Killermast-Hochburg-Ach
Killermast-Hochburg-Ach

Foto Oliver Habel: Der "Killermast" in Hochburg-Ach, an dem in kürzester Zeit (um den 24. 7. herum) fünf Waldrappe durch Stromschlag getötet wurden! Er wurde inzwischen gesichert.

Jahresüberblick:

27. 7. 2018: Die Besuchsmöglichkeit der Waldrappbrutstelle von 16 - 17 Uhr ist eingestellt. Der Grund dafür: Die Waldrappe halten sich inzwischen kaum mehr an der Pulverturmmauer auf sondern erkunden die Umgebung Burghausens, die Wiesen der Laimgrube, ....

27. 7. 2018: Fünf Waldrappe durch Stromschlag getötet: Leider sind innerhalb kürzester Zeit 5 Waldrappe der Burghauser Kolonie durch Stromschlag an einem ungesicherten Mittelstpannungsmasten in Österreich gestorben; in diesem Punkt ist die Situation in Deutschland günstiger. Der Mast wurde inzwischen etwas gesichert. Mehr im untenstehenden Pressebericht.

20. 7. 2018: Alle Küken sind flügge, teilweise bis zu 18 Waldrappe bei der Futtersuche z.B. auf der Wiese beim Boltzplatz an der Pulverturmstraße! Ein bewegender Anblick!

25. 6. 2018: Drei Küken sind flügge! In der nächsten Woche werden weitere sechs flügge werden; die letzten drei Küken sind 3 Wochen später geschlüpft, also "Flügge-Zeit" in ca. 3 Wochen.

25. 5. 2018: Ein Großteil der Küken ist schon geschlüpft!

10. 5. 2018: Erwachsene Waldrappe in Burghausen und Brutnischenbelegung von links nach rechts:

Nest 1:Luna (032): 2013 in Bgh geboren + Jazu (020): 2011 in Bgh geboren; 4 Eier gelegt

Nest 2:Jack (002); 2007 in Rosegg geschlüpft: handaufgezogen. Brutgruppe (dh migriert nicht selbst) + Ayla (004): 2007 in Wien geschlüpft. Vater von Shorty (Brutgruppe); 4 Eier gelegt

Nest 3:Frodo (012): 2010 in Rosegg von ihren Eltern aufgezogen (Brutgruppe) + Lilu (001): 2005 im Tierpark Innsbruck geschlüpft. Handaufgezogen. Brutgruppe. Vater von Jazu (020); 3 Eier gelegt

Nest 4:Camillo (093): 2015 in Rosegg geschlüpft. Handaufgezogen. Brütet heuer zum ersten Mal. Hat letztes Jahr 5 Jungvögel ins Wintergebiet geleitet. + Francesco (034): 2013 in Bgh geschlüpft. Luna ist seine Schwester; 3 Eier gelegt.

Smeik (134): 2016 in Rosegg geschlüpft. Handaufgezogen. Hält sich nur sporadisch am Pulverturm auf. Ist noch nicht geschlechtsreif.

Waldrapp-App: Die WR-App zeigt einige Vögel als "tot" oder "Senderbatterie aus", die in den Burghauser Brutnischen eifrig brüten!

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4. 12. 2018: 2nd International Wildlife Reintroduction Conference & Symposium zur Wiederansiedlung von Zugvögeln

Im November 2018 nahmen fünf Mitglieder des LIFE Projektteams gemeinsam mit Experten aus der ganzen Welt an der 2nd International Wildlife Reintroduction Conference in Chicago teil. Organisiert wurde die Konferenz von der IUCN Reintroduction Specialist Group. Das Spektrum der Vorträge reichte von methodischen Ansätzen zum Management und zur Risikoabschätzung von Wiederansiedlungsprojekten über die Vorstellung aktueller Projekte  bis hin zu zukünftigen Arterhaltungsmaßnahmen wie „frozen zoos“, „genetic rescue“ und „de-extinction“. Während der Konferenz wurden fünf E-Poster zu verschiedenen Aspekten unseres laufenden Waldrapp-Wiederansiedlungsprojekts präsentiert.
 
Alle diese Vorträge machten deutlich, dass Wiederansiedlungen keine „exotischen“  Artenschutzmaßnahmen sind und die Ansicht, dass solche Maßnahmen nur geringe Erfolgsaussichten mit sich bringen, überholt ist. Wiederansiedlungen sind mittlerweile ein essentielles und professionell eingesetztes Werkzeug zum Schutz und zur Erhaltung gefährdeter Arten. In den erst kürzlich veröffentlichten IUCN Global Reintroduction Perspectives werden 349 Wiederansiedlungsprojekte genannt, die in der Mehrzahl als (sehr) erfolgreich beschreiben werden. Diese Projekte werden vor allem in Nord- und Südamerika, Neuseeland und Australien umgesetzt. Europa ist in diesem Zusammenhang unterrepräsentiert, wobei es selbstverständlich auch hier bekannte Wiederansiedlungsprojekte gibt, wie z.B. das langjährige Bartgeier-Projekt, das Projekt zur Wiederansiedlung von Fischadlern in der Schweiz sowie natürlich unser Waldrapp-Projekt.
 
Im Vorfeld der Konferenz besuchten vier unserer Teammitglieder einen viertägigen Trainings-Workshop zum Thema Effective Conservation Translocations, der ebenfalls von der IUCN Reintroduction Specialist Group veranstaltet wurde. Die dort vorgestellten quantitativen Ansätze für ein effizientes Projektmanagement möchten wir zukünftig in Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Reintroduction Specialist Group auch in unserem Projekt nutzen.
 
Das Highlight unserer Reise nach Chicago war das vom LIFE Waldrapp-Projekt organisierte eintägige Symposium zur Wiederansiedlung von Zugvögeln. Im Lincoln Park Zoo stellten 25 Teilnehmer verschiedene Projekte mit Zugvogelarten wie dem Schreikranich, der asiatischen Kragentrappe, dem Goldbauchsittich und dem Waldrapp vor. Ziel des Symposiums war es, verschiedene methodische Ansätze zur Erhaltung von Zugvogelarten kennenzulernen und zu diskutieren. Auf unserer Website stellen wir das Programm und die Abstracts/Präsentationen des Symposiums zur Verfügung.

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Erfolg im Artenschutz (28. 11.)

Der Waldrapp wurde in der Roten Liste gefährdeter Tierarten herabgestuft.Ziel unsers Projekts ist es, den Waldrapp als Zugvogel wieder nachhaltig zum Bestandteil der europäischen Fauna zu machen und ihn in der IUCN Red List noch weiter herabzustufen. Zudem hoffen wir, dass die beim Waldrapp erfolgreich angewandten Methoden in Zukunft auch die Herabstufung anderer bedrohter Zugvogelarten ermöglichen und er kehrt auch nach Europa zurück.

1994 wurde der Waldrapp in der höchsten Bedrohungsstufe critically endangered der IUCN Red List gelistet. Das hat sich nach 24 Jahren geändert. Im August 2018 konnte er auf endangered herabgestuft werden!

Der Grund war insbesondere die positive Entwicklung der letzten wildlebenden Population in Marokko. Von 56 Brutpaaren in den 90er Jahren ist der Bestand kontinuierlich auf aktuell 147 Brutpaare angestiegen. Zudem wurden im vergangenen Jahr erstmals Brutversuche außerhalb des Brutareals beobachtet. Dieser Erfolg ist insbesondere den marokkanischen Behörden zu verdanken, die sich sehr für den Schutz der beiden Kolonien einsetzen. Aber es ist auch ein Erfolg verschiedener internationaler NGOs, die sich in Marokko engagieren.

Die marokkanische Population weist allerdings nicht mehr das arttypische Zugverhalten auf. Mit dem Verschwinden des letzten Individuums der syrischen Brutkolonie im Jahre 2013 war der Waldrapp als Zugvogel in freier Wildbahn gänzlich ausgestorben. Aber auch das hat sich zum Positiven geändert. Im Rahmen des europäischen LIFE Projekts konnte nach fünf Jahren bereits einen Bestand von mehr als 100 wildlebenden Waldrappen aufgebaut werden, die wieder das arttypische Zugverhalten zeigen.

2018 war ein Rekordjahr für das LIFE Projekt. In den beiden Brutgebieten Burghausen in Bayern und Kuchl in Salzburg wurden in diesem Jahr 26 Jungvögel flügge. Weitere 6 Jungvögel aus dem Zoo Zürich und dem Tierpark Rosegg in Kärnten wurden in diesem Jahr hinzugesetzt, um die genetische Variabilität zu erhöhen. Diese Jungvögel folgten im Herbst ihren Artengossen in den Süden. Hinzu kommen 29 Jungvögel, die wir im Rahmen der menschengeführten Migration in das Wintergebiet geführt haben. Mit diesen 61 Jungvögeln ist die wildlebende Population in diesem Jahr trotz einiger Verluste auf 105 Tiere angewachsen.

Erfolgsmeldungen wie jene vom Waldrapp sind im Artenschutz selten und wertvoll, auch wenn die Art weiterhin als „gefährdet“ eingestuft wird. Es bedarf weiterer intensiver Bemühungen, um das Überleben der Waldrappe in Marokko, Europa und andernorts nachhaltig zu sichern.

Die marokkanische Population ist zu mehr als 95 % auf zwei Kolonien an der Atlantikküste konzentriert. Das birgt die Gefahr, dass der gesamte Bestand durch eine Naturkatastrophe, Krankheiten oder auch als Folge des Klimawandels erlischt, zumal das fehlende Zugverhalten vermutlich auch die ökologische Flexibilität der Population einschränkt. Daher sind weitere Schutzmaßnahmen essentiell.  

Die migrierende Population in Europa ist noch nicht selbständig überlebensfähig. Jedes Jahr müssen noch Jungvögel aus Zoohaltungen ausgewildert werden. Zudem sind Maßnahmen gegen illegale Vogeljagd und Stromtod an Mittelspannungsmasten notwendig, um das Überleben der Population nachhaltig zu sichern. Und auch die Wiederansiedlung einer weiteren, nicht-ziehenden Waldrapp-Population in Andalusien erfordert noch die jährliche Freilassung von Jungvögeln aus Zoohaltungen.

27. 10.: Herbstmigration 2018

 
 

Die Herbstmigration 2018 hat ganz regulär Anfang August begonnen. Zu der Zeit verlassen die Vögel aus Burghausen und Kuchl ihre Brutgebiete und sammeln sich im Alpenvorland. Ab Mitte September erwarten wir dann aufgrund der bisherigen Daten die Überquerung der Alpen. Dieses Jahr war allerdings Geduld angesagt. Anfang Oktober begannen zuerst die subadulten Vögel, die den Sommer südlich der Alpen verbracht hatten, zurück in das Wintergebiet zu fliegen.

Seit dem 22. Oktober ist die Herbstmigration auch bei den verbleibenden Vögeln am Alpennordrand im Gange. Ein großes Highlight war eine Gruppe von acht Vögeln, bestehend aus 2 adulten, zugerfahrenen Tieren und sechs Jungvögeln: Am 22. Oktober startete die Gruppe im Inntal in Tirol und flog ca. 280 km bis zum Gardasee. Der 23. Oktober brach dann alle bisherigen Rekorde. Die Gruppe flog in einem Stück über 400 km (!!) bis in das Wintergebiet. Noch nie hatten wir eine derart große Tagesflugdistanz gemessen und nach unseren Kenntnissen waren derart große Distanzen für Waldrappe bislang generell unbekannt.

In der Gruppe der acht Vögel war einer jener Jungvögel, die wir Ende Juli aus dem Zoo Zürich transferiert hatten, um die genetische Variation in unserer Population zu optimieren. Das war die erste derartige „Supplementierung“ und dieser Vogel namens Silvretta zeigte, dass die Methode funktioniert.

Ein zweiter Vogel aus dem Zoo Zürich, das Männchen Säntis, hatte im September den Kontakt zu seinen Artgenossen verloren, war in die Schweiz geflogen und hielt sich seitdem am Zürichsee auf. Von dort startete Säntis dann fast zeitgleich mit den 8 Vögel in Tirol und flog am ersten Tag rund 220 km auf einem Kurs direkt über die Westalpen bis nach Zermatt. Am 24. Oktober flog Säntis dann am Matterhorn vorbei ins Aostatal und weiter nach Italien bis in die Nähe von Turin. Die höchste GPS Position lag bei annähernd 2.800 Metern Seehöhe. Damit lieferte Säntis nach unseren Kenntnissen die höchste bislang gemessene Flugposition eines Waldrapps.

Spannend ist auch der Vergleich der Flugrouten dieser beiden Zürcher Vögel. Silvretta folgte den zugerfahrenen Artgenossen auf einem perfekten Südkurs direkt ins Wintergebiet in der Toskana. Säntis war dagegen auf sich allein gestellt und folgte konsequent einem Süd-West Kurs. Derartige Daten zeigen eindrücklich das Wechselspiel zwischen genetischer und sozial erlernter Information: Junge Waldrappe sind genetisch an das Zugverhalten angepasst. Im Herbst des ersten Lebensjahres benötigen sie aber die Hilfe von Artgenossen, um in das gemeinsame Wintergebiet zu gelangen.

Säntis hat den schwierigsten Teil der Migration allein geschafft, wenn auch auf Umwegen. Wir beobachten ihn anhand der GPS Positionen weiter und hoffen, dass er in Italien bleibt. Vielleicht trifft er dort auf migrierende Artgenossen. Ansonsten werden wir früher oder später versuchen Säntis zu fangen, um ihn ins Wintergebiet in der Toskana zu bringen.  

Abbildung: Die Karte zeigt die Flugrouten der beiden Zürcher Jungvögel. Während Silvretta den Artgenossen direkt in das Wintergebiet folgte, war Säntis auf sich allein gestellt und flog einem genetischen Richtungsvektor folgend konsequent Richtung Süd-West.

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11. 9. 2018: Menschengeführte Migration 2018 - Ein voller Erfolg

 

Am 28. August, genau zwei Wochen nach dem Start in Überlingen am Bodensee, sind wir mit 29 handaufgezogenen Waldrappen am Rande der WWF Oasi Laguna di Orbetello gelandet. Hinter uns liegen fünf Flugetappen und insgesamt 885 Flugkilometer. Es war eine außergewöhnliche Migration in mehrerlei Hinsicht.

Gleich der zweite Flug führt uns höher denn je zuvor. In bis zu 2.600 Meter Seehöhe überflogen wir den Arlberg und das Oberinntal. Wir mussten schließlich fast 1.000 Höhenmeter abbauen, um am Reschenpass zu landen, den wir im vergangenen Jahr erst im zweiten Versuch überqueren konnten. 

Beim darauf folgenden Flug wurde unsere Formation wie bereits im Vorjahr in der Region nahe Meran von einem Adler attackiert. Erfolg hatte der Adler auch diesmal nicht. Aber im letzten Jahr führte die Attacke dazu, dass die Vögel Höhe abbauten, sich im Tal verstreuten und wir den Flug auf der nächstgelegenen Wiese abbrechen mussten. Diesmal blieben die Vögel auf der Flughöhe und suchten die Nähe des Fluggerätes, sodass wir den Flug unmittelbar fortsetzen konnten.

Nach einem Pausentag folgte gleich der nächste Höhepunkt: Wir flogen mit den Vögeln über 228 km in 04:30 Stunden über die gesamte Poebene und, nach einer Landung zum Auftanken, auch gleich noch über den Apennin bis Borgo San Lorenzo.

Der abschließende Flug war auch zugleich der längste Flug dieser Migration. Nach 250 km, noch kurz vor der Landung, kreisten die Vögel in bester Thermik bis auf annähernd 1000 Meter über Grund, eine Höhe in die wir ihnen aus flugrechtlichen Gründen nicht folgen durften. Der Flug in der Thermik ist ein faszinierendes und müheloses Spiel, sowohl für die Vögel als auch für das Flugteam. Die finale Landung erforderte aufgrund von recht starkem Wind dann wieder volle Konzentration.

Natürlich stellt sich die Frage, warum die Vögel in diesem Jahr so außergewöhnlich motiviert und zuverlässig waren. Dafür mag es eine Reihe von Gründen geben. Maßgeblich war aber sicherlich insbesondere die innige Beziehung zwischen den Vögeln und den beiden Ziehmüttern Corinna und Anne. Die Beiden waren in Höchstform und haben mit großer Profession, viel Gefühl und enormem Einsatz starke soziale Banden mit ihren Vögeln geknüpft.

Aber es gab noch mehr Highlights: Wir verwendeten in diesem Jahr insgesamt vier verschiedene elektronische Datengeräte, die wir abwechselnd und zum Teil auch parallel an den Vögeln anbrachten. Drei Mitarbeiter waren mit den Datennahmen beschäftigt. Sie sammelten einzigartige Datensätze für die Grundlagenforschung. Sie testeten aber auch für die Entwickler die Funktonalität von ICARUS Tags, einer neuen Trackingtechnologie.

Und schließlich war diese Saison auch geprägt durch einen noch nie dagewesenen Umfang an internationalen Medienproduktionen. Highlight waren unter anderem eine Produktion für National Geographic, ein großer Artikel in „The Guardian“ und einen Produktion im Rahmen der RTL Show „Stern TV“. Anne-Gabriela Schmalstieg und Johannes Fritz werden in „Stern TV“  am 12. September um 22:15 Uhr live auftreten.

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26. 8. 2018 Die letzte Etappe

Nur noch eine Etappe trennt das Team der menschengeführten Migration vom Wintergebiet, der Laguna di Orbetello.

Am vergangenen Donnerstag, den 23.August, sind die Waldrappe aus der diesjährigen Handaufzucht eine weitere große Etappe geflogen. Start dieses knapp 225 Kilometer langen Fluges war am Donnerstag um 7.45 Uhr am Flugplatz in Thiene.

Das Ziel der Piloten, Ziehmütter und der Waldrappe war Borgo San Lorenzo bei Florenz. Im vergangenen Jahren wurde diese Etappe aufgrund von schlechten Wettervorhersagen im Gebiet des Apennin in zwei Etappen geflogen. Da die Waldrappe in diesem Jahr so unglaublich gut trainiert sind und zuverlässig dem Fluggerät folgen, konnte diese Distanz aber in nur einer Etappe und in einer Dauer von 04:25 Stunden geflogen werden. Für die Waldrappe war diese Distanz kein Problem, allerdings musste für die beiden Fluggeräte in der Nähe von Imola ein geplanter Tankstopp eingelegt werden. Aufgrund der ausgezeichneten Thermik konnten die Fluggeräte und die Waldrappe anschließend auf 1.200 Meter Höhe steigen und den Apennin ohne weitere Probleme überqueren.

Nach der Landung in Borgo San Lorenzo mussten die Waldrappe und ihre Zieheltern Corinna Esterer und Anne-Gabriela Schmalstieg nach einer kurzen Verschnaufpause das angekündigte Gewitter auf dem Flugplatz abwarten. Nachdem die Voliere aufgebaut war, konnten die Ziehmütter und ihre Schützlinge aber wieder trocknen.

Aufgrund der Wetterverhältnisse und als Pause in diesem Rekordlauf der menschengeführten Migration wird nach einem mehrtägigen Aufenthalt die letzte Etappe am Montag, den 27. August angetreten. Da mit starkem Nordwind zu rechnen ist, wird auch diese letzte Etappe noch einmal eine Herausforderung für das Team. Da die jungen Waldrappe in diesem Jahr aber so zuverlässig ihren Zieheltern in den Fluggeräten folgen, wird die Ankunft in Orbetello auf die Mittagszeit geschätzt.

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22. 8. 2018: In drei Etappen über die Alpen

 

Gestern erreichte das Migrations-Team den Flugplatz Thiene am Nordrand der Poebene. In nur drei Flugetappen mit einer Gesamtstrecke von 408 Kilometer wurden die Alpen überquert. Nun sind noch rund 500 Kilometer zu fliegen um das Wintergebiet der Waldrappe zu erreichen.


Die Königsetappe war der zweite Flug von Andelsbuch im Bregenzerwald über den Arlberg bis auf den Reschenpass. Am 19. August um 09:30 Uhr starteten zwei Fluggeräte mit je zwei Personen und 29 jungen Waldrappen im Gefolge in Andelsbuch im Bregenzerwald, Vorarlberg. In 02:15 Stunden legte die Formation 120 Kilometer zurück und landete auf einer Wiese am Reschenpass auf 1.500 Meter Seehöhe, direkt an der Grenze zu Italien. Diese Flugetappe führte über Warth und Lech auf den Arlbergpass und dann durch das Oberinntal weiter zum Reschenpass. Gut ausgeprägte Thermik brachte die Formation bereits bei Lech auf eine Flughöhe von 2.500 Meter, sodass der Pass problemlos überflogen werden konnte. Im weiteren Verlauf stiegen Vögel und Flieger noch auf 2.600 Meter, höher als je zuvor mit den Waldrappen geflogen wurde. Die Vögel sind zeitweise in der Thermik noch weiter gestiegen und einmal sogar in den Wolken verschwunden. Dieser Flug war für die Piloten und die beiden Ziehmütter an Faszination kaum mehr zu überbieten.

Zwei Tage später, am 21. August, startete das Team bereits wieder am Reschenpass. Für die Strecke von 190 Kilometer, an Meran und Bozen vorbei bis nach Thiene am Südrand der Poebene, waren mindestens 04:30 Stunden veranschlagt. Tatsächlich landetet das Team bereits nach 03:45 Stunden. Für Ziehmutter Anne-Gabriela Schmalstieg war es ein Geburtstagsflug! Die Vögel sind wieder unglaublich gut mitgeflogen und ließen sich bis auf 2.200 Meter Seehöhe führen. So konnten die Südtiroler Berge geradlinig überflogen werden. Selbst eine Adlerattacke kurz vor Meran konnte den Rekordflug nicht stoppen. Die Waldrappe reagierten sehr rasch und suchten die Nähe der Fluggeräte.

In diesem Jahr besteht das Migrationsteam aus 21 Personen. Mit dabei sind auch Wissenschaftler, die im Rahmen eines vom Österreichischen Wissenschaftsfonds finanzierten Forschungsprojektes untersuchen, wie und warum viele Zugvögel wie der Waldrapp in V-Formationen fliegen. Dazu tragen die Vögel währen einiger Flüge speziell entwickelte GPS-Datenlogger. Zudem kooperiert das Team auch mit der ICARUS Global Observation System GmbH, die eine innovative Technologie zur Tierortung entwickelt. Die Waldrappe tragen Prototypen dieser fünf Gramm schweren Sender und liefern den Ingenieuren wichtige Information zur Optimierung des Systems.

Bereist morgen, am 23. August, soll die Reise weitergegen. Geplant ist ein Flug quer über die Poebene. Bei gutem Verlauf soll auch gleich noch der Apennin überflogen werden. Damit würde die Serie an Rekordflügen fortgesetzt. Über die Reise wird auf unserer Facebook-Seite kontinuierlich berichtet. Kurz vor jedem Start wird ein Livetrack gepostet, über den man den Flug mit den Vögeln live mitverfolgen kann.

 

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18. 8. 2018: Die erste Etappe der Migration vom Bodensee ist geschafft!

Am 15. August ist die menschengführte Migration in den Süden der Toskana gestartet!
Nach fast drei Monaten im Trainingscamp in Hödingen bei Überlingen am Bodensee haben die 31 jungen Waldrappe aus der Handaufzucht im Flugtraining ihre ersten Schwierigkeiten überwunden und folgten den beiden Fluggeräten problemlos.

Die Gruppe der Waldrappe hatte in den ersten Trainingseinheiten einen eigenen Kopf entwickelt und war erst in den letzten Flugtrainingsstunden davon zu überzeugen, dass sie den Fluggeräten mit ihren beiden Ziehmüttern direkt folgen sollen. Zum Start am letzten Mittwoch waren dann aber alle startklar und die erste Etappe ins knapp 100 Meter entfernte Andelsbuch in Österreich konnte angetreten werden. Die perfekten Bedingungen für den Flug machten einen problemlosen Flug von zwei Stunden bis Andelsbuch möglich.

Nach einem aufregenden ersten Flug in unbekanntes Gebiet durften die Vögel dann auch ihre erste Nacht unter freiem Himmel verbringen und die Folgetage ausruhen.
Morgen wird die nächste Etappe Richtung Wintergebiet in Angriff genommen. Das nächste Etappenziel wird voraussichtlich Ried im Oberinntal sein und damit knapp 115 Kilometer entfernt von Andelsbuch liegen. Die besondere Herausforderung dieser Flugroute ist die Höhe, denn die Fluggeräte und die Vögel müssen über die ersten Berge der Alpen.

Teil der Migration sind in diesem Jahr auch zwei Forschungsprojekte. Soziale Bindungen zwischen den Vögeln werden schon in der Voliere beobachtet und dieselben Bindungen werden auch während des Formationsflugs gesucht und mit den Vorergebnissen verglichen. Dabei werden Datenlogger verwendet, die beim Beantworten dieser Frage helfen sollen, da sie die genaue Flugposition der Vögel abbilden.

Erstmals getestet werden innerhalb der menschengeführten Migration der Waldrappe Icarus-Tags des Max-Plancks-Instituts für Ornithologie.  Es werden verschiedene Einstellungen der Tags getestet, um unter anderem weitere Erkenntnisse über die Akkuladung in Erfahrung zu bringen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Weiterentwicklung der Tags gelegt, sodass durch die Vögel Ergebnisse geliefert werden können, ohne dabei selbst eingeschränkt zu werden.

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18. 8.: Start der menschengeführten Migration am 15. 8. geplant

Die wildlebenden Waldrappe aus den Kolonien in Kuchl und Burghausen sind bereits vor zwei Wochen aufgebrochen, um sich zu sammeln und dann gemeinsam in das Wintergebiet in der südlichen Toskana zu fliegen.

Auch die in diesem Jahr von Hand aufgezogenen Waldrappe, mit denen wir wieder in Hödingen bei Überlingen am Bodensee unser Trainingscamp aufgeschlagen haben, sind fast bereit um den Weg über die Alpen zu bestreiten.

„Diese Saison hatten wir 26 Trainingsflüge. Es war sehr spannend, da die Gruppe anfänglich noch einen eigenen Kopf hatte. Aber als es dann ‚Klick‘ gemacht hat, als sie verstanden haben, dass sie uns hinterherfliegen sollen, waren das noch sehr schöne Trainingsflüge. Ich freue mich jetzt schon sehr auf die Migration und hoffe, dass alles gut klappen wird.“, sagt Anne-Gabriela Schmalstieg, eine der beiden Ziehmütter.

Gerade werden noch die letzten Vorbereitungen getätigt und alle notwendigen Utensilien gepackt und ordentlich verstaut, damit einem problemlosen Flug der ersten Etappe nichts mehr im Wege steht.

Die menschengeführte Migration startet am 15. August um ca. 8.00 Uhr vom Trainingscamp unterhalb des Hödinger Sportplatzes. Das Ziel der ersten Etappe von ca. 100 Kilometern ist Andelsbuch in Vorarlberg.

Wie schon in den Vorjahren kann die Flugroute über einen Live-Track mitverfolgt werden; auf unserer Facebook-Seite und unserer Homepage werden dazu die neusten Informationen und Bilder gepostet.

10. 8. Bereit zur Migration

Gestern haben wir einen der letzten Trainingsflüge mit den Walrappen in Überlingen am Bodensee absolviert. Die 31 Vögel fliegen zuverlässig im Verband mit den beiden Fluggeräten. Die Flüge über Distanzen von bis zu 60 km gaben den Vögeln die Gelegenheit, Erfahrungen mit der Thermik zu machen. Auch zeigten die Vögel zunehmend die Tendenz, eine geordnete Flugformation zu bilden.


Nun stehen noch zwei kleinere Rundflüge am Programm, bevor voraussichtlich am 15. August die menschengeführte Migration beginnt. Bei diesen Rundflügen werden die Vögel erstmals mit neuen Datenloggern ausgestattet. Diese Geräte zeichnen die Position eines jeden Vogels mit hoher Frequenz (5 Hz) und Genauigkeit auf. Diese Datennahme ist Teil eines Forschungsprojektes, das vom Österreichischen Forschungsfonds finanziert und vom Waldrappteam gemeinsam mit Partnern durchgeführt wird. In diesem Rahmen untersucht die italienische Biologie-Dissertantin Elisa Perinot die Struktur und Funktion des Formationsflugs.

Während der letzten Tage war ein Team von National Geographic vor Ort, um das  Projekt zu dokumentieren. Der National Geographic Channel wird in 143 Ländern und in mehr als 160 Millionen Haushalten ausgestrahlt. Das ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe internationaler TV-Produktionen in diesem Jahr.

Wir sind auch in den internationalen Print-Medien gut vertreten, unter anderem in The Guardian und in Yale Environment 360 . Und selbst in TV-Shows ist der Waldrapp und das LIFE+ Projekt präsent, unter anderem in der US Show Right this Minute.

Diese öffentliche Präsenz des Projektes gibt uns auch weitreichende Möglichkeiten, allgemeine Themen des Artenschutzes zu kommunizieren. So ist der Waldrapp zu einer Zeigerart für die Bedrohung der Biodiversität durch illegale Vogeljagd geworden, zunehmend auch über die Grenzen von Italien hinaus. In ähnlicher Weise nutzen wir den Waldrapp auch als Zeigerart für die substantiellen Verluste von Großvögeln durch Stromschlag an ungesicherten Masten von Mittelspannungsleitungen.

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3. 8. 2018 Stromtod und Schutzmassnahmen

Am 21. Juli starben zeitgleich vier Waldrappe durch Stromschlag auf einem ungesicherten Mast einer Mittelspannungsleitung im Gemeindegebiet von Hochburg-Ach in Oberösterreich. Die Vögel nutzten den Mast als Rastplatz, es kam zu einem tödlichen Kurzschluss zwischen Leitung und Mast. Am darauf folgenden Tag starb noch ein fünfter Waldrapp am selben Mast. Die Vögel gehören zur Brutkolonie in Burghausen. Sie suchen ihre Nahrung häufig auf der gegenüberliegenden Seite der Salzach in Oberösterreich.

Stromtod an Masten von Mittelspannungsleitungen ist die häufigste Todesursache bei den wildlebenden Waldrappen des Europäischen LIFE+ Projektes. Seit 2014 wurden 28 Todesfälle durch Stromschlag registriert, 13 davon allein in Österreich.

Die Gefahr von ungesicherten Strommasten für Großvögel ist seit langem bekannt. Aber erst Projekte mit umfassendem elektronischen Monitoring, wie unser Waldrapp-Projekt, zeigen, in welch erschreckendem Umfang Großvögel wie der Waldrapp durch Stromschlag umkommen.

In Deutschland wurden bis Ende 2016 auf Basis einer gesetzlichen Regelung die Masten von Mittelspannungsleitungen großteils gesichert. Seitdem kam es dort bei den Waldrappen zu einem einzigen Todesfall. Das belegt die Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahmen.

Inzwischen wurde der betreffende Mast von der Netz Oberösterreich GmbH durch einen Überbau vorläufig gesichert. Durch den aktuellen Vorfall sehen wir uns bestärkt in unserer Forderung für umfassendere Maßnahmen seitens der Stromnetzbetreiber. Kaum eine andere Bedrohung der Biodiversität kann derart einfach und umfassend behoben werden. Die Isolierung der Stromleiter im Bereich der Masten macht diese Todesfallen zu sicheren Rastplätzen für alle Vögel. Zunehmen bekommen wir bei unserem Engagement auch Unterstützung durch die Politik, unter anderem durch unsere LIFE+ Projektpartner Land Salzburg und die Stadt Burghausen.

Die Stromnetzbetreiber zeigen zunehmend Bereitschaft für Artenschutzmaßnahmen. In einem Gespräch mit Vertretern der Energie AG Oberösterreich wurde die Sicherung gefährlicher Masten im Gemeindegebiet von Hochburg-Ach bis zur nächsten Brutsaison 2019 anvisiert. Es gibt auch konkrete Gespräche mit der Salzburg Netz GmbH zur Sicherung gefährlicher Masten im Brutgebiet in Kuchl. Und auch in den Bundesländern Tirol und Kärnten wurden bereits konstruktive Gespräche geführt. Es ist evident, dass diese Maßnahmen nicht nur der nachhaltigen Sicherung der Waldrapp-Population dienen, sondern auch von genereller Bedeutung für den Artenschutz sind.

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15. 5. 2018: Inzwischen schon 6 junge Waldrappen geschlüpft! Acht weitere sollen noch dazu kommen.

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2. 8. 2018 Kooperation mit Weltraumingenieuren

 
 
Das Training mit 31 Waldrappen in Überlingen/Hödingen schreitet gut voran. Die Vögel fliegen inzwischen sehr zuverlässig im Verband mit dem Fluggerät. Vorgestern sind wir erstmals mit zwei Fluggeräten vom Camp bis zum Flugplatz Radolfzell-Stahringen geflogen. Dort trafen wir uns mit dem Ornithologen Prof. Peter Berthold und einem Filmteam. Insgesamt war der Flug 55 km lang und die Vögel folgten den Fluggeräten problemlos.  

Im Camp Überlingen/Hödingen verfolgte Walter Naumann den Flug. Er ist CEO der ICARUS Global Observation System GmbH (I-GOS). Dieses in Immenstaad am Bodensee ansässige Unternehmen entwickelt ein ganz neuartiges, leistungsstarkes Ortungssystem für Tiere. Beteiligte am Projekt sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das russische Raumfahrtzentrum, die Max Planck Gesellschaft und das Max-Planck Institut für Ornithologie in Radolfzell.

Seit längerem sind wir in Kontakt mit der I-GOS. Jetzt ist daraus eine konkrete Kooperation geworden. Wir testen mit den Waldrappen Prototypen dieser innovativen Sender und geben den Ingenieuren dadurch wichtige Erfahrungswerte für die weitere Entwicklung. Das testweise Anbringen von Sendern und Dummies auf unseren Vögeln während der Flüge liefert Daten zur Messgenauigkeit, dem Ladevermögen der Solarpaneele, aber auch zu aerodynamischen Eigenschaften der Sender am Vogelkörper.

Auch während der menschengeführten Migration werden wir zeitweise I-GOS Sender auf den Vögeln anbringen. Diese fünf Gramm schweren Sender liefern neben der Position des einzelnen Vogels auch weitere Informationen zu Geschwindigkeit, magnetischer Orientierung, Luftdruck und Temperatur. Die Übertragung der Daten erfolgt in Verbindung mit einem Antennenmodul auf der Internationalen Raumstation. Dieses Modul ist zwar schon vor Ort, aber noch nicht in Funktion. Einstweilen werden die Daten noch mit einem terrestrischen Empfangsmodul ausgelesen. 

Apropos menschengeführte Migration, der Start hier in Überlingen/Hödingen wird am 15. August sein, wetterbedingt eventuell auch ein paar Tage verzögert. Wir folgen im Wesentlichen der Route des Vorjahres, in den Bregenzerwald, über den Arlberg und den Reschenpass nach Südtirol.
 
 

 

27. 7. 2018: Presseinformation Waldrappteam

 

LIFE Northern Bald Ibis
Kontakt: Johannes Fritz, info@waldrapp.eu; 0676 5503244

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Der Stromtod von fünf Waldrappen auf einem Mittelspannungsmast in Oberösterreich wird zum Weckruf für Sicherungsmaßnahmen

Am 21. Juli starben zeitgleich vier Waldrappe durch Stromschlag auf einem ungesicherten Mittelspannungsmast im Gemeindegebiet von Hochburg-Ach in Oberösterreich. Die Vögel nutzten den Mast als Rastplatz und stellten einen tödlichen Kurzschluss zwischen Leitung und Mast her. Am darauf folgenden Tag starb noch ein fünfter Waldrapp am selben Mast.

Gestern wurde der betreffende Mast von der Netz Oberösterreich GmbH durch einen Überbau vorläufig gesichert. Zudem wurde in einem Gespräch zwischen Vertretern der Energie AG OÖ und den Projektbetreibern als gemeinsames Ziel die Sicherung gefährliche Masten im gesamten Gemeindegebiet von Hochburg-Ach bis zur nächsten Brutsaison 2019 definiert.

Gefahr für die noch junge Wildpopulation

Nachdem Anrainer den Vorfall gemeldet haben, war Oliver Habel, Mitarbeiter des europäischen LIFE+ Wiederansiedlungsprojektes, umgehend vor Ort: „Fünf tote Waldrappe sind für uns ein schmerzlicher Verlust. Unsere Wildpopulation wird durch diesen Vorfall nicht akut gefährdet, immerhin umfasst sie inzwischen mehr als 100 Tiere, die Jungvögel dieses Jahres mit einberechnet. Aber die weitere Entwicklung der Burghauser Brutkolonie ist beeinträchtigt.

Stromtod an Mittelspannungsmasten ist mit Abstand die häufigste Todesursache bei den wildlebenden Waldrappen des Europäischen LIFE+ Projektes, das sich die Wiederansiedlung dieser hochbedrohten Ibisvögl zum Ziel gesetzt hat. Seit 2014 wurden 28 Todesfälle durch Stromschlag registriert, allein 13 davon in Österreich. Da bei rund der Hälfte der Todesfälle die Ursache unbekannt bleibt, ist von einer noch deutlich höheren tatsächlichen Zahl der Verluste durch Stromtod auszugehen.

Umgehender Handlungsbedarf

Johannes Fritz, Leiter des Wiederansiedlungsprojektes: „Die Gefahr von ungesicherten Strommasten für Großvögel ist seit langem bekannt. Aber erst Projekte mit umfassendem elektronischen Monitoring, wie unser Waldrapp-Projekt, zeigen, in welch erschreckendem Umfang Großvögel wie der Waldrapp durch Stromschlag umkommen. Es ist davon auszugehen, dass durch das flächendeckende Netz an Mittelspannungsleitungen auch die Bestände von anderen Arten wie Milane, Störche oder Uhus in ähnlichem Umfang dezimiert werden.“

Anlässlich des aktuellen Vorfalls fordert Johannes Fritz umgehend Maßnahmen: „Ich sehe die Politik ebenso wie die Stromnetzbetreiber in der Pflicht, hier umgehend konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Kaum eine andere Bedrohung der Biodiversität kann derart einfach und umfassend behoben werden. Die Isolierung der Stromleiter im Bereich der Masten macht diese Todesfallen zu sicheren Rastplätzen für Großvögel.“

Vorbild Deutschland, Österreich im Fokus

In Deutschland wurden bis Ende 2016 auf der Basis eine gesetzliche Regelung der Großteil der Mittelspannungsmasten gesichert. Seitdem kam es dort bei den Waldrappen nur mehr zu einem Todesfall. Das belegt die Wirksamkeit der Sicherungsmaßnahmen. Allerdings suchen die Vögel aus dem Brutgebiet in Burghausen, Bayern, ihre Nahrung bevorzugt über der Salzach in Oberösterreich und dort waren bislang alle Masten ungesichert. Das wurde den fünf Waldrappen zum Verhängnis.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Netzbetreibern, Gemeinden und der Jägerschaft

Schon seit längerem sind die Mitarbeiter des Waldrapp-Projektes mit Stromnetzbetreibern in Österreich im Gespräch, um Strommasten in den Aufenthaltsgebieten der Waldrappe zu sichern. Johannes Fritz: „Der aktuelle Vorfall scheint zum Weckruf zu werden, um längst fällige Sicherungsmaßnahmen zumindest regional umzusetzen. Ich danke der Netz Oberösterreich GmbH für die rasche Sicherung des betreffenden Mastes und ich bin zuversichtlich, dass bis zum Beginn der Brutsaison 2019 das Stromnetz im Gemeindegebiet Hochburg-Ach umfassend gesichert wird. Wir sind auch im Gespräch mit der Salzburg Netz GmbH, um im selben Zeitraum auch gefährliche Masten im Brutgebiet in Kuchl zu sichern. Das sind wichtige Maßnahmen für den Schutz zahlreicher Großvogelarten und somit aktiver Artenschutz!“ Johannes Fritz abschließend: „Zu danken ist in diesem Zusammenhang auch der Gemeindeleitung von Hochburg-Ach, der Stadtverwaltung von Burghausen und der regionalen Jägerschaft, die sich spontan für sofortige Sicherungsmaßnahmen engagiert haben.“

 

 

7. 5.: Guter Start in die Brutsaison 2018

Seit dem 23. April werden im Tiergarten Schönbrunn Waldrapp Küken von den beiden Ziehmüttern Corinna Esterer und Anne-Gabriela Schmalstieg aufgezogen. Zoobesucher können die Handaufzucht wieder live miterleben und sich in einem Infozelt über das europäische LIFE+ Wiederansiedlungsprojekt informieren. 30 Küken stammen aus der Brutkolonie des Tierpark Rosegg in Kärnten, weitere drei kommen von der Brutkolonie der Konrad-Lorenz Forschungsstelle Grünau in Oberösterreich.

Für die beiden Ziehmütter Corinna und Anne ist das bereits die fünfte Aufzucht (2014-2018). Sie kommen damit auf eine Gesamtzahl von 130 Küken, die sie für die Auswilderung aufziehen.

Wenn die Küken schlüpfen, wiegen sie knapp 20 Gramm. Nach 25 Tagen liegt ihr Gewicht bereits bei rund 1.200 Gramm, also dem 60-fachen Schlupfgewicht, was in etwa dem eines erwachsenen Waldrapp entspricht. In dieser Zeit ist der Stoffwechsel derart beansprucht, dass schon kleine Fehler oder Nachlässigkeiten bei der Fütterung und Haltung zu dauerhaften physischen und kognitiven Schäden führen können. Die umfassende Erfahrung der beiden Ziehmütter ist daher ausschlaggebend für die optimale Entwicklung der Küken.

Bei der Entnahme aus den Nestern dürfen die Küken maximal 10 Tage alt sein, da ansonsten die Prägung auf ihre biologischen Eltern bereits begonnen hat. Nach der Übernahme der Küken muss der Kontakt für 5 bis 6 Wochen strikt auf die Ziehmütter beschränkt sein. Es liegt an ihnen, durch regelmäßige soziale Interaktionen mit jedem einzelnen Küken eine optimale Prägung zu gewährleisten. So kommt eine über Jahre andauernde soziale Bindung an die Ziehmütter zustande, während die Vögel zu anderen Menschen in ausreichender Distanz bleiben.

Die Frühjahrsmigration unserer Wildvögel ist in diesem Jahr aufgrund des langanhaltenden Winters um annähernd zwei Wochen verzögert. Inzwischen sind aber bereits 16 wildlebende Waldrappe in den beiden Brutgebieten angekommen. Weitere 15 Vögel sind auf dem Weg. In sieben Nestern werden bereits Eier bebrütet. Wir rechnen in diesem Jahr mit 10 bis 12 Brutpaaren und mehr als 25 Küken. Damit bahnt sich ein Rekordjahr an!


Foto (I Hinterholzinger): Ziehmutter Anne bei der Übernahme eines Kükens im Tierpark Rosegg. Wir bedanken uns beim Tierpark Rosegg, namentlich Lynne Hafner und Emanuel Liechtenstein, sowie bei den Mitarbeitern der Konrad-Lorenz Forschungsstelle Grünau für die Übergabe der Küken.

15. 2. 2018: Modellierung zeigt das Potential zum Selbsterhalt unserer Waldrapp-Population

Nach einer langen Winterpause ist es höchste Zeit, die neue Saison 2018 mit einem Newsletter einzuleiten. Dazu bietet sich eine gute Gelegenheit.

Am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wurde auf Basis der Daten unserer wildlebenden Waldrapp-Population über einen Zeitraum von 10 Jahren Matrix-Modellierungen zur weiteren Populationsentwicklung für einen Zeitraum von 15 Jahren gerechnet. In zwei Modellen wurden je 100 Simulationen ausgeführt. In mehr als 80% der Simulationen kam es zu einem weiteren Populationsanstieg auf bis zu 1000 Individuen nach 15 Jahren.

Dieses Ergebnis bedeutet, dass die Waldrapp-Population zunehmend Potential hat, sich selbständig zu erhalten und zu vergrößern. Allerdings ist dieses Potential derzeit noch fragil, zumal diese ersten Modelle noch keine einmaligen Ereignisse in Betracht ziehen, die in der Vergangenheit immer wieder vorkamen, wie zum Beispiel Verluste durch einen Wintereinbruch oder den Verlust des jährlichen Nachwuchses in einer Kolonie. Zudem ist vorerst noch ein Monitoring und Management nötig, insbesondere um die Verluste durch illegale Jagd, Stromschlag und Verletzungen zu verringern.

Die Modellierung geht aber auch davon aus, dass keine weiteren Tiere mehr freigelassen werden. Wir wollen aber auch 2018 und in den folgenden Jahren Jungvögel aus Zoohaltungen freilassen, um neue Kolonien zu gründen, die genetische Variabilität zu optimieren und um das Populationswachstum in den bestehenden Kolonien zu fördern.

Wir gehen davon aus, dass die Population bis etwa Mitte der 20er Jahre mit unserer Unterstützung derart angewachsen ist, dass sie auch ohne fortwährendes Monitoring und Management nachhaltig überlebensfähig ist. Das ist eine positive Perspektive und eine gute Motivation für den Beginn der Saison 2018 und die gegenwärtige Vorbereitung einer zweiten LIFE Antragstellung 2020+.

Die Zusammenarbeit mit dem Leibniz Institut soll fortgeführt werden. In differenzierteren Modellierungen wollen wir sukzessive ergänzende Parameter - vor allem Klimadaten, Daten zum Migrationsverhalten der Vögel und zu anthropogenen Einflüssen (illegale Vogeljagd, Stromtod an Mittelspannungsleitungen) - mit einbeziehen.

 

2. 2. 2018

Bernhard Völkl und Dr. Johannes Fritz haben wiederholt einen FWF Forschungsantrag eingereicht, mit dem Titel Costs and Benefits of Formation Flight in Birds (s.u.)

Nun haben wir, einigermaßen überraschend, den Zuschlag bekommen!! Es ist an sich ein FWF Forschungsprojekt, aber mit einer speziellen Finanzierung, die sich aus Mitteln des Landes Tirol und eines nationalen Fonds speist - eine ganz besondere österreichische Konstellation. Mit das Gute dran, es gab keine sonst üblichen Kürzungen. Somit haben wir u.a. Budget für zwei dreijährige PhD Positionen, die wir in Kürze ausschreiben. Zudem ist es das erste Forschungsprojekt, das nicht über einen Uni läuft sondern dem Waldrappteam als privates Unternehmen direkt zuerkannt wurde, schon recht cool :-).

Wichtig ist bei der Gelegenheit zu betonen, dass dieser Antrag wie auch die erfolgreiche Grundlagenforschung der letzten Jahre insbesondere das Werk von Bernhard Völkl war und ist. Dr. Johannes Fritz ist stolz und froh, ihn als "Scientific Manager"  im Waldrappteam zu wissen;  nicht zu vergessen natürlich auch die Ziehmütter, aktuelle CorAnne, und unser Pilot Walter Holzmüller, die bei den Datennahmen immer insbesondere gefordert waren und auch hinkünftig sein werden, ebenso wie unserer Veterinärin Alexandra Scope.

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Costs and Benefits of Formation Flight in Birds

A considerable part of the world wide bird population performs seasonal long-distance migrations. One conspicuous feature of several bird species is their flight in V-shaped or echelon formation, which allows birds to save energy by utilizing the aerodynamic up-wash produced by the preceding bird. As not all birds in a formation can profit from the aerodynamic effect to the same extent, a cooperation dilemma arises around the problem which bird has to fly in the least advantageous leading position. In a previous study we could deliver evidence that cooperation during formation flight is based on dyadic reciprocation. Here we aim to measure the extent of the aerodynamic advantage and we will investigate the proximate mechanisms that enable this kind of reciprocation. Two opposing hypotheses for how the birds achieve continued cooperation have been proposed: direct reciprocation in a tit-for-tat like manner and generalized reciprocation based on proximity. In order to test these hypotheses we will record the flight behaviour of three flocks of bald ibis (Geronticus eremita) during a human guided autumn migration. All birds will be equipped with data loggers with high-precision GPS, accelerometers and ECG sensors that allow us to determine the position of the birds within the formation as well as to estimate their energy expenditure (metabolic rate). Monitoring the birds over the entire migration route will allow us, for the first time, to gain insights into the social dynamics during the migration and the development of the birds’ cooperation competence and to quantify the energy savings that free-flying birds can gain by in-wake flying. 

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17. 2. 18: Neues Forschungsprojekt: Die Waldrappe sollen weitere Geheimnisse des Formationsflugs bei Zugvögeln enthüllen

Dem Waldrappteam wurde vom österreichischen Wissenschaftsfond (FWF) ein dreijähriges Forschungsprojekt zuerkannt. In diesem Projekt wollen wir die einzigartigen Möglichkeiten der menschengführten Migration mit den Waldrappen nutzen, um mit unseren Forschungspartnern das faszinierende Phänomen des Formationsflugs der Zugvögel tiefgreifend zu erforschen. Geleitet wird das Projekt vom Forschungskoordinator des Waldrappteams, Bernhard Völkl, der an der Uni Bern tätig ist.

Wir bauen in dem Projekt auf die Ergebnisse unserer bisherigen Grundlagenforschung zur Funktion und Koordination des Formationsflugs auf. Während der nächsten drei Saisonen sollen alle Vögel im Rahmen der menschengeführten Migrationsflüge mit Datenloggern ausgestattet werden, die in hoher Frequenz und Präzision die Position des Vogels und seinen Flügelschlag aufzeichnen. Insbesondere aber soll mit am Körper anliegenden Sensoren die Herzfrequenz und die Körpertemperatur der Vögel gemessen werden, um so erstmals den tatsächlichen Energieverbrauch während des Fluges und damit auch die Energieersparnis des Formationsflugs zu erfassen.

Natürlich ist es ein besonderer Anspruch, die Tiere durch die Datennahmen möglichst wenig zu beeinflussen, um die Zielsetzungen des LIFE+ Artenschutzprojektes nicht zu gefährden. Die Ergebnisse der Forschung werden uns aber auch helfen, die Methoden für die Wiederansiedlung beständig weiter zu optimieren.

Im Rahmen des Projekts schreibt das Waldrappteam zwei dreijährige PhD Positionen aus. Ein PhD-Projekt wird sich auf den Energieverbrauch während des Migrationsflugs und die Hauptfrage "Warum fliegen Vögel in Formation?" konzentrieren. Die spezifische Herausforderung dabei ist, die Annahme, dass im Formationsflug Energie gespart wird, empirisch zu belegen.

Der Fokus des zweiten Promotionsvorhabens liegt auf der sozialen Dynamik des Formationsfluges mit der Frage "Wie koordinieren und kooperieren die Vögel in einer Formation?" Zu dieser Frage gibt es verschiedene Hypothesen, aber bislang nur wenige empirische Daten. Das soll sich ändern.

Details der Ausschreibung finden sich auf unserer Homepage. Bei Interesse bitte bei B Völkl melden (bvoelkl[at]waldrapp.eu).

Foto (P Przesang): Menschengeleiteter Migrationsflug über die Karawanken an der Grenze zwischen Österreich und Italien auf einer Flughöhe von ca. 2500 m; die Waldrappe bilden eine charakteristische V-Formation, unabhängig vom Ultraleicht-Fluggerät.