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GEO-Tag 2026

Am 19. und 20. Juni veranstaltete die BUND Naturschutz Kreisgruppe Altötting (BN) ihren 19. GEO-Tag in Folge.

Das Untersuchungsgebiet umfasst ca. 50 ha Landschaftsschutzgebiet und liegt in unmittelbarer Nähe zu Altötting, aber auf Tüßlinger Gemeindegrund. Das Basislager wurde an der sogenannten „Jackyranch“ aufgeschlagen. Die Wiese vor dem Gebäude wurde leider kurz vorher gemäht.

Das Gebiet umfasst trockene, extensiv genutzte Wiesen- und Weideflächen, eher feuchte Hangleiten mit einigen Hangquellen und natürlich das Bucher Moor. Das ca. 13 ha große Bucher Moor ist Naturschutzgebiet. Es ist das größte zusammenhängende Moorgebiet und das kleinste Naturschutzgebiet im Landkreis. Das Moor wurde aber nur von einem kleinen Teil der Experten untersucht. Insgesamt kann man von einem strukturreichen Untersuchungsgebiet sprechen. Am Freitagnachmittag starteten die 16 Kinder des Kinder-GEO-Tages. Das Wetter war sehr heiß und die Kinder hatten einen anstrengenden Schultag mit Sportfest hinter sich. Dennoch zeigten sie viel Geschick und Ausdauer, um im Gelände rund ums Basislager die Fauna zu erforschen. Dort haben sie die niedrige Vegetation abgekeschert und die niedrigen Zweige von Büschen und Bäumen abgeklopft.

Stephan Stadler konnte vor Ort mit den Kindern viele der gefangenen Käfer- und Schreckenarten identifizieren, sodass sie gleich wieder freigelassen werden konnten. Spinnen, die nicht vor Ort bestimmt werden konnten, hat die Autorin mitgenommen und zu Hause nachbestimmt. Für die Kindergruppe konnten so 34 Arten notiert werden. 16 Spinnenarten, 7 verschiedene Wanzen- und Schreckenarten, 6 Käfer, 2 Falter, 2 Flieger und eine nicht weiter bestimmbare Blattlausart. Unter den etlichen Spinnenarten, die die Kinder entdeckten war der Fund des sehr seltenen Roten Flachstreckers (Philodromus rufus, RL R). Gleich zu Beginn wurde ein besonders hübsches Exemplar des Schönbären (Callimorpha dominula), einem auch tagsüber fliegenden Nachtfalter, gefunden. Die Art ist nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Die Pflanzen wurden von Prof. Michael Hohla und die Moose von Dipl. Biologin Brigitte Bäumler erfasst. Mit 286 Arten stellen sie naturgemäß den Löwenanteil an den gefundenen Arten. Sie umfassen Baum- (23), Strauch- (13), Blühpflanzen- (171), Farn- (5), Gras- (55), Flechten- (12) und Moosarten (7).

Zu den außergewöhnlichen Blühpflanzenfunden gehörten z.B. die Kleinblättrige Brunnenkresse (Nasturtium microphyllum, RL 3), der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus, RL 3) und die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica, RL 3) im Gebiet der Osterwies. Im Bucher Moor gehörten zu den Highlights unter anderem die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris, RL 3), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea, RL 3), der Weichhaarige Pippau (Crepis mollis, RL 3), das Preußische Laserkraut (Laserpitium prutenicum, RL 2) und der Langblättrige Sonnentau (Drosera anglica, RL 2).

Von den 55 Grasarten seien die Stumpfblütige Simse (Juncus subnodulosus, RL 3), das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium, RL 3), sowie die Gelb-Segge (Carex flava s.str., RL V) aus dem Bucher Moor genannt.

In den Hangleiten konnte Dipl. Biologin Brigitte Bäumler 12 verschiedene Flechtenarten notieren, darunter die Linden-Schüsselflechte (Parmelia tiliacea) und die Körnige Krustenflechte (Lecanora conizaeoides).

Normalerweise ist der Juni für die PilzexpertInnen immer recht enttäuschend, aber diesmal war die Gruppe um Till R. Lohmeyer und Thomas Glaser zufrieden. Die Bestimmung der Mikropilze, das Spezialgebiet von Inge Rößl, ist zwar recht aufwändig, beschert der Artenliste aber immer einen kleinen Booster. Es dominierten Totholzverzehrer, z.B. verschiedene krustenbildende Pilze wie die Laugenlösliche Nadelholztramete (Cinereomyces lindbladlii) und der häufige Fleischrote Zystidenrindenpilz (Peniophora incarnata). Der Spinnweb-Röhrenschleimpilz (Tubifera ferruginosa) ist ein Vertreter der Schleimpilze und attraktiv anzuschauen. Das Highlight stammt auch hier aus dem Bucher Moor: der Sumpf-Bovist (Bovista paludosa,

RLB2, RLD 1). Bei den Winzlingen entdeckte Inge Rößl an Süßgräsern die Weißhaarbecherchen-Art Lachnum cf. carneolum – die Art wurde seit 1904 in Südbayern nicht mehr gefunden. Insgesamt standen am Ende 84 Pilzarten in der Liste.

Die Vogelwelt wurde in einer Vogelexkursion mit Ingomar Gürtler am 28.03.26 notiert und von Dr. Holger Lundt und Anton Barth am GEO-Tag bereits ab 07.00 Uhr im Gebiet untersucht. Ingo Gürtler war am 19. Juni vormittags in der Osterwies unterwegs, wo er unter anderem das Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola, RL V) aufspüren konnte. 51 Vogelarten konnten identifiziert werden. Darunter etliche Rote Liste Arten, wie dem Gelbspötter (Hippolais icterina, RL 3) und dem Neuntöter (Lanius collurio, RL V), von dem 3 Brutpaare ausgemacht werden

konnten. Das Highlight war sicher der Waldwasserläufer (Tringa ochropus, RL R), der feuchte Wälder oder Randgebiete von Mooren und Sümpfe benötigt.

Dr. Dorothea Friemel hat 10 Tage nach dem GEO-Tag einen Batlogger in der Nähe des Basislagers aufgehängt. Dieses Gerät fängt die für das menschliche Gehör unhörbaren Ultraschalllaute der Fledermäuse auf und wertet diese aus. Schon am 19. Juni flogen abends etliche Fledermäuse über die Betreuungen des Lichtturms für die Nachtfalterbestimmung. Die Aufnahmen des Batrekorders zeichneten ungewöhnlich hohe Aktivitätenzahlen auf, was auf hohe Individuenzahlen hinweist. Daraus konnten 5 verschiedene Arten differenziert werden, darunter die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus, RL V) und ihre Zwillingsart die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus).

Für die Bestimmung der Nachtfalter haben Johann Brandstetter, Christian Zehentner, Stephan Stadler und Christian Kagerer 3 Lichttürme aufgestellt und fachlich betreut. Christian Zehentner und Stephan Stadler hatten ihren Turm in der Nähe des Bucher Moors aufgebaut, Christian Kagerer im Bereich der Hangleiten und Johann Brandstetter am Basislager. Die Nacht war perfekt für den Lichtfang und so kamen unglaubliche 140 Falter-Arten zusammen. Zu den besonderen Funden gehörten in der Osterwies das häufige Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata, BArtSchV), die Weiße Tigermotte (Spilosoma lubricipeda) und das seltene Weiße L (Mythimna l-album, RL 3), sowie am Tag der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia, RL 3). Im Bucher Moor flogen am Samstag viele Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina, RL 3) und ein paar besonders geschützte Große Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia, RL 2). Am Lichtturm war die Palpen Spannereule (Polypogon tentacularia, RL 3) eine Überraschung.

82 verschiedene Käfer-, 21 Heuschrecken-, 4 Wanzen und Zikadenarten wurden von Stephan Stadler und Walter Sage notiert. Auch hier gab es Rote Liste Arten, z.B. der bei uns seltene Braunrötliche Spitzendeckbock (Stenopterus rufus, RL 3) und der Stumpfe Flockenblumenrüssler (Larinus obtusus, RLD 2), der deutschlandweit mittlerweile stark gefährdet ist. Den Zottigen Laub-Schnellkäfer (Stenagostus rhombeus, RL 2) notierte Stephan Stadler am Lichtturm im Bucher Moor.

Für die Bestimmung der Wildbienen war diesmal niemand dabei, aber Stephan Stadler und Walter Sage haben sich in der Bestimmung versucht und anhand einiger Bilder von Harry Wirth und Monika Vitzthum konnte Daniela Ehm die Liste auf 10 Arten ergänzen. Hervorzuheben ist da die Goldbraune Furchenbiene (Halictus subauratus, RL V), die anhand eines Fotos identifiziert wurde. 12 „sonstige Flieger“, wie verschiedene Fliegenarten konnten von Jürgen Peters und anderen Experten anhand sehr guter Fotos identifiziert werden, z.B. die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis). 10 gefundene Libellenarten zeigen, dass das Gebiet auch geeignete Gewässer aufweist, in denen sich die Libellenlarven in bis zu 4 Jahren entwickeln können, bevor sie als gekonnte Flieger in Erscheinung treten. Darunter war z.B. die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella). Im Bucher Moor entdeckte Stephan Stadler die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale, RL 1) und viele Kleine Blaupfeile (Orthetrum coerulescens, RL 3).

Die Spinnen und Spinnentiere, wie Weberknechte wurden von Eveline Merches bestimmt. Mit 39 Arten ist diese Gruppe gut vertreten, obwohl das Gebiet deutlich mehr Arten hergeben würde. Da die extensive Wiese kurz vor dem GEO-Tag gemäht wurde, fehlten vor allem Wolfspinnen und Springspinnen fast völlig. Bemerkenswerte Funde waren die Weißband-Nesthüterin (Neottiura bimaculata), eine kleine Kugelspinne, die mit Kokon unterwegs war, sowie die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus, RL 3) und ein Jungtier der Orangenspinne (Araneus cf. alsine, RL 3) im Bucher Moor.

2017 hat die BN-Kreisgruppe das Gebiet schon mal bei einem GEO-Tag untersucht, da wurden 813 Arten gefunden. Bei der diesjährigen Untersuchung waren es 765. Allerdings sind GEO-Tage nie direkt vergleichbar, auch nicht, wenn sie im gleichen Gebiet stattfinden. Da das Wetter, die Anzahl und Expertise der ExpertInnen einen großen Einfluss auf die Fundzahlen haben. Anhand der Funde ist aber erkennbar, dass vor Allem das Bucher Moor noch recht stabil erscheint, während die extensiven Wiesen und Hangleiten der Osterwies sich artentechnisch leicht verbessert haben könnten.

Von den insgesamt 765 Arten sind etliche nicht bis zur Art bestimmt. Die vollständige Liste ist Teil des Abschluss-Berichts