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Natur- und Umweltthemen

GEO-Tag bei Reischach

Am 24. und 25. Juni 2022 veranstaltete die BUND Naturschutz Kreisgruppe Altötting (BN) ihren 15. GEO-Tag in Folge.

Den ausführlichen Bericht zum GEO-Tag 2022 finden Sie hier.

Das Untersuchungsgebiet wurde auf Anregung von Georg Hohmann vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft (AELF) in das Mischwaldgebiet in Reischach-Haunberg gelegt. An den Wald grenzt im Norden eine zumeist extensiv genutzte Wiese und der Reischachbach, der hier eine schmale Rinne ist. 13 Waldbesitzer haben sich am Projekt Vertragsnaturschutz Wald beteiligt und zusammen mit Herrn Hohmann 302 Bäume als Biotopbäume der Natur zur Verfügung gestellt, d.h. sie dürfen für mindestens 12 weitere Jahre am Ort verbleiben.

Das Gebiet ist geprägt von Fichte auf der Oberseite, Buche, Eiche und Tanne am Mittelhang und Erlen im feuchten Grundbereich der Schluchten. Diese Feuchtigkeitsverhältnisse setzen sich in den angrenzenden Wiesen fort, sodass hier eine relativ hohe Artenvielfalt vorkommt. Leider wurden sie kurz vor dem GEO-Tag gemäht, sodass die Artenbestimmung hier eingeschränkt war.

Prof. Michael Hohla, Stephan Stadler, Eveline Merches, Brigitte Bäumler und Walter Sage hatten das Gebiet am 26.05. auf Pflanzen, Flechten + Moose, Käfer, Spinnen, Falter und sonstigen Tieren untersucht. Am GEO-Tag selbst konnte terminlich kein Pflanzenexperte teilnehmen.

Das Basislager wurde am nördlichen Waldrand auf der Wiese aufgestellt, wo sich die Teilnehmer trafen. Die gut 20 Experten des GEO-Tages untersuchten die Flächen in kleineren Gruppen bei sommerlichen Temperaturen.

Die 15 Kinder des Kinder-GEO-Tages hatten Glück, denn das angekündigte Unwetter kam erst zum Schluß, wo dann eilig abgebrochen werden musste. Die Kinder waren höchst engagiert und klopften die Büsche und tiefhängenden Zweige ab und kescherten in der Wiese nach etwaigen Krabbeltieren. Die Ausbeute war auch beachtlich. Bis zum Schluß brachten sie eifrig ihre gefüllten Döschen ins Basislager, wo Eveline Merches und Markus Brindl eine Bestimmung wagten. Am Ende wurden alle mit einem selbstgemachten Erdbeereis belohnt. Die Ausbeute mit 42 verschiedene Arten, die sich auf verschiedene Listen verteilen ist durchaus beachtlich. Die meisten Arten mussten anschließend von den ExpertInnen nachbestimmt werden. Alle drei Farbformen der Gewöhnlichen Ovalspinne (Enoplognatha ovata) entdeckten die Kinder. Die Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), die zahlreich in den Keschern landeten, konnte sofort identifiziert werden. Ebenso der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis). Der Waldpirat (Piratula hygrophila), eine Wolfspinne, und der Vierfleckige Kahnkäfer (Scaphidium quadrimaculatum) wurden nachbestimmt und werden nicht so häufig gefunden.

Wegen des Unwetters konnte am Freitagabend kein Lichtturm aufgestellt werden. Stephan Stadler, Gerhard Merches und Monika Vitzthum stellten aber einen Lichtturm am 05.07.22 im Gebiet auf. Allerdings war der Anflug nicht besonders gut. So bleibt die Anzahl an Schmetterlingsarten mit 77 relativ klein. Aber es sind ein paar sehr hübsche dabei, z.B. die wunderschöne faszinierende Raupe des Großen Gabelschwanz (Cerura vinula), der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), eine Bläulingsart, der Große Schillerfalter (Apatura iris, RL V, BArtSchV) mit den blau-irisierenden Effekt auf seinen großen Flügeln oder der Kleine Eisvogel (Limentitis camilla, RL V) mit seinen Schwarzbraunen Fügeln und der breiten Binde mit weißen Flecken.

Am Samstag startete die Vogelkundler-Gruppe um Ingo Gürtler bereits um 7.00 Uhr morgens. Sie konnte 50 Arten identifizieren. Darunter waren der Waldkauz (Strix aluco), der Neuntöter (Lanius collurio, RL V) und als Besonderheit der Rotmilan (Milvus milvus, RL V). Auffällig war auch das Vorkommen großer Gruppen an Haussperlingen (Passer domesticus, RL V), was früher ganz normal war, aber mittlerweile außergewöhnlich ist.

Um 9.00 Uhr kamen die restlichen Teilnehmer hinzu. Nach einer kurzen Einführung durch Gerhard Merches (BN) verteilten sich die ExpertInnen im Gelände.

228 verschiedene Baum- und Straucharten, Moose, Blühpflanzen und Gräser landeten in der Artenliste, die Prof. Michael Hohla, Waltraud Derkmann und Georg Hohmann geführt haben. Es waren zwar nicht viele Rote-Liste-Arten dabei, aber doch eine schöne Vielfalt. 46 verschiedene Grasarten ist im Vergleich zu den vergangenen GEO-Tagen der Kreisgruppe ein sehr hoher Wert. Unter den Funden in den Gebieten fanden sich auch ein paar seltenere Arten, wie die Walzen-Segge (Carex elongata, RL 3). Unter den 129 Blühpflanzen sei der Echte Seidelbast (Daphne mezereum, BArtSch), die Höhere Brombeere (Rubus elatior, RL V) und als Highlight: der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora, RL 3, BArtSch) genannt.

Das AMIS-Team war diesmal mit 13 PilzexpertInnen dabei, die teilweise weitangereist waren, um uns zu unterstützen. Inge Rößl hat sich auf die Kleinstpilze spezialisiert und findet zu jeder Jahreszeit ihre "Beute", denn der geniale Recyclingbetrieb der Pilze läuft das ganze Jahr durch. 36 Arten entdeckte sie auf abgestorbene Ästchen, Halmen, Tierkot und ähnlichen Substrate. Wegen der Kleinheit der Pilzchen, müssen sie mikroskopisch und anhand aufwändiger Literaturrecherche bestimmt werden. So ist die Pilzausbeute mit 64 verschiedenen Arten recht beachtlich. Darunter der nicht so häufige Tannenfeuerschwamm (Phellinus hartigii, RL V), der verletzte Bäume angreift und zur Weißfäule führen kann. Des weiteren seien genannt der skurril aussehende Blattartige Zitterling (Phaeotremella frondosa), der Blutrote Borstenscheibling (Hymenochaete cruenta, RL V) und der hübsche Wachsgelbe Wollbecherling (Lachnum cerinum).

Walter Sage und Stephan Stadler haben sich der Käfer (115), Wanzen + Zikaden (9) und Heuschrecken (9) angenommen und auch die Funde der Kinder nachbestimmt.

Auf dem Waldboden und den Waldwegen wurden etliche Frühlingsmistkäfer (Trypocopris vernalis) und Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus) gefunden. Diese großen blauen, bzw. schwarzblauen Käfer ernähren sich von Kot oder totem Kleingetier und gehören somit zur "Müllabfuhr" im Wald. Ein besonderer Fund gelang mit dem Großen Waldgärtner (Tomicus piniperda), deren Larven die Triebe von Nadelbäumen hohlfressen, sodass diese irgendwann abbrechen, manche Baumkronen sehen dann wie beschnitten aus, daher der deutsche Name. Das Highlight hier war der vom Aussterben bedrohte Schwarze Grubenlaufkäfer (Carabus variolosus ssp. nodulosus, RL 2-FHH-II). Dessen Lebensraumansprüche im Gebiet erfüllt werden.

Der Bunte Grashüpfer (Omocestus viridulus) und auch die Feldgrille (Gryllus campestris, RL V) konnten notiert werden.

Bei den Spinnen und Spinnentieren sah es vergleichsweise gut aus. Die zu erwartenden Arten waren teilweise in großen Mengen da, wie z.B. die Wespenspinne (Argiope bruennichi). Unter den 35 gefundenen Spinnenarten waren die weniger häufig gefundene Verkannte Kürbisspinne (Araniella opisthographa) und der Netzwolf (Aulonmia albimana). Am Bach und in der Feuchtwiese waren einige Gerandete Jagdspinnen (Dolomedes fimbriatus, RL 3, BArtSch) unterwegs. Sie gehören zu den größten heimischen Spinnen mit Körperlängen bis zu 22 mm.

Bei den Wildbienen sah es diesmal nicht so gut aus, da die große Wiese gemäht war. Aber 17 verschiedene Wildbienenarten konnten Daniela Ehm und Karl Lipp dennoch identifizieren. Der Fund der Knautien-Sandbiene (Adrena hattorfiana, RLB 2) am südlichen Waldrand war das Highlight.

Bei den sonstigen Fluginsekten hatten wir dieses Jahr Unterstützung von Jürgen Peters aus Borgholzhausen, der etliche sehr gute Fotos bestimmen konnte. Sodass hier am Ende 24 verschiedene Arten in der Liste standen. Das wird der echten Insektenvielfalt natürlich nicht gerecht, aber für die GEO-Tage der BUND Naturschutz Kreisgruppe recht gut.

Stefan Stadler und Walter Sage haben das Gebiet auch auf das Vorkommen von Libellenarten untersucht und dabei 8 verschiedene Arten notieren können. Neben der zahlreich fliegenden Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) wurden auch die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii, RL V) gefunden. Nicht so häufig, aber im Bereich der Wiese massenhaft aufgetreten, ist der Europäische Bachhaft (Osmylus fulvicephalus).

Außer Erdkröte (Bufo bufo) und Grasfrosch (Rana temporaria) konnten keine Amphibien entdeckt werden. Hier würde eine Aufweitung des Baches hin zur Wiese weiteren Arten Lebensraum verschaffen.

In der feuchten Umgebung des Waldes fühlten sich die Schnecken sehr wohl und waren zahlreich vertreten. Johann Münzhuber, dem die Funde gebracht wurden, konnte immerhin 12 Arten identifizieren. Neben der massenhaft vorkommenden Gewöhnlichen Wegschnecke (Arion vulgaris) gelang auch der Fund von 2 Großen Laubschnecken (Euomphalia strigella, RL 3). Auch die Graue Wegschnecke (Arion circumscriptus), die mit ihrer hellgrauen Färbung ein bisschen wie eine kranke Wegschnecke aussieht, war zahlreich im Gelände anzutreffen.

Gegen Mittag fanden sich die ExpertInnen und ihre BegleiterInnen im Basislager zu einer Brotzeit ein. Nebenbei wurde gefachsimpelt, nachbestimmt und am Ende erfolgte für alle eine kurze Vorstellung der Funde.

Besonders gefreut hat uns die Teilnahme von Alfred Stockner, Bürgermeister von Reischach und Monika Maier, Bürgermeisterin von Erlbach. Das Untersuchungsgebiet liegt auf Flächen beider Gemeinden. Auch die Umweltreferentin von Reischach, Sandra Maier ist gekommen, ebenso Robert Demmelhuber, einer der Waldbesitzer.

Über alle Fachgebiete hinweg enthält die Artenliste 668 Arten, davon sind nicht alle bis zur Art bestimmt.

Die komplette Liste und den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Die Verköstigung und Druckkosten wurden von Otfried Lörcher und Dr. Thomas Kuhn mit einer Spende unterstützt. Vielen Dank dafür!