Waldrapp NEWS 2013 12 03
Johannes Fritz

Die spannende Waldrapp Herbstmigration 2013 ist abgeschlossen

Etwa Mitte August haben die meisten Vögel die beiden Brutgebieten Burghausen und Salzburg verlassen. Und etwa Mitte November sind die beiden letzten Vögel im Wintergebiet angekommen. Es war eine recht langdauernde Herbstmigration. Und auch ein ziemlich anstrengender Zeitraum für alle Mitarbeiter und Volontäre, die an der Eskortierung der Vögel teilgenommen haben. Vielen Dank an alle!!!
Es ist definitiv das erste Jahr ohne Evidenz für Verluste durch illegale Vogeljagd. Das ist sicherlich vor allem auf das intensive Management im Rahmen der Eskortierung zurückzuführen, aber (hoffentlich) auch eine erste Wirkung der Kampagne gegen die illegale Jagd in Italien.
Unser italienischer Partner Parco Natura Viva hat die Produktion und Ausstrahlung eines Fernsehbericht über illegale Jagd NBI in Italien initiiert (hier). Es hat sich gezeigt, dass derartige Berichte die Öffentlichkeit in Italien für das Thema zu sensibilisieren vermögen.
Aktuell sind insgesamt 34 Vögel in der Toskana. Sie fliegen frei und werden von Daniela Trobe beaufsichtigt. Die Veterinärin Dr. Alexandra Scope von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat zusammen mit einer Kollegin kürzlich eine Veterinärscreening aller Individuen durchgeführt. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich nach Ende der Herbstmigration alle Vögel in einer guten Verfassung befinden.

Zudem wurde aktuell in mongabay.com ein Artikel veröffentlicht, der die Ziele der neuen LIFE + -Projekt beschreibt und auch die aktuelle Situation und die zukünftigen Pläne in Bezug auf die illegale Jagd NBI in Italien darstellt (hier).

Waldrapp NEWS 2013 11 15
Johannes Fritz

Eine lang anhaltende aber erfolgreiche Herbstmigration geht zu Ende

Anfang August 2013 verließen die Vögel ihre Brutgebieten in Burghausen/Bayern und Anif/Salzburg. Wie wir aus den Vorjahren kennen, blieben die Vögel dann für Wochen in der Region, offenbar um gute Nahrungsgebiete aufzusuchen. Am 3. September hat der erste Vogel die Alpen überquert. Am 17. September ist dann zum ersten Mal eine größere Gruppe von 7 Vögeln gemeinsam über die Alpen geflogen, mit dabei 3 Jungvögel.

Inzwischen kamen insgesamt 18 Vögel im Winterquartier an. Diese Gruppe beinhaltet auch fünf Jungtiere, die von den Elternvögeln aufgezogen wurden.

Während der Herbstmigration starb ein Jungvogel, der bei einem Versuch die Alpen zu überqueren wahrscheinlich von einem Greifvogel attackiert wurde. Ein weiterer Jungvogel verlor den Kontakt zum seinem Leitvogel und ist seitdem verschollen. Das ist bisher der gesamte Verlust. Es ist somit das erste Jahr, in dem es (bislang) keine Evidenz für Abschüsse in Italien gibt!

Diese positive Bilanz ist jedoch im Kontext eines intensiven und invasiven Managements zu sehen. Alle Vögel wurden mit GPS-Trackern ausgestattet. Die kontinuierliche Übertragung der GPS-Position erlaubte es uns, den Vögeln während der Migration zu folgen. In diesem Herbst waren bis zu vier Teams parallel am Weg. Bei jedem Zwischenstopp der Vögel informierten sie Jäger, Polizei, Medien und Öffentlichkeit. Es kann gesagt werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung einschließlich der kontaktierten Jäger interessiert und kooperativ waren. Darüber hinaus wurde die Mehrzahl der migrierenden Vögel in der Toskana, am Apennin oder zum Teil auch schon in der Po-Ebene abgefangen und in das Wintergebiet transportiert. Diese Maßnahme basiert auf der Erfahrung, dass in den letzten Jahren die meisten Verluste durch illegale Jagd in der finalen Phase der Migration erfolgten. Zudem wissen wir inzwischen, dass das weitere (Migrations-)Verhalten der Vögel durch das Abfangen während der Herbstmigration nicht beeinträchtigt wird.

Wir planen, dieses umfangreiche, aber effektive Management während der Herbstmigration mittelfristig (ca. bis 2016) fortzusetzen. Dies ermöglicht den Aufbau einer migrierenden Population mit einer substantiellen Anzahl von Vögeln, und es gibt uns Zeit die Kampagne gegen illegale Jagd zu implementieren.

All diese Vögel sind direkte über die Alpen migriert. Eine Ausnahme machte das Männchen Tara (2011), das derzeit noch am Weg ist. Es folgte einer Route entlang der Nordseite der Alpen in die Schweiz und weiter nach Frankreich. Von dort flog es dem Alpenrand folgend nach Süden und dann in östlicher Richtung nach Italien. Dieses Verhalten ist insbesondere in Anbetracht der Tatsache bemerkenswert, dass Tara im Jahr 2011 als Jungvogel eine Route östlich um die Alpen herum geflogen ist! Meines Erachtens ist dies aus wissenschaftlicher Sicht der spannendste Datensatz in unserer bisherigen Projektlaufzeit. Es ermöglicht Rückschlüsse auf das Orientierungsvermögen der Zugvögel und es weist auf die Relevanz und Konsequenz von Barrieren wie die Alpen hin. Das Highlight aber ist, dass Tara während dieser ganzen Reise von einem unerfahrenen weiblichen Jungvogel begleitet wurde, der aus der Brutkolonie Rosegg/Kärnten stammt und im Juli in die Brutkolonie Salzburg integriert wurde, zu der auch Tara gehört.

Waldrapp NEWS 2013 10 19

Laufende Herbst Migration
Insgesamt fünf Waldrappe sind inzwischen selbständig im Überwinterungsgebiet L.d. Orebgetello in der Toskana angekommen. Derzeit ist eine Gruppe von acht Vögeln unterwegs. Es ist bislang die größte Gruppe im Rahmen unseres Projektes die gemeinsam migriert. Sie besteht aus erfahrenen Migranten sowie Jungvögeln, allesamt aus dem Brutgebiet Burghausen/Bayern.
Der Schlafplatz 18./19. Oktober war in Südtirol, nördlich von Bozen. Alle Vögel tragen GPS -Tracker, die jeweils die aktuelle Position ein bis zweimal pro Tag überträgt. Die GPS-Positionen werden laufend auf unserer Facebook Seiten www.facebook.com/Waldrappteam (deutsch) undwww.facebook.com/bentornatoibis (italienisch) aktualisiert.
Basierend auf unserer Erfahrung gehen wir davon aus, dass die Vögel heute ihren Migrationsflug fortsetzen werden und bereits heute (Samstag) oder morgen die Po-Ebene erreichen. Wir sind sehr um die Sicherheit der Vögel besorgt, da es eine große Gruppe ist und besonders am Wochenende viel gejagt wird. Wir sind in Kontakt mit den Italienischen Jagdverbänden, um die Jäger in den betreffenden Regionen zu informieren. Darüber hinaus bitten wir alle Freunde des Projektes, nach Möglichkeit die Informationen weiter zu leiten, insbesondere an Jäger, Medien (Radio ) etc. in den betreffenden Regionen.
Darüber hinaus suchen wir Personen, die Zeit und Möglichkeit haben, unser Team zu verstärken, das den Vögel anhand der GPS Positionen auf ihrer Reise folgt.
Bitte kontaktieren Sie uns via folgender E-Mail: info@waldrapp.eu .
Vielen Dank für jede Unterstützung !

 

Waldrapp NEWS 2013 09 11

Johannes Fritz, Leiter des Waldrappteams, nominiert für den Indianapolis Preis 2014
Der weltgrößte Preis für Bemühungen im Artenschutz, dotiert mit einem Preisgeld von einer Viertelmillion Dollar, soll Menschen dazu ermutigen, mit neuen Ansätzen Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren.


Neununddreißig Naturschützer, die ihr Leben der Rettung von bedrohten Tierarten gewidmet haben, wurden für den alle zwei Jahre vergebenen Indianapolis Preis nominiert, der weltweit bedeutendsten Auszeichnung für Schutz bedrohter Tierarten. Der Gewinner erhält eine Preisgeld von 250.000 Dollar sowie die Lilly-Medaille. Fünf weitere Finalisten erhalten jeweils 10.000 Dollar.

Die Arbeit der Nominierten umspannt den Globus und umfasst eine breite Palette von Arten, darunter Waldrappe, Schimpansen, Schneeleoparden, Schildkröten, Pandabären, Fledermäuse, Schwäne und viele mehr. Ein internationaler Nominierungsausschuss bestehend aus renommierten, professionellen Naturschützern und lokalen Vertretern überprüft alle Nominierungen und wählt bis zum Frühjahr 2014 sechs Finalisten. Die Preis-Jury bestimmt dann den Gewinner, der Mitte 2014 bekannt gegeben und bei der nächsten Indianapolis Prize Gala am 27. September 2014 in Indianapolis ausgezeichnet wird.

Johannes Fritz wurde auf Initiative des Schönbrunner Tiergartens nominiert. Außer ihm sind unter anderem noch folgende Kandidaten nominiert:

Jane Goodall (The Jane Goodall Institute): Die weltberühmte Primatologin beschrieb als erste die Werkzeugherstellung bei Schimpansen und motiviert Menschen rund um den Globus zur Erhaltung und zum Schutz der Tiere und der Natur.
Christophe Boesch (Max Planck Institute für Evolutinäre Anthropologie/Deutschland): Der Primatologe widmet sich dem Schutz der Schimpansen, dem Kampf gegen “Bush Meat” und der Entwicklung neuer Methoden zum Schutz wildlebender Menschenaffen.
Biruté Mary Galdikas (Orangutan Foundation International): Die Primatologin erforscht seit über 35 Jahren Ökologie und Verhalten wildlebender Orang Utans auf Borneo, baute Auffang- und Auswilderungsstationen für beschlagnahmte Orangs auf und bewahrte große Regenwaldgebiete Borneos vor der Abholzung.
Carl Jones (Mauritian Wildlife Foundation): Biologe und Pionier des angewandten Populationsmanagements, um den Rückgang stark gefährdeter Arten umzukehren; maßgeblich an der Gründung des ersten Nationalparks in Mauritius beteiligt; beteiligt bei der Erhaltung von fünf Vogelarten deren Populationen aus weniger als 10 Individuen bestanden. Finalist für den Indianapolis Prize 2012.

Der Indianapolis Preis wurde erstmals im Jahr 2006 an George Archibald, den Mitbegründer der International Crane Foundation vergeben. Der Sieger 2008 war George Schaller, Naturschützer der Wildlife Conservation Society und eine Ikone des internationalen Artenschutzes. Im Jahr 2010 wurde der Preis an Iain Douglas-Hamilton vergeben, den Gründer von Save the Elephants, ein Pionier der Elefantenforschung und Wegbereiter im Kampf gegen die Wilderei von Afrikanischen Elefanten. Steven Amstrup, Ph.D., von Polar Bears International, erhielt 2012 den Indianapolis Preis für seine Arbeiten zum Schutz der Eisbären.

 

Waldrapp NEWS 2013 29. August Johannes Fritz

Pressemitteilung 28. August 2013

EU-gefördertes Wiederansiedlungsprojekt:
Der Waldrapp kehrt zurück!
‚Reason for Hope‘ – Start eines der größten europäischen Artenschutzprojekte
Die Europäische Union fördert die Wiederansiedelung des Waldrapps im Rahmen des LIFE+ Förderprogramms. Im August 2013 wurde der Fördervertrag unterzeichnet. Ziel ist die Wiederansiedlung einer ausgerotteten Zugvogelartart in Europa. Bis 2019 soll der einst in Europa verbreitete Waldrapp wieder ein heimischer Zugvogel werden. Das Projekt basiert auf den zehnjährigen Erfahrungen des Artenschutzprojektes Waldrappteam. Ein Schwerpunkt sind umfangreiche Maßnahmen gegen den illegalen Abschuss von Waldrappen in Italien.

Pressemitteilung download hier

Waldrapp NEWS 2013 06 20 Johannes Fritz

Abschuss des Waldrapp 'Archimedes' in Italien

Am 18. April flog unser Jungvogel Archimedes aus der WWF Oasi Laguna di Orbetello ab, zusammen mit zwei Geschwistern. Am 6. Juni hat die Forstpolizei (Corpo Forestale dello Stato di Padova) uns mitgeteilt, dass sie den Vogel in einem Gebiet im Norden der Provinz Padua in der Nähe des Flusses Brenta gefunden hat. Sie brachten ihn in den "Parco Faunistico Cappeller ', wo eine tierärztliche Grundversorgung erfolgte.
Am 7. Juni wurde der Archimedes dann an die Veterinärmedizinischen Universität in Wien gebracht. Dort musste der Vogel nach einer ärztlichen Untersuchung eingeschläfert werden, aufgrund seiner schweren Verletzung des linken Flügels. Der Oberarm war zerschmettert. Der tierärztliche Bericht stellt zweifellost fest, dass die Verletzungen durch eine Kugel verursacht wurden, während der Vogel flog.
Dies ist der erste konkrete Fall von Wilderei außerhalb der italienischen Jagdsaison. Die Polizeibehörde bemüht sich derzeit den Wilderer ausfindig zu machen. Gegebenenfalls werden wir gegen ihn eine Zivilklag auf Schadenersatz einreichen.

Englischer Bericht zum Download hier.

Waldrapp NEWS 2012  21. Mai, Johannes Fritz

Waldrapp goes LIFE!!!!!!

Wir haben die Information bekommen, dass unser großer EU Förderantrag genehmigt wurde. Somit können wir am 1. Jänner 2014 mit einen sechsjährigen LIFE Projekt beginnen. Ziel des Projektes ist die Wiederansiedlung der Waldrappe als Zugvögel in Europa, mit insgesamt drei Brutgebieten im nördlichen Alpenvorland und einem gemeinsamen Wintergebiet in der südlichen Toskana. Bis Ende 2019 sollen wieder zumindest 120 wilde Waldrappe in Europa leben. Wichtiger Inhalt des Projekts ist neben der Wiederansiedlung ein umfangreiches Packet an Maßnahmen gegen die illegale Jagd auf Waldrappe in Italien. Ein Teil dieser Maßnahmen konnte ja schon 2012 probeweise umgesetzt werden, mit ersten Erfolgen. Gerade diese Maßnahmen in Italien wurden von der Europäischen Gemeinschaft als wichtiger Mehrwert beurteile, also nicht nur im Interesse der Waldrappe.

Wir freuen uns darauf, die Arbeit nun in größerem Rahmen fortsetzten zu können, mit der Perspektive, diesem faszinierenden Vogel ein dauerhaftes selbständiges Überleben in Europa zu sichern. Und wir hoffen weiter auf Ihr Interesse und Engagement.

Eine Kurzbeschreibung unseres LIFE Projektes finden Sie hier.


16. Mai 2013 "Waldrapp goes LIVE+!!!"

Liebe Freunde und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, nun ist es definitiv, wir haben das LIFE Projekt bekommen!!

LIFE12 BIO/AT/000143: Reason for Hope - Reintroduction of Northern Bald Ibis in Europe; 1.1.2014 - 31.12.2019

Wie uns das Lebensministerium mitteilte, wurde unser Projektantrag mit insgesamt 71 Punkten bewertet, das ist EXZELLENT auf Gesamteuropäischer Ebene!!!

Ich bedanke mich bei allene KollegInnen vom LIFE Antragstellungsteam für ihr Engagement – es war eine riesengroße Aufgabe mit einem exzellenten Team!!!

Im Namen desLIFE Antragstellungsteams danke ich allen LIFE Partnern und Kofinanzierern, danke ich allen Personen und Institutionen die Unterstützungserklärungen und andere unterstützende Formulare unterzeichnet haben und danke ich allen Personen und Institutionen die in irgendeiner Weise in die Antragstellung involviert waren, das Waldrapp-Projekt unterstützt oder an uns geglaubt haben.

Was für eine grossartige Bestätigung nach all den Jahren!

Was für einen grossartige Chance für diesen wundervollen Vogel!

Nun starten wir offiziell die pre-LIFE Phase und bereiten uns auf den Start des LIFE Projektes am 1. Januar 2014 vor.

Bitte unterstützt uns weiter!

Lasst uns gemeinsam das Projekt zu einer Erfolgsgeschichte des Artenschutzes machen – und mit den Worten von Jane Goodall – zu einem Grund zur Hoffnung.

Johannes

Waldrapp NEWS 2013 05 10; Johannes Fritz