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Ausflug 185: Burghausen - Gilgenberg, "Meier Helmbrecht-Pfad"

Meier Helmbrecht Pfad

eine Radrundtour durch die österreichischen Gemeinden Hochburg-Ach und Gilgenberg. Die Rundtour ist von der Neuen Brücke (Burghausen) ab ca. 30 km lang, steigt ca. 100 m an und fällt auch als Rundtour wieder 100 m ab. Sie führt fast ausnahmslos auf Sträßlein dritter Ordnung durch eine ländlich geprägte Gegend.

Einkehren: Einige der Gaststätten entlang des Meier Helmbrecht-Pfades sind inzwischen geschlossen, in Hochburg-Ach gibt es (Stand Juli 2025) den Stiftsgasthof mit Übernachtungsmöglichkeit; in Gilgenberg den Scharinger Hof, ebenfalls mit Übernachtungsmöglichkeit. Die genauen Öffnungszeiten bitte bei Bedarf nachfragen. Empfehlenswert (z.B. wegen der Lage kurz vor dem Ende dieser Rundtour, aber auch wegen der Speise- und Getränkekarte) ist der Most- und Hofladen Grünhilling 8, der in den letzten Jahren geöffnet wurde. Natürlich gibt es in Burghausen viele Gaststätten aller Art.

Die mittelhochdeutsche Versnovelle Helmbrecht, verfasst vermutlich zwischen 1250 und 1280 von Wernher der Gartenaere  im bairisch-österreichischen Raum, erzählt in 1934 Verszeilen die Entwicklung des Bauernsohnes Helmbrecht zum Raubritter, sein sündhaftes Leben und dass er dafür mit einem schrecklichen Ende büßen muss. (Quelle Wikipedia)

Den genauen Weg zeigt eine Google-Map Karte. Die Rundtour führt an 10 Tafeln entlang von Burghausen über Hochburg nach Gilgenberg und zurück; auf den Tafeln werden wichtige Stationen aus dem Leben von Meier Helmbrecht erzählt, immer mit mittelhochdeutschen Versen und der hochdeutschen Übersetzung; unten auf den Tafeln sind mit Entfernungsangaben die letzte und die nächste Tafel angegeben. 

Inhalt der Versnovelle (Quelle Wikipedia):
Hauptfigur und „Held“ der Dichtung ist der junge, gutaussehende Helmbrecht, Sohn des Gutsverwalters (Gutsverwalter = Meier) Helmbrecht. Er möchte gerne Ritter werden, um wie diese ein angenehmes Leben zu führen und verlässt den Hof. Sein Vater kann ihn nicht überzeugen, dass gutes Wasser besser als Wein ist. Er schließt sich unter dem Namen Slintezgeu  (Verschling das Land) einer Raubritterbande an und zieht ein Jahr lang mordend und plündernd durch die Lande. Nach einiger Zeit ergreift ihn das Heimweh, und er verlässt die Bande wieder.

Der zweite Erzählblock schildert die Heimkehr Helmbrechts und seinen einwöchigen Aufenthalt im Vaterhaus. Helmbrecht verbringt sieben Tage bei seiner Familie, die er reich mit gestohlenen Schätzen beschenkt, sehnt sich aber wieder nach seinem Leben als Raubritter. Alle Überredungsversuche des Vaters, Helmbrecht von seinem frevelhaften Leben abzuhalten, scheitern. Voller Hochmut bekennt sich dieser stattdessen zu seinen Untaten als Raubritter, die ihm das „bessere“ Leben ermöglichen. Zudem überbringt er seiner Schwester Gotelind die Brautwerbung eines Raubkumpans und verspricht ihr ein Leben in Reichtum und Überfluss. Sie nimmt den Antrag schließlich an und verfällt so ebenfalls dem Hochmut. Helmbrecht kehrt nun zu den Spießgesellen zurück.

Der dritte Erzählblock berichtet von den Hochzeitsvorbereitungen bis zur Verstoßung Helmbrechts. Bald nach der prachtvoll gefeierten Hochzeit - eine Parodie auf die am Hofe geltenden Tugenden - wird die Räuberbande von der Obrigkeit ausgehoben und mühelos überwältigt. Während die anderen Raubritter allesamt gehängt werden, wird Helmbrecht als Zehnter nach altem Brauch „begnadigt“, ihm werden aber die Augen ausgestochen und ein Fuß und eine Hand abgehackt. Er sucht Zuflucht bei seinem Vater, dieser jedoch weist ihn voller Abscheu ab. Lediglich ein Stück Brot kann ihm seine Mutter zustecken. Ging er zuvor ein Jahr lang als Raubritter durchs Leben, so muss er nun ein Jahr lang für seine Sünden büßen.

Der vierte und letzte Erzählblock beschreibt das Ende Helmbrechts im Wald. Er fällt fünf Bauern, bei denen er gemordet und geplündert hat, in die Hände; sie hängen ihn schließlich am nächsten Baum auf. Die Erzählung schließt mit der warnenden „Moral von der Geschicht“. 

Die Tafeln im Einzelnen:
Tafel 1 war vor der Burghauser Burg und ging verloren. Wir fahren über die „Neue Brücke“ nach Österreich und beginnen mit der


Tafel 2: Der Vater versucht vergeblich, den Sohn zu einem bescheidenen Leben zu überreden, preist das hervorragende Wanghauser Wasser, der Sohn möchte aber lieber den Wein der Reichen trinken. Ganz in der Nähe nördlich ist ein Naturdenkmal mit zwei stattlichen Platanen, abgerundet durch einen dritten ähnlich großen Spitzahorn. Weiter hoch über Eintiefungsstufen der Salzach (z.B. Stufen, die auf beiden Seiten der heutigen Salzach sichtbar sind und einander entsprechen, so die Raitenhaslacher Klosterstufe und dieösterr. Holzgassener Stufe). Auf diesen Stufen floß die Salzach über Jahrhunderte, bevor sie sich wieder weiter eintiefte. Weiter zur Kunstschmiede Robert Lechner mit der 
 

Tafel 3: Meier Helmbrecht wird mit geschmiedeten Waffen ausgestattet, die ihm seine Mutter schenkt. Weiter zum ehemaligen Gasthaus „Auracher“ in Kreil und der
 

Tafel 4: Essen im Mittelalter. Leider ist auch dieses alte Gasthaus heute geschlossen. Weiter zur
 

Tafel 5 beim Pfarramt in Hochburg: Dort wird das Thema Hochzeit behandelt, die damals nicht vom Pfarrer, sondern vom Brautvater vollzogen wurde. Meier H. konnte seine Schwester überreden, einen seiner Raubritterkumpel zu heiraten, aus einer Bande, die auf dem Lande ihr Unwesen getrieben hat.

Nahe der Tafel ist ein weiteres Naturdenkmal gestanden, eine Stieleiche (Quercus robur): Sie wies zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung einen Stammumfang von 4,5 m (in Brusthöhe), einen Kronendurchmesser von rund 25 m und eine Höhe von rund 30 m auf.

Danach am Schloss der Castell zu Castell vorbei und weiter queren wir ein Abflusstal des Würm-eiszeitlichen Gletschers; bevor der am Ende der letzten Eiszeit aufgestaute Eissee über die junge Salzach auslief, war hier der Abfluss des Gletscherwassers. "Solange der Gletscher auf seinem Höchststand verharrte, flossen seine stärksten Schmelzwässer weiter östlich, durch eine breite Bresche zwischen Hochburg und Ruderstallgassen in den Unteren Weilhardt ab." (Zitat aus Simon Pittner, "Jahrmillionen vor der eigenen Tür". Burghauser Geschichtsblätter, 32. Folge). Weiter zur 
 

Tafel 6: Gerichtswesen: Gegenüber des seit langem geschlossenen Bauernwirts in Ruderstallgassen wird über die mittelalterliche Gerichtsbarkeit aufgeklärt. Richtern und Schergen wurden übernatürliche Kräfte zuerkannt. Weiter zur
 

Tafel 7: Bauern werden Raubritter, wenn sie wie Ritter leben wollen. Die Tafel im Bitzlthal informiert über politische und wirtschaftliche Zwänge, die Ritter zu Raubrittern machten. Eine Rüstung kostete so viel wie ein Bauerngut, viele der Waffen durften Bauern überhaupt nicht tragen.  Weiter zur 
 

Tafel 8: Gilgenberg: Diese Tafel zeigt neben anderen den schlechten Zustand der Tafeln entlang des Pfades, der teils durch die Sonneneinstrahlung, Vandalismus etc. verursacht wurde. 

Wir besuchen das sehr schöne Ensemble der spätgotischen Pfarrkirche St. Ägidius, den Friedhof mit Ummauerung um die Kirche herum.

Weiter zur
 

Tafel 9: Helmbrechtshof: Hier wird die Geschichte der alten, im Gemeindegebiet von Gilgenberg befindlichen Höfe erklärt. Dort ist auch ein alter Hof zu sehen, der ev. mit Meier Helmbrecht verbunden ist. Weiter zur
 

Tafel 10: Adlige vertreiben sich auf Kosten der Bauern die Zeit: Tafel 10 informiert in Gänsfuß über höfisches Leben; auf Kosten der Bauern vertrieben sich die Adeligen mit Turnieren und Tänzen die Zeit. Dieses Ziel wollte, konnte Meier Helmbrecht aber nicht erreichen. Weiter Richtung Westen und nach kurzer Strecke weist an der Straße ein kleines Schild auf völlig überwachsene hallstattzeitliche Gräber hin; die kaum zu sehen sind. Weitere, jüngste Ausgrabungen in diesem Zusammenhang siehe unter https://www.gilgenberg.at/Huegelgraeber_in_Gaensfuss_aus_der_Hallstattzeit_1 . 

Weiter bis zur Mostschänke und Hofladen Grünhilling, wo man Hunger und Durst stillen kann; alte Gaststätten sind geschlossen, neue haben aufgemacht. Die Abkürzung über Endt zeigt auf der rechten Straßenseite einen sehenswerten Nagelfluhabbruch mit Überhängen. Weiter über Duttendorf, ev. zu einem Ausblick auf die Altstadt von Burghausen und die Burg, hinunter nach Ach und zurück zur Neuen Brücke.

Ansonsten genießen wir die Fahrt auf kleinen Sträßlein, durch Wälder, an Gehöften vorbei; wir erkennen den Wandel: Alte Gaststätten schließen, neue werden geöffnet. Die Tour ist eine schöne Vorbereitung, wenn man das Meier-Helmbrecht-Schauspiel am Bergerhof in Burghausen ansehen möchte. 

 

Für die Fahrt am 10. 08. 2025:

Die Fahrtstrecke beträgt ca. 40 km, ca. 180 Höhenmeter geht es auf und wieder abwärts. 
Bitte dem Wetter angepasst kleiden, Getränke und Essen mitbringen. 
Wegen kurzfristiger Änderungen, die wir auch auf unserer Webseite ankündigen, bitten wir Sie, sich auf unserer Webseite anzumelden. 
Treffpunkt ist das Kunsthaus an der „Neuen Brücke“ in Burghausen am 10. August 2025, 09:30 Uhr, Dauer bis ca. 17 Uhr.