Ausflug 2: Burghausen "Burgspaziergang und Salzachdurchbruch"

LK AÖ: „Zu Fuß“ Nr. 2                                           Stand 1. 2011

 

„Burghausen: Kleiner Burgrundgang und Salzachdurchbruch“                                              

 

Weglänge: ca. 3 km, ca. 140 Höhenmeter.

Wegqualität: Man geht immer auf guten Fußwegen. Wer etwas ängstlich ist, geht nicht über den Kreuzpointnersteig (hängende Stufen) sondern direkt vom Stadtplatz hoch zum Curaplatz.

Mehr Information:
Kartenmaterial: Eine Karte im Maßstab 1: 50 000 ist immer wichtig (hier allerdings weniger).
Natur: Für die Geologie und Natur im hier nur gestreiften „Salzachtal Burghausen“ gibt es spezielle naturkundliche Führungen inkl. Sagen, Geschichten zu hier aufgeführten Themen auch für Kinder und Schulklassen (Monika Hager, Tel: 08677 – 63728, E-Mail: monikahager(at)gmx.de; Marion Strauss-Barthel, Tel: 08677 - 873998, E-Mail: strauss-barthel(at)gmx.de, www.umweltbildung-altoetting.de. Gerade im Bereich des Salzachdurchbruchs hat Marion Strauss-Barthel wesentlich zu diesem Ausflug beigetragen.).
Kultur: Als Heftchen gibt es verschiedene Führer durch Burg und Altstadt. Unter www.burghausen.de, Tourismus, Sehenswürdigkeiten finden Sie auch Informationen zur Altstadt, zur Burg. Für beide Bereiche gibt es Führungen (Burghauser Touristik GmbH, Tel: 08677 – 887 140, E-Mail: touristikinfo(at)burghausen.de). Die meisten der allgemeinen Informationen zu Burg und Altstadt finden sich natürlich wesentlich fundierter und ausführlicher in oben genannten Informationen; dennoch sind einige hier wiederholt, zusätzlich aber auch einige weitere interessante Informationen zu finden.

Variante für Kinder: Der gesamte Weg dürfte für Kinder hoch interessant sein.

Öffentliche Verkehrsmittel: Info z.B. unter www.brodschelm.de, www.burghausen.de, Stadtinfo, Citybus.
Ortsverkehr 1, 13: (Stadtplatz, Ludwigsberg)

Taxi: Gaßner (Tel: 08677-3339), Schwarz (Tel: 08002133321)

Einkehrmöglichkeiten: Am Stadtplatz mehrere Cafes und Gaststätten, Glöcklhofer, auf der Burg Burgcaffee und Kiosk.

Mitarbeit: Wer weitere interessante Informationen beisteuern mag oder Fehler findet, ist herzlich eingeladen, hier beizutragen (Dr. Ernst-Josef Spindler, E-Mail: ernst-josef.spindler(at)web.de oder Tel: 08677 – 62683).

 

1            Burghausen Stadtplatz: Ausgangspunkt. Sehr sehenswerter, großer leicht elliptischer Stadtplatz im typischen „Inn-Salzach-Stil“; ähnlich in Tittmoning, Neuötting, Mühldorf, Wasserburg etc.. Vor 1250 begründet, Bebauung im Kern aus dieser Zeit, nach mehreren Bränden immer wieder erneuert, mit zur Schauseite hochgezogenen, oft reich geschmückten Barock- und  Rokoko-Fassaden. Architektonische Höhepunkte im Südteil des Platzes sind die spätgotische Stadtpfarrkirche St. Jakob, das Rathaus.
Der Rundgang führt zuerst den Platz entlang nach Norden, an der Schutzengelkirche der englischen Fräulein (Institutskirche der Englischen Fräulein, 1731 neugebaut.) und dem Tauffkirchenpalais vorbei, durch die Kanzelmüllerstraße auf die Studienkirche St. Josef zu (1630/31 nach der Raumgliederung der Jesuitenkirchen von Eichstätt und Dillingen erbaut.
Östlich, ebenfalls nach Norden ausgerichtet, der ehem. Konventbau des Jesuitenklosters mit kleinem und großem Musiksaal (Frührokoko-Stuck, Mittelfresko).), am  Kurfürst-Maximilians-Gymnasium (ehem. Konventbau des Jesuitenklosters mit kleinem und großem Musiksaal (Frührokoko-Stuck, Mittelfresko) vorbei rechts zur Salzach.
Salzach abwärts weiter den Uferweg entlang.

2            Äußere Burgmauer: Hier verläuft noch die innere der beiden die Stadt nach Norden abschließenden Burgmauern (aus Kalktuffstein) hoch bis zum Ludwigsberg; die Mauern sollten die Stadt und Burg von Angriffen entlang der Salzach schützen. Mit einer äußeren Burgmauer hatte sie den Teufelszwinger gebildet, diese wurde aber 1836 abgerissen, um mit den Quadern die Ludwigstraße zu bauen (Stütz- und Schutzmauern). Das Gleiche geschah auch mit der äußeren Burgmauer auf der Wöhrseeseite, die dort mit der inneren, noch existierenden Burgmauer den Sauzwinger gebildet hat.

2a          Bevor man direkt den Kreuzpointnersteig hoch steigt, lohnt ein kurzer Abstecher (ca. 300 m weit) zu den Kreuzfelsen (Nagelfluhfelsbrocken) und der imposanten Prallwand unterhalb des Krankenhauses. Der hier erst kurz vor 1960 gebaute Uferweg mit der massiven Verbauung zum Fluss hin sorgt dafür, dass die davor fast senkrecht in die Salzach stürzende Prallwand im unteren Teil in eine steile Geröll- und Sandböschung mündet; die noch imposanteren früheren Abbrüche sieht man nur noch auf alten Photos, z.B. vom Bau des Krankenhauses oder ähnlich wie aud diesen Fotos noch etwas weiter flussabwärts in den Abbrüchen auf der österreichischen Seite.
Die Nagelfluhfelsen sind seit Jahrtausenden in die Salzach abgerutscht und waren für die Salzachschiffer oft sehr gefährlich. Der steile Prallhang wurde durch die Salzach in den letzten ca. 10 000 Jahren gebildet. Im oberen Drittel sieht man teils überhängende Nagelfluhdecken, darunter die tertiäre Molasse aus Sanden und feinen Kiesen, die über Millionen Jahre anfangs stärker von der Böhmischen Masse und später vor allem von den aufsteigenden Alpen in die Thetys uns spätere Süßwasserbecken eingespült wurden. In ihr kommen Kohleschichten (vor allem östlich gegenüber in dem Prallhang gut sichtbar) und Schichten mit verkohlten Blättern tertiärer Bäume vor.
In den sehr unzugänglichen Steilhängen brütete früher der Uhu und im Mittelalter vielleicht auch der Waldrapp. Der Waldrapp ist einer der weltweit am stärksten gefährdete Vogel, dessen Schutz und Wiederansiedlung heute öffentlichkeitswirk-same und von der Orts- und Kreisgruppe des BN unterstützten Aktivitäten gewidmet sind.
Auch botanisch findet man hier ganz seltene Pflanzen: Wärmeliebende Arten wie die Gebüsch bildende Filzige Zwergmispel kommen nur hier im Landkreis vor, der Bleiche Schwingel kommt in Bayern südlich der Donau nur hier vor (und ist auch z.B. auf der Pulverturmmauer zu finden) [Jansen].

3            Kreuzpointnersteig: Bei km 10.5 etwa beginnt links der Kreuzpointnersteig und führt über Granitstufen nach oben, im oberen Viertel an eindrucksvollen Nagelfluhformationen vorbei. Oben hängen viele der Wegstufen beträchtlich nach außen hinunter, der Hang arbeitet! Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte diesen Steig nicht benutzen!
Oben Richtung SW zurück zu einem Aussichtspunkt.

4            Aussichtspunkt: Von hier sieht man gegenüber und die Salzach abwärts eindrucksvolle Steilabbrüche hinunter zur Salzach, die sich hier seit der letzten (Würm-) Eiszeit eingegraben hat. Im oberen Viertel etwa sieht man eiszeitliche Gerölle, teils als Nagelfluh verkittet, darunter die feinkörnigeren, sandigen Molassebereiche, Ablagerungen von Seen und Flüssen aus voreiszeitlichem Tertiär. Auch der Blick nach Süden auf Altstadt und Burg ist interessant.
Weiter auf die Hauptstraße, diese überqueren (rechts Gaststätte Glöcklhofer) und nach links oben bis vor zum Burgeingang. Wenn man vor dem Parkplatz ca. 100 m nach rechts ein kleines Weglein entlang geht, kommt man zum

5            Aussichtspunkt „Schwammerl“: Von hier sehr schöner Überblick über das Wöhrseebecken und die vor ca. 7000 Jahren trocken gefallene Salzachschleife. Entlang der Burg und über dem Pulverturm sieht man Marienberg, die Kirche von Asten und die Alpen.

6            Curaplatz: Hier ist der Burgeingang, links gleich das Dr. Robert-Gerlich-Fotomuseum (geöffnet März – Oktober, Mittwoch – Sonntag 10 – 18 Uhr, Tel: 08677- 4734).

7            Material für die Burg: Am wichtigsten für die Burg ist sicherlich die einmalige Lage, der lang gestreckte (über 1000 m!), schmale Höhenzug, bei dem alle Seiten steil ca. 70 m hoch aufragen, geschaffen von der ehemals hier mäandrierenden Salzach. Der Höhenzug ermöglichte, eine Burg zu bauen, die nie wirklich angegriffen oder eingenommen wurde. Die wichtigstenBaumaterialien für die Burg sind Kalktuffquader, Nagelfluh, Holz und Ziegel.
Kalktuffquader: Der hiesige Kalktuff (Sinterkalk) ist ein ganz junger Stein. Er entstand in großen Mengen in den letzten ca. 10000 Jahren unten an den Hängen der sich eintiefenden Salzach, dort wo kalkgesättigte Grundwasserströme austreten konnten (siehe auch die Route 3, „Kalktuff“), ein ganz junger Stein. Er wurde auch in großen Mengen für die wichtigen Gebäude der Stadt und der Burg abgebaut, z.B. im Bereich von Raitenhaslach. Schon im Mittelalter gab es berechtigte Befürchtungen, dass viel zuviel Kalktuff abgebaut würde. Regelungen waren die Folge. Der Kalktuff ist im feuchten Zustand noch weich und lässt sich im Vergleich zu dem zweiten lokal verfügbaren Stein, dem Nagelfluh, viel besser bearbeiten und skulptieren.
Nagelfluh: Meist für gröbere Bauten verwendet (Fundamente, einfache Hausmauern, Uferverbauungen, aber auch für Kirchen (Trostberg, Stadtpfarrkirche)). Auf der Burg relativ selten zu sehen. Er wurde überall oben an den Hängen zur Salzach abgebaut, sicher auch auf dem Burgsporn z.B. im Bereich der die Verteidigung erleichternden Quergräben, die mit (Zug-)Brücken überspannt sind. Bis kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde gegenüber von Unterhadermark noch ein Nagelfluhsteinbruch betrieben, mit Loren, die auf Schienen den Stein zur Salzach hinunter transportieren, zum Schluss fast nur noch für Flussverbauungen.
Holz findet man in mächtigen Balkenkonstruktionen in allen Burgteilen, in den Gebälken. Es wurde sicherlich in der Umgebung geschlagen, auch wenn es im Mittelalter viel weniger Wald gab als heute (siehe auch Tour 8. "Wölbäcker").
Ziegel wurden aus hier gegrabenem Lehm gebrannt; Namen wie „Laimgrube“ (südlich von Burghausen, bei Bergham) oder Ziegeleien, die bis vor kurzem noch hier arbeiteten, deuten auf solche Stellen hin. Dieser Lösslehm wurde während der Eiszeiten von den Gletscheroberflächen verweht. 
Entlang des Burgweges sieht man noch die Salzachkieselsteine auf dem Weg, mit ganz unterschiedlicher Herkunft aus dem gesamten Einzugsbereich der Salzachgletscher; diese sind aber sicherlich erst im letzten Jahrhundert hier verbaut worden. Auch die Kanonenkugeln entlang des Weges (ca. 35 cm Durchmesser) sind vor allem Kalksteine aus dem Gebirge. Die modernen, nachgebauten sind leicht zu erkennen, sonst ist jede anders, einige sind voll von Muschelfossilien. Wertvollerer „Untersbergmarmor“ wurde auf der Burg ebenfalls verwendet, als Bodenplatten, Treppenstufen (siehe beim Burgsteig) etc..

8            Aussichtspunkt bei der Elisabethkapelle: Schöner Blick auf den Salzachdurchbruch im Nordosten und die Altstadt, vor allem die Jesuitenkirche, das KuMax-Gymnasium, den Stadtplatz.

9            Aussichtspunkt am „Schwurfinger“:  Außerhalb der Burgmauer (durch das Tor nach außen gehen) ein schöner Blick auf den Wöhrsee, man kann einzelne, große Fische sehen.

10        Wöhrsee: Ein eigenes Erlebnis ist es, mit einem Schnorchel bei klarem Wasser vor allem durch den nördlichen Teil des Sees zu schwimmen. Man sieht Fische (Karpfen, Weißfische, Hechte, …), Muscheln, Wasserpflanzen. Früher wurde der Wöhrsee in jedem Winter ausgelassen, um durch das Druchfrieren des Bodens „Schlingpflanzen“ zu vernichten. Heute versucht das Umweltamt die Wasserqualität zu verbessern, indem im Badebereich ein kurzwüchsiger Unterwasserrasen angelegt wurde; dieser soll den durch Schwimmer leicht aufwirbelbaren Schlamm festigen. Im nördlichen Seebereich bleiben weiterhin langwüchsige Wasserpflanzen. Das Wasser ist Grundwasser und ähnelt dem Trinkwasser der Burghauser Brunnen (Brunnenfeld bei Bergham. Heute bezieht Burghausen Nitrat-armes Trinkwasser aus dem Weihartsforst), d.h. die Nitratwerte sind relativ hoch.

11        Vor dem Georgstor: Vor der Brücke rechts ist das „Zeughaus“ oder auch „Kornstadl“, ein mächtiger Bau mit beeindruckenden Balken. Hier war 2004 die Präsentation des BN (Waldrapp, Biber, Hausen, Amphibien, …) zur Landesgartenschau. Im Kornstadel liegt im südlichen Teil des Erdgeschosses ein Trinkwasserspeicher für die Versorgung der Altstadt.
Von der Brücke sieht man auf beiden Seiten Mauern, die die Burg in Richtung Wöhrsee und Richtung Stadt schützen. Die äußere Mauer ist deutlich breiter und höher als die innere, da sie bei der letzten, größeren Burgrenovierung (die Türken waren bis auf ca. 150 km an Burghausen gekommen) noch einmal verstärkt wurde.
Die beiden großen Wappen, das bayerische und das polnische wurden zur Hochzeit von Georg dem Reichen mit der polnischen Königstochter Hedwig gemalt, ähnlich in der Hauptburg auf dem großen Schwibbogen das bayerische und das badische Wappen zur Erinnerung an die Hochzeit von Wilhelm VI. mit Jakobäa von Baden.
Rechts das Burgcaffee und links ein Kiosk (öffentl. Toilette).

12        Hauptburg: Im zweiten Tor der Hauptburg hat Georg der Reiche rechts eine römische Grabplatte eingelassen; nur diese Kopie hat den 2. Weltkrieg überlebt. Sie stammt zwar aus der Umgebung, hat aber keinen Bezug zur Burg oder den bayerischen Herzögen. Ich denke, dass Georg der Reiche damit wohl - die Renaissance begann gerade - seine humanistische Aufgeschlossenheit zeigen wollte.
Die Schatzkammer, weiter im Burghof links, war einige Jahre geöffnet, so dass man ihre herrliche Akustik ausprobieren konnte, zur Freude vieler Besucher. Leider wurde sie geschlossen, ein kitschiger Zinnschatz in einer Truhe soll den ehemaligen wirklich wertvollen Goldschatz symbolisieren, schade. An der sie verschließenden Tür sieht man (wie an dem Tor des Wöhrseetores), dass die mittlere der drei Türangeln „falsch herum“ angebracht ist: Ein Schutz gegen das Aushebeln der Rüren! Die Jahreszahl oberhalb der Türe zeigt mit einem „halben Achter“, wie man zu dieser Zeit die „4“ geschrieben hat.
In der Hauptburg gibt es das Historisches Stadtmuseum (geöffnet je nach Jahreszeit vom 15. 3. bis zum 1. 11.. Tel: 08677-65198) und die Staatsgalerie (Zweigmuseum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Tel: 08677-4659).

13        Rundweg um die Hauptburg: Dieser Rundgang (solange die Hauptburg geöffnet ist) lohnt sehr und bietet auch an der Westseite einen Abgang zum Wöhrsee entlang der Mauer zum Pulverturm. Man sieht die Hauptburg aus ganz neuer Perspektive, wie auch die Altstadt, den Pulverturm, das gegenüberliegende österreichische Steilufer.

14        Aussichtsplattform vor der Hauptburg: Auf dem vorspringenden Aussichtspunkt erschließt sich die Dachlandschaft der "Grüben", des tiefstgelegenen Teils der Burghauser Altstadt und sehr schön das österreichische Steilufer gegenüber mit einer beeindruckenden Höhle in der Nagelfluhdecke, in der ein großer Findling liegt.

15        Burgsteig: Die ersten Stufen den Burgsteig hinunter sind aus Nagelfluh, mit modernen Maschinen sauber geschnitten, was war im Mittelalter nicht möglich war. Dann kommen noch drei rötliche Stufen aus "Untersbergmarmor". Das ist eigentlich kein Marmor, sondern ein (Riff)Kalkstein. Aus ihm sind viele Grabsteine, Bodenplatten, Taufbecken (z.B. in Raitenhaslach) etc. in Kirchen und wichtigen Häusern gemacht; er stammt aus Steinbrüchen nahe Salzburg, z.B. aus Adnet („Naturlehrpfad durch die Marmorbrüche“). In diesen Treppenstufen sind auch einige kleine, weiße Fossilien, Überreste von Seelilien (crinoidea) zu sehen.

16        Zwingerturm: Aus dem Stephansturm, dem letzten Burgtor heraus führt der Weg nach unten. Wenige Meter danach links ein Zwingerturm („Stülknappenturm“). Dieser burggeschichtlich relativ alte, halbrunde Zwingerturm bildet mit einer Schießscharte wenige Meter nördlich davon eine Einheit: Eine Einkerbung im unteren Teil des Turmes ermöglicht es Schützen von der Schießscharte aus den Stephansturm zu beschießen, falls er von der Stadtseite her angegriffen worden wäre. Die Schießschartenwände selbst sind "abgetreppt", eine Technik, die noch in jüngster Zeit bei Schießscharten (z.B. beim Atlantikwall) angewendet wurde und verhindern sollte, dass an den Außenwänden abprallende Geschoße in die Schießscharte gelenkt würden.
An dieser Stelle sieht man schön sowohl die natürlichen Nagelfluhfelsen des Burgbergs, wie auch die Kalktuffquader, mit denen diese Nagelfluhfelsen abgestützt und überbaut worden sind.
Weiter nach unten, und entweder durch das Geistwirtgäßl direkt auf den Stadtplatz, oder an der Jakobskirche vorbei zum Ausgangspunkt zurück.

17        Jakobskirche: Über die Jakobskirche gibt es u.a. einen kleinen Kirchenführer.
Hier ein schönes Beispiel für die Weiterverwendung von wertvollen Teilen: An der Außenmauer rechts des Eingangs in die Kirche befindet sich eine Grabtafel des bekannten Steinmetzen Franz Anton Glonner, der 1801 bei seinem gleichnamigen Sohn und ebenfalls bekannten Steinmetz in Burghausen verstorben war: Unter dem Kreuz knien drei Personen, einer in biedermeierlicher, zwei in Renaissance- Kleidung, die viele Jahre vorher gebräuchlich war. Auch die Kreuze über ihren Köpfen (zwei erhabene Kreuze bei den älteren Figuren, ein eingekerbtes über der „modernen“ Person) weisen darauf hin, dass ein ältere Platte überarbeitet wurde, allerdings nur die mittlere Person und der Schriftteil, deren Kleidung etc. der Zeit gemäß angepasst wurde; da die vorherige Person zu klein für ein erhabenes Kreuzchen war, musste das Kreuz eingekerbt werden. Hat hier nach 1801 der Sohn Franz Anton Glonner ein Grabmal vom Anfang des 16. JH für seinen Vater überarbeitet und warum? Nachdem er selbst Steinmetz war, haben sicher nicht die Materialkosten diese Weiterverwendung begründet! (Literatur: "Burghauser Inschriften" von H. Dorner). Von den Glonners gibt es natürlich noch eine Menge Skulpturen in Burghausen, u.a. der alte Teil des Brunnens am Bichl.

 

 

Quellen:

Q1 „Natur im Landkreis Altötting“, Antje Jansen; 2007 (?), Landratsamt Altötting (?). Die geologischen Aussagen in diesem Buch sind leider oft unrichtig.

Q2 „Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern“ bzw. „…, Bayern II: Niederbayern“. Deutscher Kunstverlag, 2002

Q3 „Reclams Kunst Führer: Österreich I bzw. Österreich II“.Philipp Reclam Jun. Stuttgart, 1981

Q4 „Grüner Reiseführer Landkreis Altötting“, Kreisverband für Gartenbau und Landespflege, Altötting e.V., 2003

Q4 Liste der bayerischen Naturdenkmäler

Q5 Informationen in vielen Webseiten der größeren Gemeinden meist nach dem Schema www.ortsname.de, z.B. www.burghausen.de.

Q6 „Jahrmillionen vor der eigenen Tür“, Simon Pittner. Burghauser Geschichtsblätter, 32. Folge, 1973. Dieses lokale geologische Standardwerk ist leider vergriffen.