Holzöster und Höllerer See, eiszeitliche Relikte vor unserer Haustür

Wanderwege und Badeseen der Innviertler Seenplatte

Als sich an Ende der letzten Eiszeit die Gletscher zurückzogen, war die Innviertler Seenplatte von Eisschollen übersät, die durch den Eiszerfall der nacheiszeitlichen Erwärmung vor etwa 17 000 Jahren vom Hauptgletscher getrennt wurden. Dabei wurden große Eisblöcke abgegliedert und durch von Flüssen und Bächen herangetragenes sandiges Material zugeschottert und während der weiteren Abschmelzphase der Gletscher von mächtigen Flüssen mit Schottern überdeckt. Da diese isolierten Toteismassen nur sehr langsam schmolzen, entstand eine Hohlform, der sich die einsackende Oberfläche anpassen musste. Feinster Gesteinsabrieb, der sich am Grund absetzte und eine wasserundurchlässige Schicht bildete, bewirkte, dass das Oberflächenwasser nicht versickern konnte und als See zurückblieb. Auf diese Weise entstand auch der Höllerer See, ein Toteiskessel. Der Höllerer See gehört zur Innviertler Seengruppe an der Grenze zum Bundesland Salzburg. Der etwa 20 ha große See hat eine relativ kleine Wasseroberfläche bezogen auf seine große Tiefe und es kommt daher zu einem seltenen limnologischen Phänomen. Der Wasseraustausch durch Windbewegungen im Frühjahr und Herbst und durch oberflächliche Zuflüsse findet nur in den oberen 10 m statt. Die darunterliegenden kalten Wassermassen vermischen sich nicht mehr mit dem darüberstehenden Oberflächenwasser, Der Höllerer See erwärmt sich im Frühjahr rasch und ist wegen des sauberen Wassers bei Badegästen und Fischern gleichermaßen beliebt. Sein Ufer fällt relativ rasch bis zu einer Tiefe von 10 m ab. Das Becken des Sees hat die Form einer Niere und im mittleren Bereich weist der Untergrund eine gleichmäßige Tiefe von ungefähr 21 m auf.

Der Höllerer See ist von bewaldeten Hängen umgeben und hat durch seine windgeschützte Lage eine angenehme Wassertemperatur, eine gute Wasserqualität und wird von zwei Fischereivereinen bewirtschaftet. Gefangen werden Karpfen, Weißfische, Renken, Schied, Aale, Hechte, Seeforellen und Waller. Der 780 m lange und 330 m breite See liegt an der Grenze der beiden Gemeinden St. Pantaleon und Haigermoos. Um den See führt ein befestigter Wanderweg, wobei am östlichen Ufer ein Weg zu einem Campingplatz auf einer Anhöhe abzweigt, der teils sonnige, teils schattige Stellplätze in ruhiger Lage bietet. Das dazugehörige Restaurant mit Sonnenterrasse bietet Zimmer, einen Kinderspielplatz und eine eigene Badewiese am See. Der Wanderweg führt weiter am östlichen Ufer entlang des Waldes mit gemischtem Baumbestand, vorbei an natürlichen Badeplätzen. Auf der Nordseite des Sees liegt der öffentliche Badeplatz des Landes Oberösterreich und während der Badesaison lädt ein Waldcafe zur Einkehr ein. Das Ufer des Sees ist bewachsen mit einem reichen Baumbestand aus Weiden, Erlen, Pappeln und Birken. Der Wanderweg führt am westlichen Ufer weiter über moorige Wiesen und Mischwälder zurück zum Ausgangspunkt, wo ein kleiner Ablauf für gleichmäßigen Wasserstand des Sees sorgt. Da der Höllerer See aus einem Toteiskessel entstand, fehlen größere Moorflächen rund um das Gewässer. Dieses Relikt aus der letzten Eiszeit zeigt einen völlig anderen Wasserkörper als die umliegenden Moorseen, die meist mit Nieder- und Hochmooren umgeben sind wie der Holzöster See, einer der wärmsten Badeseen der Innviertler Seenplatte.

Der Holzöster See verdankt seine Entstehung dem östlichsten Salzachvorland-Gletscher der großen würmeiszeitlichen Alpenvergletscherung. Er schob gewaltige Schuttmassen fächerförmig ins ebene Vorland bis zur Südhälfte des heutigen Bezirkes Braunau, schürfte flache Wannen aus und brachte Gletscherschliff mit, der wasserundurchlässige Tone bildete. Erkennbare Endmoränen der Würmvergletscherung ziehen von St. Radegund durch den Weilhart nach Geretsberg und weiter nach Eggelsberg. Der südliche Teil des Gebietes ist Grundmoräne mit vom Eis geschliffenen Drumlins. Zurück blieben mit Ton ausgekleidete Mulden, in denen sich das Wasser der abschmelzenden Gletscher an den Endmoränen staute. Glazialtone sind im Untergrund der Moore der Innviertler Seenlandschaft überall anzutreffen und bieten ideale Voraussetzungen für eine Moorbildung.

Als vor 10 000 Jahren das Klima etwa unserem heutigen entsprach, breiteten sich große Sümpfe aus und seichte Seen begannen zu verlanden. Als erstes wurde das Tarsdorfer Filzmoos landfest, dann das Bürmoos und als letztes das Ibmer Moos. In den Mulden siedelten sich alsbald Moose, Riedgräser und Schilf an. Damals waren verschiedene Moosarten weit verbreitet und bildeten bis zu 1 m tiefe Torfpakete. Vor etwa 7 000 Jahren siedelten sich in den Moos- und Seggenmooren allmählich Torfmoose an und aus den früheren Seggenmooren wurden Hochmoore. Inmitten dieser Moore blieben einige Seen übrig, so auch der Holzöstersee, der als Rinnensee anzusehen ist. Dieses Rinnensystem ist eingeschnitten in eine alte Platte aus Vorstoßschottern, die oben in Moräne übergeht. Der Holzöstersee ist ein typischer Moorsee und liegt vier Kilometer weiter nördlich vom Höllerer See. Das 90 000 Quadratmeter große Gewässer ist nur 4 bis 5 m tief, so dass sein Wasser im Sommer auf Badetemperaturen bis 26 Grad ansteigt. Er ist ein beliebter Badesee zwischen zwei Höhenrücken. Sein westliches Ufer, das im Naturschutzgebiet liegt, geht in ein Schwingrasenmoor über, weshalb das huminsäurehaltige Wasser braun gefärbt ist. Der zusammenhängende Moorkomplex liegt in etwa 460 m Seehöhe und ist ein idealer Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere. An der Westseite wird der in einem landschaftlich reizvollen Kessel eingebettete See vom Frankinger Moor begrenzt. Am Ostufer besteht ein Campingplatz und vom Südufer hat man freien Zugang zum unverbauten See, während sich am Nordufer ein Strandbad mit Bootsverleih und Strandbuffet befindet. Auch Angler kommen auf ihre Kosten und können auf Waller, Zander, Hecht, Aal, Karpfen und Schleien fischen.

Der Holzöstersee ist gut zu Fuß zu umrunden mit einer Gehzeit von etwa 40 Minuten. Der Weg führt von Holzöster aus entlang der Erholungsanlage am Nordufer und zweigt dann am westlichen Seeende ins Moor ab. Ein Bretterweg sorgt für ein sicheres und trockenes Begehen. Hochgewachsenes Schilf, Wollgras, Moosbeersträucher und kleinwüchsige Moorbirken säumen den Bretterweg. Zahlreiche Ruhebänke laden zu einer Rast und zum Betrachten dieser urwüchsigen Landschaft ein. Endlich erreicht man wieder den See und hat festen Boden unter den Füßen. Weiter geht es entlang des Kinderspielplatzes bis zum Campingplatz, wo man über eine kleine Brücke zum Ausgangspunkt Holzöster zurückkehrt.

Erreichen kann man den von Burghausen etwa 20 Km entfernten Holzöstersee, wenn man Richtung Tarsdorf fährt und dann der Ausschilderung nach Holzöster folgt. Diese Ortschaft gehört zu Franking und hier beim Kirchenwirt beginnt der Start eines 14 Km langen Wanderbauerngolfs. Die Bauerngolfanlage besteht aus bäuerlichen Geräten wie Pflug, Mostfass, Bienenkorb, Schädel eines urigen Hochlandrindes, Mostpresse und vieles mehr. Das etwas andere Golfspiel, dessen Wege gut mit Wanderschildern gekennzeichnet sind, führt durch bezaubernde Moor- und Seenlandschaften mit 17 verschiedenen Stationen über blühende Wiesen und Felder von einem Hindernis zum nächsten. Wer Ruhe und Erholung sucht, das Schwimmen im warmen Moorwasser liebt und das Wandern in naturbelassener Gegend, der sollte auch den Holzöstersee erkunden und viele schöne Eindrücke mit nachhause nehmen.

Günter Geiß