Ibmer Moor und Weidmoos

Aussichtsstand
See
Weidmoos
Torf-Loren

Unweit von Burghausen laden ehemalige Torfabbaugebiete zum Wandern ein.

Vor etwa 17 000 Jahren erwärmte sich das Erdklima, was zur Folge hatte, dass im Alpenvorland der Salzachgletscher zerfiel und das Eis zurückwich. Schon vor dem letzten hocheiszeitlichen Vorstoß des Salzachgletschers bildeten sich innerhalb der Jungmoränen-Kränze Eisseen mit weißlichem Kalkschlamm, der den Untergrund von Weit- und Ibmer Moos bildet. Bei dem letzten hochglazialen Vorstoß wurden die Moränen um den Heratinger See gestaucht und Radialmoränen gebildet. In ausgeschürften flachen Wannen entstanden Seen, in denen sich vom Schmelzwasser mitgeführter Gesteinsabrieb, der so genannte Gletscherschliff, absetzte. Diese Seeton-Ablagerungen verhinderten, dass Regenwasser versickern konnte und so breiteten sich am Ende der Würmeiszeit große Sümpfe aus. Seichte Seen begannen zu verlanden und Glazialtone als Untergrund boten ideale Voraussetzungen für eine Moorbildung. Die Trockenlegung der südlichen Moorteile ist schon im Hochglazial erfolgt, da über dem dortigen Glaziallehm Spätglazialer Versumpfungstorf liegt. Die Torfbildung hat hier wie auch die Bildung organogener Seekreide im alten Ibmer See vor mindestens 12 000 Jahren begonnen.

Es siedelten sich Moose, Riedgräser und Schilf an und vor etwa 17 000 Jahren bildeten Torfmoose eine 6 m mächtige Torfschicht. Auf den Niedermooren bildeten sich langsam Hochmoore und es entstand das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs, der Ibmer-, Weidmoos- und Bürmoos-Komplex mit etwa 20 Quadratkilometer Fläche.

 Das Ibmer Moos erfüllt ein Zweigbecken des Salzachvorlandgletschers. Das ganze Moorbecken ist von der innersten Jungmoräne des Salzachgletschers umgeben, dessen Geschiebe aus Kristallinen aus den Tauern und Kalke aus den Dolomiten der ostalpinen Trias enthält und besonders viel von Gosau-Konglomeraten. Die äußerste  Jungmoräne, an die sich die Niederterrassenfelder des unteren Weilhartsforstes anschließen, verläuft nördlich Gundertshausen und Maxlmoos. Auf der mittleren Moräne liegt Eggelsberg und Geretsberg, auf der inneren Moosdorf. Die hohen Moränen liegen um die Ibmer Seen mit ihren Landterrassen und Toteiskesseln.

Vom einst viel größeren Ibmer See blieben der Heratinger See und der Leiten See. Dieser ist durch sinkstoffreiche Zuflüsse bis zu einer geringen Tiefe aufgefüllt und zusammengeschrumpft. Der Leitensee hat ein großes Einzugsgebiet und gehört trotz der Moorumgebung einem eutrophen Typ an, was in der Seekreide des alten Ibmer Sees vorhandene Fossilien anzeigen. Heute ist der Nährstoff- und der Wasserhaushalt im größten Teil des Moores stark verändert, da im Laufe der Jahrhunderte große Moorflächen der Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen und dem Torfabbau zum Opfer fiel. Dort, wo 1 bis 2 m Torf über großenteils weichem Seeschlamm liegt und der Grundwasserspiegel steigt und fällt, wird bei sinkendem Seespiegel der Schlamm seewärts gepresst. Die Torfmächtigkeit übersteigt im gesamten Moorgebiet nur auf ganz kleinen Flächen 6 m Tiefe. Stellenweise liegt im großen Teil des Ibmer Moores mit 5 m Mächtigkeit holzarmer Zwischenmoortorf. Hochmoortorf findet man auf kleineren Flächen über 3 m Mächtigkeit in Versumpfungs- und Verlandungsmooren im Pfeifferanger. Im südlichen Ibmer Moor bestanden Hochmoorteiche, sogenannte Mooraugen, die langsam zugewachsen sind.

Trotz zeitweise intensiver wirtschaftlicher Nutzung des Moores im vorigen Jahrhundert befindet sich im Ibmer Moos eine Vielfalt seltener Moorpflanzen wie Sonnentau, Wasserschlauch, Fingerknabenkraut, das Scheidenwollgras, die Moospreiselbeere, Mehlprimel und Fieberklee, um nur einige zu nennen. Das Ibmer Moos ist heute das bedeutendste Moorgebiet Oberösterreichs und ist als NSG ausgewiesen. Mit einer Ausdehnung von 2 000 ha ist es Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen. 1973 wurde der Moorlehrpfad errichtet zum Schutz der Bodenbrüter, wie Großer Brachvogel, Bekassine, Kiebitz und viele mehr. Im Frühjahr rasten am Leitensee durchziehende Graugänse, von denen einige bereits ganzjährig wie auch die Blesshühner, Stock- und Kolbenenten, der anmutige Silberreiher und viele mehr den See bevölkern.

Das Ibmer Moor erreicht man von Burghausen kommend über Franking und Hackenbuch Richtung Ibm. Nach etwa 2 km nach Hackenbuch erreicht man einen ausgeschilderten Parkplatz. Hier beginnt der kurze Moorweg mit etwa 600 m Länge, auf dem man trockenen Fußes auf einem Bretterweg einen kleinen Teil des Moores umrunden kann. Entlang des Bretterwegs informieren Schautafeln über bemerkenswerte und seltene Pflanzen und Tiere. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert für den großen, etwa 4 km langen Rundweg, der weiter durch den Pfeiferanger führt, am Leitensee vorbei und auf eine kleine Anhöhe hinauf zum Aussichtspunkt Seeleiten. Hier lädt eine Bank zur Rast ein und man genießt einen herrlichen Ausblick über den Leitensee, den Pfeiferanger, über eine weite, ebene Landschaft mit geheimnisvollen Moorlöchern und im Hintergrund die Salzburger und die Bayerischen Kalkalpen.

Das Weidmoos und auch die umliegenden Moorgebiete blieben bis ins 18.Jahrhundert hinein eine für den Menschen beinahe unzugängliche Landschaft. Durch Jahrhunderte dauernden Torfabbau wurde das Hochmoor großräumig zerstört und mit der Industrialisierung wurde es als Brennstofflieferant interessant. Als die Vorräte zu Ende gingen, wurde der Torfabbau im Jahr 2000 eingestellt, worauf die Natur das genützte Gebiet zurückeroberte. Hätte man das ausgebeutete Hochmoor sich selbst überlassen, hätte es sich sehr schnell zu einer Waldlandschaft entwickelt. Deshalb wurden große Flächen wiedervernässt und durch Geländemodellierungen und durch Errichten von niederen Erddämmen und Grabenversperrungen neue strukturreiche Stillgewässer geschaffen. Durch flache Überstauungen weiter Teile des Weidmooses soll das Aufkommen von Gehölzen gehemmt werden.

Im Zuge der Renaturierung entstand neuer Lebensraum für verschiedene Amphibien wie Laubfrosch, Gelbbauchunke, Molche und Moorpröpste. Auch für Ringelnattern, Schlingnattern und Zauneidechsen ist hier ein neuer, faszinierender Lebensraum entstanden. Selten gewordene Vogelarten finden hier ein Rückzugsgebiet, weshalb das Weidmoos im Jahr 2001 als „EU-Vogelschutzgebiet“ ausgewiesen wurde. Silberreiher, Rohrdommel, Rohrweihe, Flussregenpfeifer, Lachmöwen und natürlich auch Stockenten, um nur einige zu nennen, finden hier eine neue Heimat.

Das Weidmoos liegt zwischen Lambrechtshausen und Sankt Georgen. Man erreicht es von Burghausen aus kommend über Franking, an Hackenbuch vorbei und ein paar Kilometer weiter nimmt man die Abzweigung rechts nach Maxdorf. Dort fährt man den Wegweisern nach zu einem etwa 1 km entfernten Parkplatz. Ab hier beginnt die Wanderung neben moorigen Wiesen direkt ins Weidmoos. Neben dem Wanderweg sind noch Schienenreste des früheren Schmalspurboggerls zu sehen. Entlang dieses ca. 1500 m langen Themenweges trifft man auf eine ehemalige renovierte Arbeiterhütte, die als Informationsstelle eingerichtet wurde. Hier bekommt man Hintergrund-Informationen und man kann sich anhand alter Fotos ein Bild über den ehemaligen Torfabbau machen. Auch kann man hier noch einen letzten Handtorfstich entdecken. Der Weg führt weiter zu einem 12 m hohen Aussichtsturm von dem aus man einen guten Überblick über das Vogelschutzgebiet hat. Von hier oben aus kann man mit dem Fernglas die seltenen Wasservögel an den aufgestauten Wasserflächen beobachten und auch die nach Beute spähende Rohrweihe, wie sie über der Wasser- und Sumpflandschaft lautlos ihre Kreise zieht. Der Rundweg führt weiter durch das Hochmoor, wo das Heidekraut in großen Mengen blüht und Moorbirken und kleinwüchsige Föhren ihr Dasein fristen. Die von der Natur zurückeroberte Landschaft verändert sich noch ständig und entlang des Weges vermitteln zahlreiche Informations-Tafeln Wissenswertes über die Vogelwelt und auch über die Geschichte des Weimooses.

Günter Geiß
Fotos: Andreas Geiß