GEO-Tag der Artenvielfalt in Marktl Queng am 8. / 9. Juni 2018

Freitag und Samstag (8. und 9. Juni) haben wir unsere Feldforschungsaktion durchgeführt. Am Freitag starteten die Kinder um 15.00 Uhr mit uns im Umfeld des Umweltstadls bei der Familie Ludwig Meier. Mit Kescher, Streifnetz und Fangdöschen ausgestattet machten sie sich auf zum Waldrand und in die Wiesen. Viele Käfer, Wanzen, Zikaden und Spinnen landeten am Bestimmungstisch. Dort wurde ein Bestimmungsversuch gewagt und die Tiere dann an einem schattigen Platz für die Experten am Abend zur endgültigen Bestimmung  aufgehoben. Die 6 Kinder waren unglaublich eifrig, ließen das Schluss-Spiel sausen und  waren von den Eltern nur mit Mühe zum Heimgang zu bewegen. Jeder bekam ein Cappy, das GEO (Zeitschrift) der BUND Naturschutz Kreisgruppe für diesen Zweck gespendet hat.

Abends um 20.45 Uhr trafen sich dann ca. 25 Teilnehmer für die Fledermaussuche, Nachtvogel-Exkursion und am Lichtturm. Außer einer nur leise vernehmbaren Wasserfledermaus verriet der Batdetektor keine weitere Anwesenheit von Fledermäusen. Im Schluchtenwald war zwar das Waldkäuzchen gut hörbar, ab er die Hoffnung die Rufe der Uhu-Jungtiere zu hören wurde vom Konzert der Seefrösche, dem Lärm der Straße und der Angler zunichte gemacht. Am Lichtturm, den Johann Brandstetter und Gerhard Karl aufgestellt und betreut haben, zeigten sich anfangs auch nur zögerlich die ersten Falter. Erst ab ca. 22.30 Uhr erhöhten sich die Anflüge und kurz vor Mitternacht vertrieben dicke Regentropfen die Teilnehmer. Die Ausbeute war dennoch nicht schlecht. Gerhard Karl hatte außerdem eine Lichtfalle aufgehängt. Dort wurlte es am nächsten Morgen und es erschienen auch so imposante Flieger, wie der Liguster- und der Pappelschwärmer. Der Gesprenkelte Pappelspanner (Stegania cararia) war ein Highlight und auch und die Weißgraue Sumpfgraseule (Chortodes exrema) ist ein guter Fund.

Am Samstag verteilten sich die Teilnehmer auf die anwesenden Experten und zogen ins Gebiet. Die Wildbienenexperten Karl Lipp und Daniela Ehm untersuchten die blühreichen Wiesen. Die Blütenvielfalt war wunderschön (Heidenelken, Tausendgüldenkraut, Skabiose, Knautien, große Braunelle, Salbei, ...).

Dort gab es auch Hang-Abbruchkanten. Die werden gerne als Nistplätze für bodenbrütende Wildbienen angenommen. Zwei Kolonien der gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) wurden dort entdeckt.

Die Vogelexperten starteten mit Ingo Gürtler bereits um 7.00 Uhr und sichteten unter anderem einen Eisvogel und Wespenbussard. Direkt am Hof brütet ein Turmfalke. Insgesamt 35 verschiedenen Arten.

Die Pilzgruppe um Till Lohmeyer untersuchte im Wesentlichen den Inn-nahen Fuß des Hanges an der Dachlwand. Juni gilt als Depressionsmonat bei Mykologen und es war zudem noch ausgesprochen trocken. Dennoch wurden die Experten fündig. Der erste Sommer-Steinpilz war zwar ziemlich ramponiert, aber bestimmbar. Auch das Auftreten des hochgiftigen Pantherpilzes war eine kleine Sensation.

Waltraud Derkmann und Bernhard Wessely notierten Bäume und Sträucher. Besonders beeindruckt zeigten sie sich von einem Riesenexemplar einer Tollkirsche. Der Hangwald zeigt eine ausgesprochen gute Naturverjüngung der Tanne und auch die vielen Eschen waren vergleichsweise gesund.

Stephan Stadler, der sich bei Käfern, Wanzen, Faltern usw. auskennt, war bereits am Freitag unterwegs und wurde am Samstag von Eveline Merches (Spinnen) und Monika Hager begleitet. Bei einer Vorexkursion an Vatertag hatten die beiden ersteren bereits den Schluchtengraben untersucht, deshalb gingen sie am Samstag zum Innhorn und in eine der Schilfwiesen an der Peracher Lacke. Eine Vielzahl an Käfern, Wanzen und Spinnen wurden entdeckt. Z.B. wurden der Balkenschröter, auch „Kleiner Hirschkäfer“ und der sehr seltene Schwarze Grubenlaufkäfer (Rote Liste 0-1) entdeckt. Bei den Spinnen war das hohe Aufkommen des seltenen Gefleckten Wühlwolfs (Rote Liste3) im Schluchtengraben eine Sensation. Aber auch der Gebirgsbach-Wasserjäger und die Steppen-Buschkrabbenspinne freuten die Spinnenexpertin besonders.

Für die Pflanzen war am Samstag kein Experte erschienen, aber bei der Vorexkursion an Vatertag hatte Prof. Michael Hohla das Gebiet kartiert. Neben einigen Orchideen ist auch der Hirschzungenfarn ein besonderer Fund. Die Wassertierchen wurden von Ines Hager und die Schnecken von Johann Münzhuber untersucht. Beide mussten aber vor der Vorstellung der Ergebnisse nach Hause fahren, sodass wir ihre Listen abwarten müssen.

Da auch die meisten anderen ihre Funde zu Hause nachbestimmen müssen, kann zur Gesamtzahl der Arten noch nichts gesagt werden.

Die Untersuchung endete mit einer gemeinsamen Brotzeit und der Vorstellung der besonderen Funde durch die einzelnen Experten.

Eveline Merches erfasst nun sukzessive die Listen der Experten, recherchiert zu den besonderen Funden und erstellt wieder einen umfänglichen Bericht, den man dann auf der Homepage der BUND Naturschutz Kreisgruppe Altötting finden wird.

Wir sagen herzlichen Dank an alle beteiligten Experten und Expertinnen, allen die uns geholfen haben und natürlich den tollen Kindern vom Kinder-GEO-Tag. Besonderer Dank gilt allerdings der Familie Ludwig Meier (junior und senior), die uns spontan und begeistert auf ihr Gelände gelassen hat und uns nach Kräften unterstützte.

Der Abschlussbericht (korrigierte Version vom 24.08.2018) ist fertig und kann heruntergeladen werden: GEO-Tag 2018

Anmerkung zu Seite 8

Herr Barthel hat uns darauf hingewiesen, dass es sich bei den in den Lacken vorkommenden Fischen um Lauben (Alburnus alburnus) und nicht um Schneider (Alburnoides bipunctatus) handeln dürfte. Beide seien leicht zu verwechseln. Schneider leben in Flüssen mit klarem Wasser, während Lauben in Seen und langsam fließenden Gewässern vorkommen.

Basislager am Umweltstadl in Marktl Queng.
Viele Tiere wurden unter dem Binokular näher angeschaut.
Xysticus_bifasciatus.
Am Morgen wurde die Lichtfalle von Gerhard Karl ausgewertet.
Mit einer Flügelspannweite von 13 cm beeindruckt der Ligusterschwärmer.
Pappelschwärmer
Sandbienenbiotop an der Hangabbruchkante
Sandbienen im Anflug
Die Schlucht ist geprägt vom Riesenschachtelhalm.
Der Gebirgsbachwasserjäger Piratula knorri.
Schluchtgraben an der Dachlwand.
Auch ein Pantherpilz wurde gefunden.
Till Lohmeyer erklärt die Merkmale des Pantherpilzes.
Es war heiß. Nach der Brotzeit stellte jede Gruppe ihre Highlights vor.