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Waldbau bei den bayerischen Staatsforsten

Samstag, 26.09.2026, 14:00 – ca. 17:00 Uhr 

Bei schönstem Wanderwetter trafen sich 9 TeilnehmerInnen in Schützing und wurden von Gerhard Merches (1. Vorsitzender BUND Naturschutz, Kreisgruppe Altötting) und Michael Waldherr, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Wasserburg, begrüßt. Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen sind selbst Waldbesitzer, was später zu vielen fachlichen und interessanten Fragen führte.

Herr Waldherr umriss kurz das Themenspektrum der Exkursion, dass sich vom Käfermanagement über Stammdickendiversität, Lichtmanagement im Wald, Zielbaumartenzusammensetzung und Problemen im Waldbau erstreckte. Dazu führte er die Gruppe zu entsprechend ausgewählten Standorten im Wald.

Erster Haltepunkt war an zwei als „Käferbäume“ gekennzeichneten Fichten. Mithilfe von gut eingewiesenen Laien werden mit dem Fichtenbock befallene Bäume gesucht, markiert und dann zügig entnommen um eine weitere Verbreitung zu minimieren. Dieses Jahr ist ein eher schwaches Käferjahr. Solche folgen aber regelmäßig auf käferstarke Jahre, wie zuletzt nach Schnee- und Windbruch im vorletzten Jahr. Außerdem sind derzeit die Holzpreise vergleichsweise hoch, sodass sich der Schaden in Grenzen hält.

Ein großes Thema war die anhaltende Trockenheit und Hitze in diesem Jahr aufgrund des fortschreitenden Klimawandels. Zwar steht der Staatsforst bei den Niederschlägen noch vergleichsweise gut da, dennoch haben der trockene Winter und Sommer und die anhaltende Hitze Schäden verursacht, vor allem bei der Kiefer. Diese kommt zwar gut mit Trockenheit zurecht, verträgt aber so hohe Temperaturen sehr schlecht, was sich in abgestorbenen Kronen zeigt. 

Durch die Hitze und Trockenheit geschwächte Baume werden dann von Schädlingen angegriffen wie z.B. dem Großen Waldgärtner, ein Rüsselkäfer, der vor allem Nadelbäume befällt und dort erhebliche Schäden verursachen kann. Bei der Tanne verursachen Tannentriebläuse, Tannenstammlaus und Sekundärschädlinge wie mehrere Arten an Tannenborkenkäfer erste Schäden. Etliche Tannen mit flächigen weißen Pünktchen sind von der Tannenstammlaus befallen, deren Ausscheidungen diese weißen Pünktchen machen. Ob, und wie stark die Bäume dadurch geschädigt werden, kann man noch nicht sagen. Noch hofft man, dass es sich um rein temporäre, bzw. örtlich begrenzte Schäden handelt.

Im Staatsforst wird zur Förderung von sogenannten Zukunftsbäumen (markiert mit weißem Band) mit Stammdickendiversifizierung gearbeitet. Zukunftsbäume sind solche, die irgendwann als gewinnbringende Erntebäume dienen sollen. Ca. alle 10 m wird ein solcher Baum mit geradem Wuchs und altersgemäßen Stammdurchmesser als Zukunftsbaum markiert. In seinem Umfeld bleiben die anderen Bäumen stehen und entwickeln sich je nach Lichteinfall u.ä. unterschiedlich. Nur ca. alle 5 Jahre sollen die Bereiche durchforstet werden, dabei werden nur wenige Bäume (sogenannte Bedränger) entnommen, die dem Zukunftsbaum nahestehen. Fällt ein Zukunftsbaum, aus welchen Gründen auch immer, aus, wird ein neuer Zukunftsbaum im Bereich festgelegt, sodass nie mehr als 10 Zukunftsbäume je ha und genug Bäume mit unterschiedlichen Stammdurchmessern vorhanden sind.

An anderen Stellen, z.B. Buchenbeständen wird eher Lichtmanagement betrieben, d.h. es werden Bereiche gelassen, wo die Buchen größere Bereiche dunkel hält und andere in denen Bäume gezielt entnommen werden, um Licht reinzulassen, von dem dann Bäume wie z.B. die Tanne profitieren kann.

Ein großes Thema in Hinblick auf den Klimawandel nimmt auch die Diversifizierung der Baumarten ein. Als Basis sollen Buche und Tanne dienen, des Weiteren mindestens 2 weitere Arten, wie z.B. Eiche, Elsbeere, Spitzahorn, Douglasie und Atlas-Zeder. Herr Waldherr zeigte ein DinA-4-Blatt mit aufgelisteten Alternativarten. Zielmarke sind irgendwann 8 Baumarten je Fläche.

Die TeilnehmerInnen hatten viele, interessierte Fragen, die alle sehr kompetent und auch selbstkritisch beantwortet wurden, dadurch verlängerte sich die Exkursion zwar um eine Stunde, aber das war es allen wert. Allen ist wohl klargeworden, unter welchem Arbeitsdruck die Mitarbeiter des Forstbetriebes stehen, um den Folgen des stattfindenden Klimawandels, mit einem notwendigen Waldumbau möglichst einen Schritt voraus zu sein. Und der erhebliche Aufwand auch bezahlt werden muss, ein gesunder Wald ist nicht umsonst zu haben!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Michael Waldherr für diese gut vorbereitete, spannende und verständliche „Vorlesungsstunde“ im Staatsforst.