Waldrapp

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Waldrappprojekt Burghausen

Die Ortsgruppe des BN in Burghausen hat sich u.a. seit mehreren Jahren mit dem Thema „Waldrapp“ beschäftigt. Der Waldrapp (Geronticus eremita) wurde in der frühen Neuzeit nördlich der Alpen ausgerottet. Dieser einzige europäische Ibis könnte auch in Burghausen gelebt haben (mehr Informationen zum Waldrapp mit vielen Links unter www.waldrappteam.at ). Die sicher nachgewiesenen Vorkommen in Passau und Salzburg lebten in ähnlichen geologischen Formationen wie es sie auch in Burghausen gibt. Es gibt auch eine mittelalterliche Stadtansicht von Burghausen, auf denen mit einiger Sicherheit Waldrappe abgebildet sind.

 

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Salzschiffe vor Burghausen,
Bild aus der Mautinstruktion
von Burghausen
(gefunden von
Herrn Josef Grassel)


In der Vorbereitungsphase zum Beitrag des BN zur Landesgartenschau 2004 (LGS2004) in Burghausen haben wir den Waldrapp als Symbol für eines der Themenfelder gewählt, die dann im Zeughaus auf der Burg dargestellt wurden. Wir konnten auch die Leitung der LGS2004 überzeugen, dass eine Voliere mit lebenden Vögeln neben dem Zeughaus ein Highlight der LGS2004 darstellen würde. Das hat sich dann voll bestätigt, die Waldrappaktivitäten wurde von allen Medien besonders gewürdigt.
 
Präsentation des Waldrapps auf der Landesgartenschau Burghausen 2004:
Die Landes-Gartenschau Burghausen 2004 wurde mit 930.000 Besuchern, deutlich mehr als erwartet, ein voller Erfolg. Einer der Höhepunkte dieser Veranstaltung war sicherlich die Ausstellung des Bund Naturschutz in Bayern im Zeughaus auf der Burg und dabei das Waldrappprojekt. Dieses wurde in allen Besprechungen, Berichten über die Gartenschau als einer der Höhepunkte der Gartenschau besonders gewürdigt.
Es bestand aus zwei Teilen:

  1. In einem Aufzucht- und Wohnturm in einer Voliere wurden eine kleine Waldrappgruppe aus Eiern aufgezogen. Eine Kamera übertrug Bilder davon über einen Großbildschirm nach draußen. Mehrmals pro Woche wurde das Gewicht der einzelnen Waldrappe zusammen mit dem Schlüpftermin in einer Tabelle erneuert, so dass die Besucher auch in den ersten Wochen das Schlüpfen, die Aufzucht und das Wachsen der Waldrappe verfolgen konnten. Später waren die Vögel fast ganztägig in der Voliere zu sehen. Am frühen Morgen konnten sie für einige Zeit frei über der Burg bis zum Bergerhof fliegen. Die Voliere war südlich des Zeughauses auf der Burg aufgebaut. Gegenüber stand ein altes Leichtflugzeug; sich hineinzusetzen war gerade für Kinder eine große Attraktion.
  2. Im Zeughaus selbst war der Waldrapp eine der Stationen, mit einem Diorama, das z.B. ein Waldrapppaar bei der Aufzucht seiner Jungen zeigte, mit Video-Informationen über den Waldrapp, die Arbeiten der Konrad-Lorenz-Stiftung im Almtal (Österreich) und des Waldrappteams mit dem Waldrapp, mit einem kleinen, spielerischen Waldrappquizz und mehr. Siehe auch die entsprechenden Informationen auf dieser Webseite zur LGS2004.

 

Projekt Burghausen 2005

Das Projekt Burghausen 2005 wurde durch „Region aktiv“ (www.region-aktiv-chiemgau-inn-salzach.de) und die Stadt Burghausen (www.burghausen.de) ermöglicht. In Burghausen wurde während der LGS2004 mit der Habitatevaluierung begonnen. Die Gruppe von sechs Vögeln, die in der Waldrappvoliere der LGS2004 aufgezogen wurde und sich mehrere Monate hier befand, verbrachte den Winter in der neu errichteten Voliere in Rosegg, Kärnten. Im Frühjahr 2005 sind diese Vögel gemeinsam mit ihren menschlichen Zieheltern wieder zurück nach Burghausen gekommen und haben beim „Lehner-Anwesen“ den ihnen schon bekannten Turm und die Voliere bezogen. Sie sind dort von Ende April bis Anfang August frei geflogen. Mitarbeiter des Waldrappteams, Martin Bichler, Johannes Fritz und Barbara Riedler betreuten die Vögel und erhoben Daten zur Nahrungsökologie, zur Habitatnutzung und zu interspezifischen Interaktionen. Mit Beginn der Migrationszeit sind die Vögel wieder in die ihnen bereits vertraute Voliere in Rosegg gekommen und haben dort überwintert. Die Nahrungs-ökologischen Daten wurden anschließend ausgewertet, siehe die folgende Studie: www.waldrappteam.at/aktuell_burgh.htm Als kurzes Ergebnis möchten wir hier festhalten: Das Nahrungsangebot hier ist günstiger als bei allen bisher durchgeführten Untersuchungen. Besonders (ökologisch) beweidete Wiesen bieten noch mehr Nahrung als etwa ein aus der Nutzung genommenes Wasserschutzgebiet.Wir betrachten das Projekt als vollen Erfolg. Damit ist eine der wichtigen Fragen für eine mögliche Wiedereinbürgerung des Waldrapps beantwortet, die von allen zuständigen Behörden gestellt werden:

 

  1. Kann sich der Waldrapp hier genügend gut ernähren? Diese Frage ist mit einem klaren „Ja“ zu beantworten.
  2. Kann die für eine freilebende Waldrappkolonie notwendige Migrationsroute in ein Winterquartier südlich der Alpen etabliert werden? Diese Frage wird derzeit geklärt. Zumindest der erste Teil der Migration in den Süden hat im Hebst 2005 hervorragend geklappt. Die beiden nächsten Jahre werden zeigen, ob die dann geschlechtsreifen Waldrappe zur Brut auch den Rückflug in die nahrungsreicheren Gebiete nördlich der Alpen schaffen. Ein spontaner Flug der Waldrappe zurück über ca. 2/3 der Strecke stimmt positiv. Zugleich zeigte sich, dass Waldrappe ohne Verluste z.B. durch Bejagung in Italien längere Zeit leben können.

Wie das Projekt fortgeführt werden soll, ist noch nicht geklärt; mehrere Möglichkeiten werden derzeit diskutiert. Ziel dieser Aktivitäten ist die Gründung einer migrierenden Waldrappkolonie in Burghausen.

 


Ansprechpartner in Burghausen: Dr. Holger Lundt, Gunter Strebel, Dr. Ernst Spindler