologie:
Epidemiologische Untersuchung weiterer Endpunkte für PFOA-Belastungen?
Die Epidemiologische Studie "Perfluorierte Substanzen in Blutproben aus dem Landkreis Altötting: Beurteilung des Risikos für Hoden- und Nierenkrebs in den untersuchten Gemeinden" hat für die beiden Krebsarten entwarnt, die Erkrankungen sind nicht höher als für unbelastete Bürger erwartet ausgefallen. Warum wurden in dieser Studie nur die beiden Krebsarten untersucht und nicht auch die Endpunkte, die in der ADONA-Studie genannt sind?
Zitat aus dem ADONA-Bericht: "Im Rahmen einer Neubewertung von PFOS und PFOA durch die Kommission Humanbiomonitoring wurde für PFOS und PFOA ein aktueller HBM-I-Wert abgeleitet. Die Neubewertungen sind insbesondere deshalb notwendig, da epidemiologische Studien reproduzierbare Effekte auf die Schilddrüse, das Immunsystem und die Reproduktion in sehr niedrigen Dosisbereichen ergeben haben."
(Auf eine entsprechende Frage (etwa am 25. 1. 2018) an die Autoren der epidemiologischen Studie kam bisher keine Antwort.)
Fehlende Grenzwerte für PFOA
Warum gibt es z.B. keinen HBM-II-Wert für PFOA? Kann das LRA-AÖ die für Grenzwerte zuständigen Stellen ermuntern, mehr Arbeit in die Erstellung eines HBM-II-Wertes für PFOA zu investieren?
ADONA
Welche mit PFOA vergleichenden toxikologischen Untersuchungen zeigen, dass ADONA günstiger einzuschätzen ist, als PFOA?

6.1.2 Aquatoxikologie:

PFOA im Grundwasser, in Grundwasserbächen und in Böden:
Grundwasserbäche: Wir gehen davon aus, dass einige Bäche, die im Bereich der stärker belasteten Grundwässer als Grundwasserbäche entspringen, PFOA bis in den Bereich der Grundwasserkonzentrationen enthalten; diese Konzentrationen steigen ja bis etwa 2030 noch weiter an. Als Beispiele nennen wir den Mittlinger Bach, Brunnbach und den Haiminger Mühlbach.
* Etwa 15% der Einwohner im LK AÖ nutzen eigene Quellen für die Trinkwasserversorgung. Gibt es solche Quellen im Bereich der stärker belasteten Grundwässer und sind deren Nutzer über die erhöhten PFOA-Gehalte informiert?
* Nachdem PFOA auch aquatoxisch ist, sollte deren aquatoxische Auswirkung abgeschätzt werden; natürlich könnte die Wirkung auch experimentell im Labor untersucht werden.
* Wenn einzelne Landwirte oder Bachanlieger aus PFOA-verunreinigten Bächen z.B. Vieh tränken, wird das entsprechende Fleisch kontaminiert; in diesen Bereichen erlegtes Wild könnte über Wasseraufnahme kontaminiert sein, etc.. Deshalb sollte die dortige Bevölkerung, speziell Landwirte und Jäger über eventuelle PFOA-Belastungen der Bäche informiert, Vieh und Wild auf PFOA untersucht werden.

6.1.3 Bodentoxikologie:
Böden:
Bodenuntersuchungen haben gezeigt, dass vor allem einige der forstlich genutzten Oberböden so stark mit PFOA belastet sind, dass sie (z.B. Oberböden vom Burghauser KV-Terminal) vor Ort unter Folien gelagert werden und als Sonderabfall nicht an andere Stellen transportiert werden dürfen.
* Derzeit steht noch nicht fest, was mit diesen Sonderabfällen zu tun ist. In jedem Fall stellt diese Tatsache ein u.U. erhebliches ökonomisches Risiko dar. Dieses ökonomische Problem sollte quantifiziert werden.
* In der Literatur wurden Bodenlebewesen  untersucht, die empfindlich auf PFOA reagieren, u.a. der weitverbreitete und besonders nützliche Regenwurm. Auch dieses öko-toxikologische Problem sollte abgeschätzt oder im Labor untersucht werden.

6.1.4 Wie verhält sich ADONA aus toxikologischer Sicht zu PFOA?
ADONA ist der Ersatzstoff für PFOA und hat einige positive toxikologische Eigenschaften. Gibt es vergleichende humantoxikologische Untersuchungen? Wie steht es um die entsprechende Aqua- und Bodentoxizität? Eine Studie der LfU bescheinigt zwar ADONA geringe Schadwirkungen, vergleicht aber nicht mit PFOA.

6.2 Weitere bisher als harmlos angesehene Substanzen (REACH):
Hat die Behörde darüber Informationen, ob hier im LK AÖ weitere Substanzen z.B. von der chem. Industrie hergestellt und/oder benutzt werden, die heute unter REACH überprüft werden aber bisher ohne Grenzwerte sind? (Analog PFOA: In großen Mengen benutzt und emittiert, "keine Grenzwerte", aber "persistent, bioakkumulierend, etc.")

6.3 PFOA-Grundwassermodell:
Wir gehen davon aus, dass die Validierungen zu dem PFOA-Grundwassermodell, das schon vor über zwei Jahren fertiggestellt war, inzwischen abgeschlossen sind. Wann werden die entsprechenden Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt? Die Ergebnisse sind Voraussetzungen für die Antwort auf einige der gestellten Fragen (Belastung des Grundwassers, ...). Wir halten auch eine Ausweitung des Zeitbereichs der Rechnungen mindestens bis zum Abklingen der Grundwasserbelastungen unter 0,1 ug/l für notwendig.

6.4 Werk Gendorf
6.4.1 Kontrolle der Aktivkohlefilter?

Wie wird derzeit bei der Trinkwasserreinigung mit Aktivkohlefiltern (Alzgern) überprüft, ob die Wirkung der Filter noch ausreicht? Ist die PFOA-Menge bekannt, bei der die Aktivkohlefilter dort "zumachen", sodass man über die gereinigte Trinkwassermenge und den PFOA-Gehalt des Grundwassers einen Hinweis auf die Nutzdauer der Aktivkohle bekommt (auch für die neuen Filteranlagen)? Wie wird andernfalls sichergestellt, dass die Filter tatsächlich reinigen und im Bedarfsfall gewechselt werden?
6.4.2 Wer bezahlt wieviel?
Bisher sind wir davon ausgegangen, dass Infraserv die Kosten für Errichtung und Unterhalt der Aktivkohlefilter vollständig bezahlt. Seit einem Nachbarschaftsgespräch mit Infraserv sind wir da nicht mehr so sicher: Im PNP-Artikel vom 16. 3. 2018, der über dieses Gespräch informierte, stand, dass „Dyneon gemeinsam mit den Rechtsnachfolgern von Hoechst einen angemessenen Anteil der Investitions- und Betriebskosten der geplanten Aktivkohle-Filteranlagen zahlen wird.“ Das bedeutet sicherlich nicht eine vollständige Bezahlung. Wir waren ebenfalls bei diesem Gespräch dabei, hatten diese einschränkende Aussage aber so nicht verstanden.
6.4.3
Werk Gendorf: Emissionsreduzierende Maßnahmen; mit PFOA verunreinigte Abfälle; Betriebsstörungen mit erhöhten PFOA-Emissionen?
In Gendorf wurde von 1968 bis 2003 PFOA hergestellt und bis 2008 damit produziert.
6.4.3.1 Um 2000/2002 wurden einige Emissionsreduzierende Maßnahmen durchgeführt. Kann man dafür ein genaues Datum angeben?
6.4.3.2 Wie stark wurden Emissionen in die Luft, in das Abwasser dadurch reduziert?
6.4,3,3 Was wurde mit PFOA verunreinigten Abfällen in diesem Zeitraum gemacht?
6.4.3.4 Gab es in dieser Zeit Betriebsstörungen, bei denen PFOA in größeren Mengen freigesetzt wurde? Wenn ja, in welchen Mengen, wohin und wann?