Trotz Dult und bestem Wetter haben sich 13 Personen aufgemacht, Altöttings Blühflächen zu besichtigen.
Hier handelt es sich um eine einjährige Ansaat auf der Verkehrsinsel Nähe Bahnhof

Altötting blüht auf! (15. Juni 2019)

Bei schönem, nicht zu heißem Wetter fanden sich 13 RadlerInnen am Bahnhofsvorplatz ein, um mit Marc Lindner die Altöttinger Blühflächen anzuschauen, die er mit seinen Mitarbeitern vom städtischen Bauhof innerhalb der letzten 3-4 Jahre angelegt hat und pflegt.

Wir begannen gleich unterhalb des Bahnhofs mit einer dieses Jahr neu eingesäten Verkehrsinsel. Hier wurde nicht autochtones Saatgut verwendet und zwar ganz bewusst. Die Arten sind blühfreudiger und eventuell dem zukünftigen Klima besser angepasst. Das wurde durchaus kontrovers diskutiert. Die Fläche war mit niedrig wachsenden nett blühenden Arten bewachsen, was durchaus seinen Charme hat. Allerdings muss sie jährlich neu eingesät werden. Die anderen Flächen, die wir in der Folge anschauten waren alles mehrjährige Ansaaten. Der nächste Stop erfolgte am Bauhof. Die Fläche bis zum Bahngleis blühte lila-bunt, von Bienenfreund (Phacelia sp.) dominiert. Hier brummte und summte es, dass es eine Freude war. Für die Fläche am Bauhofgebäude laufen erste Umsetzungen hin zu Fassadenbegrünung, Gemüsegarten, Säulenobst, und Weinberankung am Drahtzaun.

Als nächstes suchten wir den Radweg nach Kastl auf. Diese Fläche gehörte zu den ersten, die 2015/2016 angesät wurden und hat sich prächtig entwickelt. Hier wurde nach dem Fräsen des Oberbodens Kies und Sand eingebracht, um den Boden auszumagern. An den Blühstreifen beim Siebzehnrübl hat der Bauhof ausprobiert, was passiert, wenn man Kompost in die gefrästen Flächen einbringt. Fazit ist für den Bauhof, dass das Ausmagern der Flächen hauptsächlich durch Wegfahren des Mähgutes erfolgt und man sich arbeitsintensives VorAb-Abmagern oft sparen kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Flächen werden nur einmal im Jahr ca. im September gemäht, dann bleibt das Mähgut 1-2 Tage liegen und wird dann zusammengerecht und abgefahren. Einige Flächen sollen erst nach dem Winter gemäht werden, damit Insekten in den trockenen Stengeln überwintern können. Die Flächen sparen also auch Arbeitszeit im Bauhof ein, die diese für andere wichtige Dinge nutzen können, die sonst oft liegenbleiben mussten. Das nächste Ziel waren die Baumscheibenflächen im Siedlungsgebiet im Umfeld der Loreto-Straße. Die ursprüngliche Bepflanzung mit einem struppigen Bodendecker, deren Pflege recht aufwendig ist, wurde entfernt und mehrjährige Arten ausgesät. Auch im zweiten Jahr zeigen sich dies Flächen sehr vielfältig. Marc Lindner wies daraufhin, dass diese Flächen Zeit benötigen, damit sich die Arten gut etablieren und die volle Blütenpracht entwickeln – denn erstens sind sie klein und zweitens mit einem Baum bestückt. Nach zwei, drei Jahren entwickeln sie sich aber stabil. Besonders nett war die Ankunft einer Anwohnerin, die sogleich befragt wurde, was sie von diesen Flächen hält. Sie war ehrlich angetan und hat ihrerseits ihre Vorgartenbepflanzung angepasst und freut sich, wenn die Baumscheibenpflanzen in ihren Vorgarten einwandern.

Das nächste Ziel war dann die Verkehrsinsel am Hallenbad, wo die Bushaltestelle für die Schulkinder ist. Hier gibt es Böschungen mit einzelnen Sträuchern, Wiesen und eine durch Pflasterung eher weniger attraktive Verkehrsinsel. Diese Flächen sollen umgestaltet werden. Durch die Größe und den Verbund eignet sie sich, um eine kleine Biotopverbundstruktur zu entwickeln. So könnten am Hang offene Lehmbodenstellen entstehen, damit Wildbienen sich dort entwickeln können, denn die meisten Wildbienenarten sind Bodenbrüter und offene Bodenstellen sind rar. Totholz durch Baumwurzeln, Lesesteinhaufen, z.B. aus Nagelfluhsteinen können allerlei Tieren Unterschlupf im Winter und Sonnenplätze im Frühjahr bieten. Eventuell noch kleine Wasserstellen in Bodensenken für die Insekten – und natürlich Blühflächen! Das Konzept steht noch nicht fest und wir sind sehr gespannt, was draus wird. Unsere letzte Station machten wir an den Flächen beim Panorama. Die ersten Teile wurden bereits 2016 angelegt und im Jahr danach auf die heutige Größe erweitert. Hier blühte es üppig und spätestens hier war jedem der Teilnehmer klar, wie sehr sich die Anlage einer Blühwiese lohnt! Marc Lindner konnte gut darstellen, dass das Anlegen und vor Allem die Pflege von jedem leistbar ist und auch nicht übermäßig teuer sein muss. Als Saatgutquelle gab er https://www.weisa.de an, wo man auch autochtones, also heimisches Saatgut bekommen kann.

Wir bedanken uns bei Marc Linder für diese ausgesprochen informative und wunderschöne Radtour durch Altötting!

Die Ansaat ist zwar nicht autochton, aber hübsch anzusehen.
Am Bauhof entwickelt sich die mehrjährige Blühfläche so gut, dass man mit Fassendgrün und Gemüsegarten weitermachen will.
Am Radweg nach Kastl wurde die erste mehrjährige Blühfläche nach Abmagern der Flächen angelegt.
Phacelia blühte sehr schön und wurde reichlich von Insekten umschwärmt.
Nahaufnahme Radweg Blühfläche
Im Siedlungsbereich wurden die Bodendecker entfernt und durch mehrjährige Blühmischungen ersetzt.
Unermüdlich erklärt Marc Lindner die Entstehung und Pflege der Flächen und weist auch auf Probleme hin.
Im Umfeld dieser Verkehrsinsel sind Maßnahmen zur Entwicklung eines Gesamtbiotops geplant. Spannende Idee!
Blühwiese am Panorama
Distelfalter auf der Panoramawiese
Kleiner Fuchs auf Panoramawiese.
Diese Wiese gibt es seit ca. 3 Jahren und entwickelt sich prächtig.