Ausflug 125: Industrieerweiterungen

LK

LK AÖ: „Fahrrad“ Nr. 125                                      Stand 7. 2010

 

„Burghausen: Industrieerweiterungen“

 

(Bann-)Wald, Rodungen und Ersatzaufforstungen

 

 

Weglänge: Runde mit Abstechern ca. 17 km, ca. 200 Höhenmeter.

Wegqualität: Man fährt auf guten Rad-, Forstwegen oder Straßen.

Nähere Informationen:
Kartenmaterial: Eine Karte im Maßstab 1: 50 000 ist immer wichtig.
Natur: Nähere Informationen im Internet zum Bayerischem Waldgesetz und dem Bannwaldbegriff, zu Stellungnahmen und ausführlicheren Informationen des BN (hier auf dieser Webseite unter „Kreis- und Ortsgruppen“, „Burghausen“), zu einer Fauna/Flora-Untersuchung im Bereich des geplanten „KV-Terminals“ (hier auf dieser Webseite unter „Kreis- und Ortsgruppen“, „Kreisgruppe“).
Informationen inkl. Sagen, Geschichten zu hier aufgeführten Themen auch für Kinder und Schulklassen vermitteln z.B. spezielle naturkundliche Führungen (Monika Hager, Tel: 08677 – 63728, E-Mail: monikahager(at)gmx.de; Marion Strauss-Barthel, Tel: 08677 - 873998, E-Mail: strauss-barthel(at)gmx.de, www.umweltbildung-altoetting.de).

Variante für Kinder: Für Kinder, die Fahrradfahren können, wegen der geringen Länge und guten Wege kein Problem, vielleicht aber nicht so interessant.

Öffentliche Verkehrsmittel: Keine Hilfe bei dieser Tour.

Taxi: Gaßner (Tel: 08677-3339), Schwarz (Tel: 0800 2133321)

Einkehrmöglichkeiten: In diesem Bereich gibt es nur das Gasthaus „Altenbuchner“ in Neuhofen, oder am Anfang und Ende in Burghausen.

Mitarbeit: Wer weitere interessante Informationen beisteuern mag oder Fehler findet, ist  herzlich eingeladen, hier beizutragen (Dr. Ernst-Josef Spindler, E-Mail: ernst-josef.spindler(at)web.de oder Tel: 08677 – 62683).

 

Diese Tour zeigt derzeit die größten Unterschiede zwischen der Google-Map und der Wirklichkeit, da seit den Satellitenaufnahmen ca. 110 ha Wald (ca. 58 ha „normaler Wald“ und ca. 52 ha „Bannwald“) gerodet und teilweise bebaut wurden.

 

1            Ausgangspunkt: Burghausen Bahnhofsvorplatz. Bei Ampel über die Marktler Straße, Richtung Marktl und bei dem Fußgängerweg über die Alexander-Wacker-Straße.
Etwa 100 m nach Überqueren der Franz-Alexander-Straße befindet sich links ein etwa 4 m hohes

2            Denkmal „Richtstätte Weh“ des Rentamtes Burghausen, das u.a. an den Hexenwahn erinnert: Dieses Denkmal des Burghauser Künstlers Hans Frank (2010 verstorben) weist u.a. auf das schreckliche Schicksal des 12-jährigen Waisenkindes Frickl hin, das 1719 "wegen Wetter-Zauberei" mehrere Monate lang "gütlich und peinlich (unter Folter)" befragt, verurteilt und am 15. 12. 1719 an dieser Stelle mit dem Schwert mit großer Zuschauerschaft hingerichtet wurde. Raimund Frickl wurde als Sohn eines Salzachschiffers in Burghausen geboren, am 31. 8. 1707 in der Jakobskirche getauft und am 5. 5. 1719 in das städtische Gefängnis im Rathaus eingeliefert. Neben dem bayerischen und dem burghauser Wappen verweist hinten ein Rad auf die Foltermethoden, der darunter befindliche gebrochene Richterstab auf das Prozessurteil und das Schwert vorne auf die noch humanste Hinrichtungsart.
Weiter auf den Fahrradweg Richtung Norden (Marktl), über den Alzkanal. Der Radweg biegt inzwischen hier nach links ab, rechts ist die

3            OMV-Gleisharfe (BPl 83, 6,5 ha, „normaler Wald“):
Weiter den Radweg entlang bis zur Unterführung unter der Seitenstraße nach Haiming, diese soweit entlang, bis man das Industrieerweiterungsgebiet Wacker rechts gut sehen kann. Die Gleisharfe dient dem Bahntransport der verschiedenen Güter, die bei der OMV hergestellt werden.
2014: In der Zwischenzeit wurde eine weitere an die Gleisharfe westlich anschließende Fläche als Gleisharfenerweiterung genehmigt und gerodet. Gebaut wurde dort noch nichts.

4            Industrieerweiterung Wacker-Chemie GmbH (BPl 85, 35 ha, „normaler Wald): Ein kurzer Abstecher entlang der Straße nach Haiming lässt die Industrieerweiterung sehen. Im wesentlichen wurden bisher zwei Erweiterungen der Produktion von Solarsilizium errichtet.
Zurück zum Radweg nach Marktl und diesen weiter entlang. Etwa auf der Höhe einer kreuzenden Starkstromleitung beginnt die Industrieerweiterung OMV/Borealis.

5            Industrieerweiterung OMV/Borealis (BPl 81, 16 ha „normale Wald“ und 2.3 ha Bannwald für Straßenanbindung): Diese Erweiterung wird derzeit noch sehr extensiv genutzt; man sieht einstöckige Läger, Bauten von „Fremdfirmen“, Parkplätze, …
Nun die Bundesstraße parallel zur Starkstromleitung überqueren und dem ersten Weg links folgen.

6            KV-Terminal mit Infrastruktur und Serviceverbund (BPl 87, 22 ha „Bannwald“): Hier, parallel zum Alz-Kanal, plant die Stadt Burghausen ein neues Bahnterminal, das besonders von der Wacker-Chemie GmbH genutzt werden soll. Daneben soll eine weitere Fläche für eine Rohrleitungsfertigung für die Wacker-Chemie genutzt werden. Der BN hat in einer ersten Stellungnahme vor allem bemängelt, dass
* alternative Standorte nicht bzw. nur sehr oberflächlich bewertet wurden,
* die Auswirkungen auf den Verkehr nicht durchgängig dargestellt wurden,
* für die Bewertungen kein Kriterienkatalog erstellt wurde.
Die Stellungnahme finden Sie auf unserer Webseite unter www.bn-altoetting.de, „Kreis- und Ortsgruppen“, „Stellungnahmen“.
Ähnliche Kritikpunkte kamen noch von einer Reihe weiterer Institutionen, auch von der Regierung von Oberbayern.
Inzwischen (Juli 2010) wurde die Planung für das KV-Terminal getrennt vom Serviceverbund weiter geführt. November 2010 beginnt das Planfeststellungs-verfahren mit dem Oktober 2011 als Zieltermin für einen Planfeststellungsbe-schluss. Ein Betriebsstart Anfang 2013 erscheint Anton Steinberger (Burghauser Wirtschaftsförderung) realistisch. Die Förderung ist noch offen, das entsprechende Budget scheint gekürzt! (ANA, 16. 10. 2010)
2008 hat die Kreisgruppe des BN anlässlich eines GEO-Tages in diesem Gebiet Fauna und Flora unter starker Anteilnahme der Presse untersucht, die Ergebnisse sind ebenfalls auf unserer Webseite unter „Themen“, „Artenschutz“ zu finden.
2011: Inzwischen wird das KV-Terminal (mit Infrastruktur für das Terminal) unabhängig von dem Serviceverbund geplant (BPl 87a); es handelt sich um 13, 8 ha, vor allem Bannwald.

2014: Mit der

"Ergänzung und Änderung des Flächennutzungsplanes mit integriertem Landschaftsplan "Güter-verkehrszentrum - Industriegebiet Vierlindenschlag"" westlich der Bundesstraße 20

sollen 24,6 ha Bannwald in ein Industriegebiet umgewandelt werden.



7            BPl 15 „Unteres Soldatenmais“ (Industriegebiet Haiming, 26 – 2.3 ha Bannwald): Hier hat die Gemeinde Haiming ein Industrie-Gewerbegebiet im Bannwald geplant; gegen unseren Widerstand (die Stellungnahme des Landesverbandes ist auf unserer Webseite unter www.bn-altoetting.de, „Kreis- und Ortsgruppen“, „Stellungnahmen“ zu finden) wurde es genehmigt. Bisher ist dort eine sehr flächenintensive Lagerhalle des Logistikunternehmens LOXXESS für die Wacker-Chemie errichtet; zusätzlich wird ein 800 MW GuD-Gaskraftwerk durch die OMV-Energie geplant, das 2012 in Betrieb gehen soll. Nur ein kleiner Teil (ähnlich wie in Irsching) der thermischen Leistung wird hier genutzt und muss weggekühlt werden.
2014: Zusätzlich wurde auf der Fläche eine Fertigungsanlage der "Kraftanlagen München" errichtet; das GuD-KW ist noch nicht gebaut, sein Bau hängt von erheblichen Subventionen durch den Staat ab, die anfangs nicht diskutiert wurden. Insgesamt dürften mehr als 50% der Flächen brach liegen. Der Wald ist weg, gebaut wurde nicht. Dies zeigt sehr gut, wie der Bedarf damals schön geredet wurde.
In der Südostecke ist ein kleiner Parkplatz der OMV eeingerichtet worden; er ist schrecklich vermüllt (15. 11. 2014).

8            Änderung bzw. Erweiterung des BPls 15 „Unteres Soldatenmais“ (Industriegebiet Haiming, 4 ha Bannwald): Erste fortgeschrittene Planungen für das oben erwähnte GuD-Kraftwerk wurden für die obige Fläche kommuniziert. Deshalb erstaunte sehr, wie auf einmal ein zusätzlicher Flächenbedarf angemeldet wurde, der diese Erweiterung auf einem Kiesabbaugebiet nach sich zog. Dieses Kiesabbaugebiet war 2005 genehmigt und der Kiesabbau begonnen worden; 2025 sollte es teils rekultiviert, teils als Sukzessionsfläche (im südlichen Teil) belassen werden. Wieder hat der BN ablehnend Stellung bezogen (siehe Webseite). Eine endgültige Entscheidung steht noch aus, vielleicht weil OMV noch nicht klar sagen kann, was gewollt ist, vielleicht weil Bauen auf einer aufgefüllten Kiesgrube problematisch ist.

9            Aufforstungsfläche: Hier ist eine der Aufforstungsflächen, mit denen gerodete Bannwaldflächen ausgeglichen werden sollen. Nach dem Bayerischen Waldgesetz müssen diese direkt an den Bannwald angrenzen. Das Pflanzgut besteht zu ca. 80% aus heimischem Laubholz; gleichzeitig wurden flächengleich zur Verbesserung der bestehenden (vor allem) Fichtenforste Laubholz nachgepflanzt. Nicht berücksichtigt wird (Waldgesetz), dass über viele Jahre die CO2-Speicherfähigkeit, seine Funktionen für den Wasserhaushalt, die Fauna etc. vernichtet ist.

10        Dann weiter durch Kemmerting (südlich von K. ein größeres Bodendenkmal „Brandgräberfeld der späten Bronzezeit und der Urnenfelderzeit sowie Siedlung der römischen Kaiserzeit“) nach Neuhofen (Kirche wird im Dehio beschrieben!; südlich von Neuhofen, schon innerhalb der Wacker-Chemie ein Bodendenkmal „Abschnittswall unbekannter Zeitstellung“). Von hier auf einem durchgehenden Fahrradweg entlang zurück bis zum Ausgangspunkt.

11        Wir haben hier noch eine Variante zurück aufgeschrieben, die interessanter als die oben ist, nämlich die der Salzach entlang; es gibt kaum einen interessanteren Blick auf den Salzachdurchbruch als von diesem Weg aus. Die Problematik dieser Variante besteht darin, dass der Weg unterhalb des Burghauser Krankenhauses, im Bereich des Kreuzfelsens, gesperrt ist, da dort laufend leichter Steinschlag vorherrscht. Es ist auch nicht auszuschließen, dass dort einmal einer der überhängenden Nagelfluhfelsen abbricht und auf den Weg stürzt; ein ca. 6 bis 8 m3 großer Felsbrocken brach auch etwa 2000 um die Neujahrszeit ab und glitt den Steilhang hinunter und blieb auf dem Weg liegen, wo er leider nach einigen Monaten zerkleinert und beseitigt wurde. Uns ist kein realer Unfall an dieser Stelle bekannt, aber – wie gesagt – der Weg ist gesperrt, die Behörden entledigen sich auf diese Weise jeder Verantwortung, mit Recht. Inzwischen ist die Sperrung verschärft worden, mit einem schwer bepackten Rad ist die Sperrung bei Burghausen kaum zu überwinden; zudem wird der Weg durch Mehlsandanhäufungen, einige umgestürzte Bäume, vernässte Stellen und stärkeren Bewuchs immer naturähnlicher; inzwischen (Juli 2010) ist der Weg allerdings wieder etwas bequemer befahrbar.
Zudem führt diese Variante einige hundert Meter entlang der Kläranlage der Wacker-Chemie, auch das mag manchem nicht so gefallen. Eine zweite Variante führt auf einem schlechteren Weg näher am Salzachufer entlang und vermeidet obige Nachteile.

Quellen:

Q1 „Natur im Landkreis Altötting“, Antje Jansen; 2007 (?), Landratsamt Altötting (?). Die geologischen Aussagen in diesem Buch sind leider oft unrichtig.

Q2 „Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern“ bzw. „…, Bayern II: Niederbayern“. Deutscher Kunstverlag, 2002

Q3 „Reclams Kunst Führer: Österreich I bzw. Österreich II“.Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1981

Q4 „Grüner Reiseführer Landkreis Altötting“, Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, Altötting e.V., 2003

Q4 Liste der bayerischen Naturdenkmäler

Q5 Informationen in vielen Webseiten der größeren Gemeinden meist nach dem Schema www.ortsname.de, z.B. www.burghausen.de.

Q6 „Jahrmillionen vor der eigenen Tür“, Simon Pittner. Burghauser Geschichtsblätter, 32. Folge, 1973. Dieses lokale geologische Standardwerk ist leider vergriffen.

Q7: Karte mit den bayerischen Bodendenkmälern und anderen Denkmälern